Teuren Audi geleast?

120.000-Euro-Luxusschlitten bei der Lebensbrücke?

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Der Luxus-Audi in der Tiefgarage der Lebensbrücke

München - Sie kümmern sich seit 25 Jahren um arme Kinder auf der ganzen Welt und werben damit, dass man mit wenig Geld vielen Menschen helfen kann. Doch ganz offenbar lassen es sich auch die Initiatoren des Münchner Wohltätigkeitsvereins „Deutsche Lebensbrücke“ ziemlich gut gehen.

Von dessen Konto sollen Monat für Monat 1202 Euro für das Leasing eines fast 120 000 Euro teuren Luxus-Audis abgebucht werden. Braucht’s das? Von der Lebensbrücke gibt es dazu keine Anwort.

Auf ihrer Internetseite www.lebensbruecke.de werben sie mit prominenten Fürsprechern von Show-Titan Thomas Gottschalk über Lindenstraßen-Star Marie Luise Marjan bis hin zu Hollywood-Legende Michael Douglas. Gründungsvater ist Senator Dr. h.c. Reinhard Mayer, der 1989 nach dem Fall des Eisernen Vorhangs den Verein ins Leben rief: „Kinder, Kranke und Alte in Russland, Jugoslawien und Polen brauchen unsere Hilfe.“

Der Leasing-Vertrag.

Mayer, der seinen Wohnsitz offenbar in Liechtenstein hat, ist heute Aufsichtsratschef und soll die Limousine nutzen. Es handelt sich laut Unterlagen, die der tz vorliegen, um einen A8 4.2 TDI Quattro mit 350 PS, phantomschwarz und mit Perleffekt. Der Listenpreis beträgt 117.164,99 Euro. Finanziert wird das Ganze mit einem Leasing-Vertrag über vier Jahre zu monatlichen Raten von 1202 Euro! Zum Vergleich: Im Spendenaufruf wirbt die Lebensbrücke damit, dass für das Projekt „Mittagstisch“ in München für sozial schwache Kinder 800 Euro benötigt werden – pro Jahr wohlgemerkt. Geparkt wird der Luxusschlitten auf den vier angemieteten Duplex-Tiefgaragenstellplätzen mit den Nummern 33 bis 36 der Geschäftsstelle in der Dachauer Straße.

Wieso benötigt ein gemeinnütziger Verein, der um jeden Euro für die Armen und Benachteiligten kämpft, einen derart teuren Dienstwagen? Darüber wundert sich nicht nur das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin (siehe unten). Auch die tz hätte gerne Antworten darauf gehabt.

Eine Mitarbeiterin sagte auf Anfrage, dass Aufsichtratschef Mayer nicht erreichbar sei. Sie wolle sich aber um einen Rückruf durch die Vorstandsvorsitzende Petra Windisch de Lates bemühen. Dieser blieb aus. Eine neuerliche Nachfrage endete mit der Aufforderung, die Fragen schriftlich zu formulieren. Doch auch diese E-Mail blieb unbeantwortet.

"Eine Verschwendung von Spendengeldern"

Die Geschäftspraxis der Deutschen Lebensbrücke ist bereits beim Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin aufgefallen! Geschäftsführer Burkhard Wilke kritisiert auf Anfrage der tz vor allem die mangelnde Transparenz.

Burkhard Wilke.

„Die Unterhaltung eines Dienstwagens dieser Preisklasse ist für eine gemeinnützige Organisation äußerst ungewöhnlich.“ Sollte SenatorReinhard Mayer den Audi A8 wirklich nutzen, sei dies absolut nicht mit dem Gebot einer sparsamen Mittelverwendung vereinbar. Schließlich handle es sich bei der Lebensbrücke mit von ihm geschätzten Jahreseinnahmen von rund 1,3 Millionen Euro um einen eher kleinen Verein. Und der Vorsitzende des Aufsichtsrats dieser Organisation habe laut Satzung ausschließlich die Aufgabe, den für die Geschäftsführung verantwortlichen Vorstand zu kontrollieren. „Kurzum, das ist eine Verschwendung von Spendengeldern“, bringt es Wilke auf den Punkt.

Offenbar lassen sich die Lebensbrücke-Verantwortlichen ungern in die Karten schauen. Das DZI habe sich wiederholt bemüht – zuletzt im Juli 2014 – im Sinne der Transparenz gegenüber dem Spender konkrete, aussagekräftige Informationen über ihre Arbeit zu erhalten. Auf seiner Internetseite stellt der Verein zwar einige der vom DZI erbetenen Unterlagen, wie beispielsweise einen Auszug aus dem Jahresabschluss, zur Verfügung. Doch auf detaillierte Nachfragen habe die Lebensbrücke nicht reagiert. „Eine Berechnung des Anteils der Werbe- und Verwaltungsausgaben war uns nicht möglich. Wir können deshalb nicht beurteilen, ob diese Kosten im Jahresdurchschnitt im vertretbaren Rahmen liegen“, sagt Burkhard Wilke.

Zwar besteht für Spenden sammelnde Organisationen keine Verpflichtung, entsprechende Auskünfte zu erteilen. Dennoch bleibt für Wilke ein fader Beigeschmack. „Das DZI bedauert, dass eine Organisation, die in der Öffentlichkeit um Unterstützung wirbt, nicht die Informationen zur Verfügung stellt, die der Spenderberatung eine Einschätzung ihrer Vertrauenswürdigkeit erlauben würden.“

Update, 14.01.2015: Stellungnahme "Deutsche Lebensbrücke" 

Inzwischen hat sich die "Deutsche Lebensbrücke" zu Wort gemeldet. In einer auf der Homepage veröffentlichten Stellungnahme teilt der Verein mit, dass der Audi A 8 "durch einen Sponsor finanziert" werde. Es würden keine Spendengelder verwendet.

Stefan Dorner, Sebastian Arbinger

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