Richter lobt Umdenken des Angeklagten

„Er hat mir das Gesicht zertrümmert“

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Zwei Schläger haben sich vor dem Dachauer Amtsgericht einsichtig gezeigt.

Nach einer wüsten Schlägerei, bei der ein 25-jähriger Dachauer laut Amtsrichter Florian Bauer „wie vom Blitz getroffen“ niedergestreckt und schwerst verletzt worden war, haben zwei junge Männer auf der Anklagebank Platz nehmen müssen. Der Staatsanwalt warf ihnen gefährliche Körperverletzung vor.

Dachau – Demnach sollen die beiden am 20. August des vorletzten Jahres vor dem Restaurant „Seven“ auf zwei andere junge Männer losgegangen und grundlos auf sie eingeprügelt haben. Einer der beiden Angeklagten schlug dabei, so hieß es in der Anklage, auch „mittig in die rechte Gesichtshälfte“ eines 25-jährigen Dachauers. Die Wucht dieses einen Schlages muss enorm gewesen sein: Es brachen Kieferhöhle, Nasen- und Jochbein sowie der sogenannte Orbitaboden, also der untere Teil der Augenhöhle. Kurz, oder wie es das Opfer vor Gericht zusammenfasste: „Er hat mir das Gesicht zertrümmert.“ Noch heute, eineinhalb Jahre nach dem Vorfall, trägt der junge Mann Metallplatten im Gesicht, zudem hatte er mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen müssen.

Der Verursacher dieser Verletzungen aber gab sich – im Gegensatz zu seinem von Anfang an geständigen, 27-jährigen Spezl – gänzlich unschuldig. Von hinten sei er gestoßen worden und auf sein Opfer „draufgefallen. Ich hab keinen Schlag verpasst“! Klar, er sei an dem Abend ein bisschen aggressiv gewesen, „aber nur so verbal“. Als die Polizei später seine Fäuste untersucht habe, seien zudem keine Verletzungen an den Fingerknöcheln entdeckt worden. Bis heute könne er sich daher nicht erklären, warum er auf der Anklagebank sitze.

Im Zuge einer zehntägigen Verhandlungsunterbrechung schien bei dem Dachauer jedoch ein Umdenken eingesetzt zu haben. Ob es ein eindringliches Gespräch mit seinem Anwalt oder die Ankündigung des Staatsanwalts war, dass man den Schlag durchaus auch als „lebensgefährliche Behandlung des Kopfes“ mit einer Haftstrafe ahnden könnte: Der 31-Jährige zeigte sich jedenfalls einsichtig, reuig, gestand den Schlag und sicherte dem Opfer gleich noch die Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 12 000 Euro zu. Sein Kumpan kündigte in diesem Zusammenhang gleich noch an, sein Alkoholproblem „aktiv angehen zu wollen“.

Richter Bauer honorierte dies. „Mist bauen passiert jedem, vor allem, wenn man vorher ordentlich gefeiert hat. Was ich Ihnen aber sehr hoch anrechne: Sie stehen dazu!“ Der Geschädigte bekomme eine „stattliche Genugtuung“, zudem müssten sich die beiden mit Bewährungsstrafen von sechs Monaten für den 27-Jährigen beziehungsweise zehn Monaten für den 31-Jährigen und einer jeweils zweijährigen Bewährungszeit auch strafrechtlich für ihr Fehlverhalten verantworten.

Da beide ein festes familiäres Umfeld sowie Arbeit hätten, gab sich Bauer am Ende aber überzeugt, „dass es in ihrem Leben bald sehr viel ruhiger zugehen wird und wir sie hier nicht mehr sehen werden“. Stefanie Zipfer

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