Nockherberg-Singspiel: Diese Schulden machen Spaß…

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Stefan Murr als Karl-Theodor zu Guttenberg (l-r), Wolfgang Krebs als Horst Seehofer und Stephan Zinner als Markus Söder spielen am Mittwoch in München beim traditionellen "Politiker-Derblecken" auf dem Münchner Nockherberg beim Singspiel.

München - Schulden können auch Spaß machen. Zum Beispiel, wenn sie im Mittelpunkt des Nockherberg-Singspiels stehen. Die Kritik: 

Was schon zu Karl Valentins Zeiten gestimmt hat, ist heute immer noch wahr: Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Fragen Sie bloß mal die Bühnentechniker vom Nockherberg … Singspiel-Regisseur Alfons Biedermann hat nach einer Nacht voller schlechter Träume nämlich die komplette Bühne inklusive Beleuchtung umbauen lassen – in einer Hauruck-Aktion am Tag der Generalprobe!

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Diese Mühe: Sie hat sich gelohnt, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Was sie da am Mittwochabend bei der Salvatorprobe aufgeführt haben, war eine Gaudi im ursprünglichen bayerischen Sinne. Unterhaltsam, krachert – und wem’s zu g’schert war, der hat sich’s ja nicht anschauen müssen … Wie schon von Biedermann angekündigt: Das ging zurück zu den Wurzeln. Keine technische Effekthascherei, die Bühne im Stil einer Fernseh-Show aus den 70ern. Das war dann die Szenerie für eine Spenden-Gala zur Rettung der Staatsfinanzen. Motto: Nockherberg gegen den Schuldenberg.

Nockherberg: Bilder vom Singspiel

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Am Spendentelefon: Angela Merkel, Horst Seehofer, Markus Söder & Co. (dargestellt von gut aufgelegten Imitatoren, siehe unten). Im Hintergrund tickte derweil unaufhörlich die Spendenuhr. Nummern-Girls trugen Zahlentafeln über die Bühne – und veränderten die 13-stellige Summe immer mal wieder. Nach oben, versteht sich.

Nockherberg: Die besten Sprüche der Bavaria

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Die Einlagen der Spendensammel-Politiker: ein bunter Strauß. Da gab’s zum Beispiel ein (reichlich derbes) Gstanzl-Duell von Seehofer und Ude. Kostprobe: „Halt doch die Fotzn, du rots Gifthaferl …“ Dazu pralle Weiblichkeit: Christine Haderthauer im Aerobic-Anzug, die auf dem Trimm-dich-Radl umweltfreundlichen Strom erzeugt und dabei das Dekolleté in Wallung bringt.

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Klar: Über solche Szenen und über den Geschmack kann man natürlich diskutieren – ebenso wie über die häufigen Auftritte von Karl Theodor zu Guttenberg in wechselnden Kostümen. Auf der anderen Seite: Man kann das Diskutieren auch bleiben lassen und sich stattdessen einfach unterhalten lassen. Dazu gehört beim Singspiel ganz wesentlich die Musik – und die war auf Top-Niveau. Mit Stefan Dettl von La Brass Banda. Und mit einem kurzen Auftritt der Schleißheimer Schlosspfeiffer, die am Ende Griechenland aus der europäischen Union rausbegleiteten. Das war dann übrigens auch der Moment, in dem der Schuldenstand schlagartig um eine Billion abnahm …

Nockherberg: Die besten Bilder der letzten 30 Jahre

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Alles in allem: 50 unterhaltsame Minuten. Darin enthalten: ein deutlicher Anteil Klamauk, aber das muss ja nicht verkehrt sein. Da wären wir dann wieder beim Valentin.

Uli Heichele

Höhepunkte des Singspiels:

Markus Söder: „Und jetzt sagt der Seehofer doch, wir sind bis 2030 schuldenfrei . . . bah, ich frag’ mich, ob der in seinem Tablettenschrank daneben gelangt hat. Allmächd Seehofer . . .“

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Christine Haderthauer: „Wo ist eigentlich der Seehofer?“

Söder: „Wieso, kommt der auch? Ich dachte, der muss als Interims-Staatsoberhaupt im Schloss Bellevue den mongolischen Umweltminister begrüßen, und danach a Ruderboot auf’m Wannsee daufen!?“

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Söder (zu Haderthauer): „Christine! Du darfst als Bolidiger ned immer nur an DICH denken! Du musst auch amal an MICH denken!“

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Christian Ude: „Das, was gerade hier auf MEINEM Münchner Boden passiert ist, ging entschieden zu weit!“

Seehofer: „Fahr mal rechts ran, Bürgermeisterlein! DEINE Stadt liegt in MEINEM Land! Und jetzt nimm amal a bissl Haltung an vor deinem Bundespräsidenten!“

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Seehofer (zu Guttenberg): „Karl-Theodor, du hier?!“

Guttenberg: „Ach, tief in meiner Brust schwelte eine unstillbare Sehnsucht!“

Seehofer: „Nach mir?“

Guttenberg: „Nein, nach einem Auftritt in der Öffentlichkeit.“

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Söder: „Chef! Chef! Ich hab da jemanden in der Leitung, der möchte den Bundespräsidenten sprechen! Ein Herr Maschmischer, Mischmaschmayer oder so, der hat 500 000 Euro zu verschengen!“

Seehofer: „Um Gottes Willen, Markus! Leg schnell auf! ICH werde als Staatsoberhaupt jedenfalls nicht das Amt des Bundespräsidenten beschädigen!“

Söder (ins Telefon): „Ähm, Herr Maschmischer, der Bundespräsident kann grad ned . . . aber sind Sie bei Facebook? Dann könnten wir zwei doch vielleicht Freunde werden?“

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Ude: „Man muss sich nur amal euren Ex-Bundespräsidenten ansehen, um zu wissen, wie es um euch steht. Euer Hannoveraner Kleingärtner, der aus Schloss Bellevue einen Selbstbedienungsladen gemacht hat.“

Seehofer: „Ha! Hör doch auf, von Sachen zu reden, von denen du nichts weißt. Wenn du a bissl a Ahnung hätt’st von Schmiergeldern, dann hättest du sicher den Zuschlag für Olympia bekommen.“

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Seehofer (zu Guttenberg, väterlich streng): „Karl-Theodor, jetzt hör mir mal zu! Du machst alles, aber auch alles falsch. Du gibst vor, etwas zu sein, was du nicht bist! Du hast betrogen! Gelogen! Du hast die Menschen hinters Licht geführt! Du bis uneinsichtig. (schüttelt verzweifelt den Kopf) Du hast ALLES, was ein Spitzenkandidat der CSU braucht! Ich glaub an dich, aber tu mir einen Gefallen und warte einfach noch ein bisschen mit deinem Comeback! Okay!?“

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