BR startet neue Kultserie

Wenn das Leben den Schleudergang einlegt

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Wäschereibesitzerin Christa ( Gisela Schneeberger, Mi.) mit Freundin Gitti ( Maria Peschek) und Kundenliebling Michi ( Stephan Zinner)

München - Das Bayerische Fernsehen startet eine neue Kultserie mit bayerischer Star-Besetzung. Es ist vielleicht das Beste, was der Bayerische Rundfunk an Unterhaltung in diesem Jahr zu bieten hat.

Dem Peter Bradatsch, sagt Gisela Schneeberger und schaut mit einem Mal recht ernst, „dem Peter Bradatsch vertraue ich blind“. Das vielleicht schönste Kompliment, das eine Schauspielerin ihrem Drehbuchautor machen kann. Beide gemeinsam haben mit der neuen komödiantischen Serie Im Schleudergang (Freitag, BR, 22 Uhr) das vielleicht Beste geschaffen, was der Bayerische Rundfunk an Unterhaltung in diesem Jahr zu bieten hat.

Schauplatz der sechs Episoden, die mit unschlagbarem Wortwitz und bayerischem Charme daherkommen, ist die Schwabinger Wäscherei Bachmeier. Hier regiert mit lässigem Pflichtbewusstsein und einem unstillbaren Drang zur Münchner Society die attraktive Christa (gespielt von ­Gisela Schneeberger). Sie ist Chefin, Mutter, Geliebte und beste Freundin in Personalunion. Ihr zur Seite stehen so großartige Kollegen wie Gerd Anthoff, Stephan Zinner, Judith Richter , Udo Wachtveitl und Maria Peschek.

Dass aus Peter Bradatschs ­Feder so kultige Serien wie ­Café Meineid, Franzi oder auch Episoden von München 7 stammen, merkt man auch Im Schleudergang an. „Er hat eine ganz kunstvolle Sprache, die trotzdem nah an der Wirklichkeit ist“, sagt Gisela Schneeberger, die ihre Figur von der ersten Zeile an mitentwickelte. Ob sie mit der Christa Bachmeier auch privat gern befreundet wäre? „Ich weiß nicht. Die ist schon a bissl sehr dominant und mischt sich gern in andere Sachen ein. Ich glaube, mit der würde ich zusammenrücken, denn ich lasse mich auch ungern bevormunden.“ Im Grunde aber hat die Christa ihr Herz auf dem rechten Fleck. „Ja, sie will eigentlich alles gut ­machen“, schmunzelt Gisela Schneeberger, „und macht dann doch so vieles falsch.“

Gerade im Umgang mit der hysterischen Tochter Sieglinde (brillant gespielt von Judith Richter ) stößt sie immer wieder an ihre Grenzen: „Ich selbst habe zwar einen Sohn, aber ich kenne diese Missverständnisse. Ein falsches Wort, und schon geht der andere hoch wie eine Rakete.“ Ja, das Leben legt bisweilen den Schleudergang ein, und dann blitzt in der Serie zwischen all dem bunten, hintersinnigen Alltags­chaos die Wahrheit hervor.

Die Christa Bachmeier, sie hat zweifellos das Zeug zur bayerischen Kultfigur. Schade nur, dass der BR ganz zaghaft mit lediglich sechs Folgen auf Sendung geht. Wenn’s gerade richtig anfängt, ist’s auch schon wieder vorbei. Und der Zuschauer muss sich ein langes Jahr gedulden, bis es eine Fortsetzung mit Wäschereibesitzerin Christa und ihren Lieben gibt. Ob man so Erfolgsgeschichte schreibt? Dem grandiosen Serienensemble wäre es auf jeden Fall zu wünschen.

 

Im Schleudergang

Freitag, BR, 22 Uhr

 

 Astrid Kistner

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