100 Tage im Amt

Fünf Experten stellen OB Reiter ein Zeugnis aus

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OB Dieter Reiter bekommt von Experten ein erstes Zwischenzeugnis ausgestellt.

München - 100 Tage nach dem Amtsantritt von OB Dieter Reiter beurteilen fünf Experten in der tz den Start des neuen Rathaus-Chefs. Dabei gibt es sowohl Lob als auch Kritik.

Seine Vereidigung hat er verhaspelt, die Suche nach einem Rathaus-Bündnis dauerte endlose Wochen – doch jetzt sitzt er fest im OB-Sessel. Dieter Reiter (56, SPD) ist seit 100 Tagen im Amt! München hat nach Jahrzehnten mit Christian Ude tatsächlich ein neues Stadtoberhaupt und das Glockenspiel am Rathaus-Turm läuft immer noch …

Reiter hat schon mehr gestemmt und stemmen müssen, als manch ein Bürgermeister in einer ganzen Amtszeit: Er hat nach 24 Jahren die Grünen vor die Tür gesetzt und regiert mit der CSU und Bürgermeister Josef Schmid, den er in der Wahl viel deutlicher als erwartet übertrumpft hatte. Er hat die (vorläufige) Rettung der städtischen Kliniken durch den Stadtrat gebracht, die den Steuerzahler weitere (zunächst) 400 Millionen Euro kostet!

Zusammen mit Schmid hat er sich ein ordentliches Budget für die persönlichen Mitarbeiter genehmigt. Den Vize hat er mit seinem Kamelrennen-Verbot aber auch schön auflaufen lassen.

Schon vor zwei Wochen hat der OB selbst Bilanz gezogen und sein 100-Tage-Programm gepriesen: Erzieherinnen bekommen bald tatsächlich mehr Geld, bei der ersten Bürgersprechstunde kam er bei den Münchnern gut an, eine Task-Force kümmert sich um die Sanierung der Schultoiletten. Schön und gut. Doch jetzt fragt die tz die Experten dieser Stadt: Wie zufrieden sind Sie mit Dieter Reiter nach 100 Tagen?

David Costanzo

Der Vorgänger: Christian Ude

Der Vorgänger: Christian Ude

Dieter Reiter hatte bei diesen schwierigen Startbedingungen einen nahezu faszinierenden Auftritt – mit einer Präsenz in vielen gesellschaftlichen Bereichen und in vielen Stadtteilen vor Ort. Wie auch schon sein gutes persönliches Wahlergebnis zeigt, kommt er mit seiner bodenständigen, positiven und heiteren Art sehr gut bei den Münchnern an. Es ist wichtig, dass er die Überwindung des Leerstands aufgreift und fortsetzt. Dass er den in der letzten Amtsperiode erarbeiteten Sanierungsplan für die Kliniken im Wesentlichen durchsetzen konnte, ist von essentieller Bedeutung. Dass ich Dieter Reiter in meiner Abschiedsrede nicht erwähnte, ist ein Versäumnis, das ich selber als gravierend betrachte. Inhaltlich bleibe ich dabei: Es wäre ein Debakel gewesen, ausgerechnet das KVR nach allen Kontroversen der CSU zu überlassen. Da war ein warnendes Wort notwendig, das ja auch einen Tag später beherzigt wurde.

Der Radler: Martin Glas

Der Radler: Martin Glas

Der Radverkehr ist in den letzten Jahren rasant gewachsen. Deshalb brauchen Radler mehr Platz auf den Straßen. Bisher hat Dieter Reiter nur Versprechungen gemacht. Die Rosenheimer Straße zum Beispiel braucht dringend Radfahrstreifen. Nach dem rot-schwarzen Koalitionspapier sollen die zu Lasten der Parkplätze realisiert werden. Dafür müssten dann aber zahlreiche Bäume weg! Wir vom ADFC fordern stattdessen einen dreimonatigen Praxistest eines Konzepts, das den Wegfall von jeweils der rechten Autospur vorsieht.

Der IHK-Chef: Peter Driessen

Der IHK-Chef: Peter Driessen

100 Tage Einarbeitungszeit ins neue Amt? Für Dieter Reiter doch kein Thema! Er ist lange genug dabei und kennt die Herausforderungen für die Stadt sehr genau. Eine moderne Infrastruktur, bezahlbarer Wohnraum und gut ausgebildete Fachkräfte sind die Fragen der Zukunft, die der OB gestalten muss. Dafür muss er jetzt die Weichen stellen, denn die Region München wird bis 2030 um die Einwohnerzahl einer Stadt wie Augsburg wachsen.

Der Mieter: Maximilian Heisler

Der Mieter: Maximilian Heisler

Dieter Reiters Bilanz ist durchwachsen, aber er hat auch schwierige Themen geerbt – Udes Leerstände und Söders GBW-Ausverkauf. Beim Leerstand hat er viel versprochen, wir warten auf die ersten Schritte. Gegenüber der GBW vermissen wir eine noch stärkere Position. Wir fordern von der GBW volle Transparenz bei den Verkäufen – und von der Stadt, dass sie auch Wohnungen zum Schutz der Mieter kauft. Schade, dass Reiter noch nicht den Kontakt zu unserem Bündnis Bezahlbares Wohnen gesucht hat.

Der Autofahrer: Michael Haberland

Der Autofahrer: Michael Haberland

Schon bei unserer OB-Kandidaten-Diskussion im Februar im Verkehrsmuseum haben wir erlebt, dass sich Dieter Reiter und Josef Schmid arrangieren können. Da hat Reiter sich für die grüne Welle ausgesprochen. Das sind ganz neue Töne! Die Aubruchstimmung tut der Stadt außerordentlich gut. München kann nämlich eine gut vernetzte Verkehrspolitik gut vertragen. Der Nahverkehr ist wichtig, Auto und Radl aber auch. Am wichtigsten ist für uns bei Mobil in Deutschland, dass der Verkehr fließt – und nicht der eine auf Kosten des anderen.

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