"Ich hatte doch eine Fahrkarte"

Zwei Stempelautomaten defekt: 40 Euro Strafe

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Sauer auf die Bahn: Manfred Burian muss Strafe zahlen, obwohl der Stempelautomat defekt war

Fürstenfeldbruck - Die S-Bahn steht schon da, ist bereit zur Abfahrt, viel Zeit bleibt nicht mehr. Schnell die Treppen rauf, stempeln und rein in den Zug. Doch was tun, wenn der Stempelautomat einfach nicht funktionieren will?

Diese Frage musste sich Manfred Burian aus Fürstenfeldbruck stellen, als er mit der S-Bahn aus Pasing nach Bruck fahren wollte. Der 47-Jährige kam gerade von einem Zahnarzttermin, als er bereits den Zug stehen sah. Mit seiner Streifenkarte in der Hand lief er die Treppen zum Bahnsteig hinauf. Oben angekommen musste er dann aber feststellen, dass keiner der beiden Stempelautomaten am Treppenaufgang funktionierte. Zeit, sich die Nummer zu notieren oder einen dritten Automaten zu suchen, blieb nicht. „Ich wollte noch ein Foto machen, aber auch dafür fehlte mir die Zeit“, erzählt Burian.

So stieg er zwar mit Fahrkarte, aber ohne entwertete Streifen in die S-Bahn. Und wie es der Zufall will, kommen später zwei Kontrolleure ins Abteil. „Ich hab’ mir nicht viel dabei gedacht. Schließlich hatte ich ja eine Fahrkarte und auch versucht, zu stempeln“, sagt der 47-jährige Brucker.

Doch die beiden Damen in Uniform sahen das anders. Als sie ihn kurz vor Puchheim kontrollierten und sahen, dass das Ticket nicht entwertet war, stellten sie ihm eine so genannte Fahrpreisnacherhebung von 40 Euro aus. „Sie waren sehr freundlich“, erklärt der Brucker. „Sie betonten, dass die Automaten überprüft werden würden und ich in ein paar Wochen über die Sachlage Bescheid bekäme.“

Für Burian war die Sache damit erledigt. „Ich dachte, der Betrag sei auf jeden Fall hinfällig“, sagt der 47-Jährige. Doch da hatte er sich geirrt. Rund vier Wochen später erhielt er ein Schreiben der Deutschen Bahn mit der Bußgeldforderung. Begründung: Es seien ausreichend funktionierende Entwertungsapparate am Pasinger Bahnhof zur Verfügung gestanden. Burian kann das nicht nachvollziehen. „Ich bin kein Schwarzfahrer, dafür habe ich gar nicht die Nerven“, sagt er. „Es ist eine Frechheit, dass ich zahlen muss, obwohl ich ein Ticket hatte. Die Bahn muss schon dafür sorgen, dass alle Automaten funktionieren.“ So will er die 40 Euro erst mal nicht zahlen und eine schriftliche Beschwerde einreichen.

Für die Bahn ist der Fall allerdings eindeutig. Denn in den Beförderungsbedingungen ist klar geregelt, dass Fahrkarten vor Reiseantritt zu entwerten sind. „Dabei ist es zumutbar, dass bei einem Defekt einzelner Stempelautomaten auch andere noch funktionsfähige Automaten an derselben Station aufgesucht werden“, erklärt ein Sprecher der Bahn. Es hilft auch nichts, sich die Nummer eines defekten Automaten zu notieren. Denn Störungen werden automatisch online registriert. Außerdem sei die Zahl der Beanstandungsfälle aufgrund von defekten Entwertern seit Dezember 2011 deutlich zurückgegangen. „Seitdem werden besonders häufig Einzel- und Tagestickets gekauft“, sagt ein Bahnsprecher. „Die werden bereits als entwertet ausgegeben und müssen nicht mehr gestempelt werden.“

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