Pfiffe, Beschimpfungen, Blockade

Zwangsräumung: Nachbarn setzen Bäuerin unter Druck

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Die Nachbarn und Freunde der Familie kämpfen weiter gegen die Zwangsräumung. Die Mutter (r.) hatte ihren Sohn vom Hof geklagt.

Gersdorf - Hans Forstmaier, seine Frau Rosmarie und die fünf Kinder sind weg. Der Protest bleibt. Einen Tag nachdem der Bauer von seiner Mutter vom Hof geklagt wurde, kämpfen Freunde und Nachbarn lautstark für ihn.

Hupkonzerte, Pfiffe, Beschimpfungen – Am sogenannten „Ruin-Hof“ in Gersdorf herrscht noch immer Protest. Wie bereits am Dienstag, als Hans Forstmaier und seine Großfamilie verzweifelt den Bauernhof verlassen mussten, haben sich Nachbarn und Freunde auch am Mittwoch in der Einfahrt versammelt. Sie geben keine Ruhe, wollen Druck ausüben auf Altbäuerin Gertraud Forstmaier, die ihren Sohn vom Hof geklagt hat.

Über 50 Demonstranten belagern seit 9 Uhr morgens das große Anwesen mitten im Ort, mehr als 15 Traktoren blockieren die Straße. Sobald Altbäuerin Gertraud, weißes Kopftuch, blauer Arbeitskittel, grüne Gummistiefel, irgendwo zwischen Stall und Wohnhaus auftaucht, brechen die Wütenden los. Die Beleidigungen der Protestanten sind teils wüst.

„Kaltblütig und unberechenbar ist die“, sagt Nachbar Christian Hamberger sauer. Er und die anderen Demonstranten fordern: Die Altbäuerin soll weg und den Hof ihrem Sohn Hans überlassen, der jetzt mit Ehefrau Rosmarie und den Kindern Hansi (20), Rosmarie (18), Lilli (15), Seppi (12) und Maxi (8) in ein Haus in Unterreit bei Gars (Kreis Mühldorf) gezogen ist. Beim Einkaufen sei Gertraud Forstmaier „immer stinkfreundlich“, sagt einer der Demonstranten. Und jetzt das – „Unglaublich“, sagt einer. Die Altbäuerin will sich gegenüber der Ebersberger Zeitung nicht rechtfertigen.

Jahrelang hatte sie sich mit ihrem Sohn um den Bauernhof gestritten. Zuletzt vor Gericht. Denn Altbauer Johann Forstmaier, alleiniger Eigentümer des Hofes, erlitt bei einem Unfall einen Hirnschaden. Er ist pflegebedürftig. Weil ihr Sohn zu wenig Pacht gezahlt haben soll, hatte ihn die eigene Mutter verklagt. Und Recht bekommen.

„So etwas Schlimmes habe ich noch nicht erlebt“, sagt einer in der Menge mit Tränen in den Augen. Er ist der Cousin von Altbauer Johann „Hans“ Forstmaier. Neben ihm: der Bruder. Beide möchten nicht namentlich genannt werden. „Wir waren heute Früh beim Hans im Pflegeheim. Wir haben ihm die Zeitung mitgebracht.“ Die Männer zeigten ihm die Bilder von seinem weinenden Sohn im Kuhstall und von seinen fünf Enkeln, die verzweifelt den Hof verlassen. „Dann hat er geweint“, sagt der Cousin.

Das könne er doch nicht wollen? „Mir ist er verängstigt vorgekommen“, sagt der Bruder. „Er hat die ganze Zeit geweint.“ Auf einmal aber habe Johann Forstmaier genickt. „Ich habe gefragt: Du willst doch, dass der Hans weitermacht auf eurem Hof?“ Und dann habe Johann Forstmaier laut und deutlich „Ja“ gesagt. „Die müssen ihn unbedingt vor Gericht anhören“, fordern die Zwei.

Sorgen machen sich die Protestanten auch um die Kühe. Die Bauern aus dem Dorf ahnen: die Tiere werden nicht richtig versorgt. „Die weiß überhaupt nicht, welche Kühe welches Futter kriegen“. Ebenso wisse die Altbäuerin nicht, welche Tiere gemolken werden müssen und welche nicht. Und die Milch macht noch mehr Probleme.

Weil Altbäuerin Gertraud laut Landwirtschaftsamt keine Milch anliefern darf – ihr Kontingent ist erschöpft – vermuten die Bauern, sie habe sie in den Abfluss geschüttet. „Das Milchauto war heute jedenfalls nicht da“, sagt Nachbar Hamberger. Hans Forstmaiers Anwalt, Herwig Eder-Richter aus Grafing, forderte deshalb die Polizei an. Denn Milch wegschütten ist verboten. Die Kläranlage in Aßling könnte umkippen. Die Polizei prüft den Fall.

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