Sie waren ein Herz und eine Seele

Zwillinge sterben am gleichen Tag

Anni und Maria Bachmaier waren ein Herz und eine Seele. Maria (r.) war wenige Minuten älter und etwas robuste

Steinhöring - Die Zwillinge hielten zusammen bis in den Tod. Anna und Maria Bachmaier aus Steinhöring (Kreis Ebersberg) kamen 1930 nicht nur kurz nacheinander auf die Welt. Beide starben nun im Abstand weniger Stunden.

Es war gegen 5 Uhr morgens am vergangenen Samstag, als Anna Bachmaier, genannt Anni, nicht mehr gegen den Leberkrebs ankämpfen konnte. Im Altenpflegeheim Dorothea in Waldperlach tat sie im Morgengrauen ihren letzten Atemzug. Im Zimmer nebenan schlief Zwillingsschwester Maria. „Als Anni gestorben ist, war Marias Schlaf äußerst unruhig“, weiß Neffe Peter Bachmaier (43) vom Pflegepersonal. „Das ist einfach unglaublich. Sie konnten nicht ohne einander. Man hat ihr Leben lang gemerkt, dass sie denken und fühlen wie eineiige Zwillinge.“

Die schlafende Maria Bachmaier bekam vom Tod ihrer Schwester gar nichts mit. Innerlich aber, so scheint es, war die Verbindung zwischen den beiden tiefgläubigen Frauen stärker als man ahnte. Denn wenige Stunden später schied auch die ältere der Zwillingsschwestern aus dem Leben. „Ich habe schon seit Wochen gesagt: Die beide schaffen es noch, dass sie am selben Tag sterben“, sagt Peter Bachmaier. Eine Prophezeiung, die sich bewahrheitet hat. „Wenn man das nach 83 Jahren auf einen Tag zusammenbringt, ist das auch eine gewisse Fügung.“

Unzertrennlich seit Kindertagen: Die Zwillingsschwestern Anni und Maria waren bis in den gemeinsamen Tod eng miteinander verbunden.

Als Anna und Maria Bachmaier junge Frauen waren, gingen sie zunächst getrennte Wege. Anna blieb in St. Christoph (Gemeinde Steinhöring), fing 1955 als Pfarrhaushelferin in der Kuratie St. Christoph an. In der Kirche, die ganz nah beim elterlichen Hof liegt, blieb sie bist 2010 ein unverzichtbarer Teil der Kirchengemeinde. 48 Jahre lang hatte Anna Bachmaier als Mesnerin gedient. „Sie hat voller Überzeugung zu ihrem Glauben gestanden und ihn gegen alle Widerstände durchgezogen“, erinnert sich Kirchenpfleger Ignaz Loidl (51), ein Freund von Anna. Maria Bachmaier hingegen ging weg von daheim. Die Arbeit brachte sie nach München. Als Krankenpflegerin arbeitete sie ab 1958 am Klinikum Rechts der Isar. „Aber sie ist immer heimgekommen, wenn sie mal Freizeit hatte“, schildert Peter Bachmaier. Beide blieben unverheiratet und kinderlos.

Als Maria 1985 in den Ruhestand ging, zog sie zurück nach Au bei St. Christoph. Die Zwillinge waren nun wieder vereint, lebten nah beieinander. Später wohnten sie gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Monika (86) in einem Haus. Die drei Schwestern belegten in den vergangenen Jahren im Seniorenheim Dorothea drei Zimmer, die direkt nebeneinander liegen. „Wenn wir jetzt da hingehen, wartet hinter zwei der drei Türen ein leeres Zimmer“, bedauert Peter Bachmaier den Tod seiner beiden Tanten, zu denen er eine enge Verbindung hatte. Auf der anderen Seite empfindet er aber „auch Dankbarkeit, dass es für sie jetzt so sein durfte. So etwas kann nach 83 Jahren keiner organisieren.“

Bis vor wenigen Tagen waren die beiden noch im Klinikum Neuperlach. Im Zimmer über Anna, der Leberkrebs-Patientin, lag Maria, der wegen schwerer Diabetes ein Bein amputiert wurde. So fit die Zwillinge geistig noch waren, so gebrechlich waren ihre Körper inzwischen. Als Maria bereits zurück im Altenheim war, hielt es auch Anna nicht mehr im Krankenhaus aus. „Sie hat im Schlaf nach ihrer Schwester geschrien“, berichtet Neffe Peter Bachmaier. Ihr Wunsch wurde erfüllt, die Schwestern waren wieder vereint.

Bevor Maria Bachmaier aus dem Krankenhaus entlassen wurde, ließen die Zwillinge ihre Betten noch einmal nebeneinander schieben. Sie wollten sich voneinander verabschieden. „Gell, Maria, mitnehmen tun wir nix“, sagte Anna. „Ja, so ist es“, antwortete die Schwester. Es waren die letzten Worte, die sie miteinander wechselten.

Von Johannes Markmann

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