Zwei Brände zur gleichen Zeit: War es Brandstiftung?

Taufkirchen/Vils - Nur durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr ist Taufkirchen am Samstagabend knapp an einer Feuerkatastrophe vorbeigeschrammt. Im Ortskern brannte es an zwei Stellen gleichzeitig. Eine junge Familie ist obdachlos, Vater und Kleinkind sowie eine Bekannte wurden teils schwer verletzt.

Gegen 20 Uhr gingen bei der Integrierten Leitstelle Erding gleich mehrere Notrufe ein. Im ersten Stock eines Altbaus am Attinger Weg brannte es ebenso wie an einer Schreinerei des Isar-Amper-Klinikums. Die Stützpunktfeuerwehren Taufkirchen und Dorfen sowie die Wehren aus Hofstarring, Steinkirchen und Inning am Holz rückten aus. Rund 80 Kräfte bekämpften die Brände schnell und verhinderten damit noch viel Schlimmeres.

„Als wir am Attinger Weg eingetroffen sind, schlugen die Flammen schon aus den Fenstern. Es war bereits ein Vollbrand“, berichtet Richard Obermaier, Kommandant der Taufkirchener Feuerwehr und Einsatzleiter. „Sofort sind zwei Trupps unter Atemschutz ins Gebäude“, so Obermaier, „zunächst einmal musste sichergestellt werden, dass niemand mehr in dem Mehrfamilienhaus ist“.

Im Parterre stießen die Retter auf eine alte Dame, die jedoch unter Betreuung in der Wohnung bleiben konnte.

Bilder vom Brand im Attinger Weg

Taufkirchen: Feuer im Attinger Weg

Zum Hergang berichtet das Polizeipräsidium Ingolstadt, dass eine 22 Jahre alte Besucherin der Familie einen Ethanolofen löschen wollte, der in Brand geraten war. Dabei kippte die Konstruktion um. Die auslaufende brennende Flüssigkeit breitete sich vom Schlafzimmer auf die ganze Wohnung aus. Bei Löschversuchen erlitt die junge Frau schwere Brandverletzungen, auch ihre Kleidung fing Feuer.

Die junge Familie brachte sich in Sicherheit. Der Vater und die dreijährige Tochter erlitten Rauchgasvergiftungen. Sie wurden vom BRK-Rettungsdienst, der mit mehreren Fahrzeugen vor Ort war, erstversorgt und erhielten Sauerstoff. Alle drei kamen ins Krankenhaus.

„Im Obergeschoss waren zwei weitere Wohnungen, bei denen uns niemand aufgemacht hat“, so der Kommandant. Beide Türen mussten aufgebrochen werden. Die Apartments waren aber leer.

Obermaier koordinierte zahlreiche Atemschutzgeräteträger, die sich abwechselnd ins Haus begaben. „Wir sind gerade noch rechtzeitig gekommen, denn es ist ein Altbau mit Fehlböden. Die Erfahrung lehrt, dass es hier sehr schnell zu schwer unter Kontrolle zu bringende Großfeuern kommen kann. Das ließ sich aber gerade noch verhindern“, teilt der Einsatzleiter mit. Bereits nach einer halben Stunde hieß es: Brand unter Kontrolle.

Während die Löscharbeiten am Attinger Weg gerade anliefen, schlugen die Funkwecker erneut Alarm: Feuer im Bezirkskrankenhaus. Dieser Brandort liegt nur wenige Meter von der ersten Einsatzstelle entfernt. „Ich habe sofort einen Wagen dorthin geschickt, die Leitstelle hat derweil erneut alarmiert“, sagt Obermaier.

Die Einsatzkräfte stießen auf einen Holzwagen vor dem Anwesen, der in Flammen stand. Er war schnell abgelöscht. Noch in der Nacht traf der Kriminaldauerdienst der Kripo Erding ein, denn hier liegt der Verdacht nahe, dass das Feuer gelegt wurde.

Das Haus am Attinger Weg ist definitiv unbewohnbar. Die Gemeinde wird nun gemeinsam mit der Familie nach einer neuen Bleibe suchen. Der Sachschaden beläuft sich ersten Schätzungen zufolge auf mindestens 150 000 Euro. Beide Einsatzstellen wurden mit Wärmebildkameras abgesucht, ehe die Kräfte gegen 22 Uhr vorläufig wieder in ihre Gerätehäuser zurückkehren konnten. Gegen 23 Uhr fuhr die Taufkirchener Weg noch einmal zu dem nun wohl abbruchreifen Wohnhaus, um eine Brandnachschau vorzunehmen. Es handelte sich um einen der schwersten Brände im Landkreis Erding in diesem Jahr.

Hans Moritz

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