Eine Reise in die Dunkelheit der Stadt

Gruselgeschichten aus München: An diesen 14 Orten soll es spuken

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Zu den mystischen Orten in München zählt auch der alte Nordfriedhof. 

Geister und Dämonen gibt’s nicht? Gibt’s doch! Die Münchner Autorin Astrid Süßmuth zeigt die verhexten Seiten der Stadt – viel Spaß beim Gruseln!

München leuchtet. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: verwinkelte Gassen, verwitterte Gemäuer und finstere Erker – Zufluchtsorte für Hexen, Geister und Dämonen. Die Autorin Astrid Süßmuth hat den 111 schauerlichsten „Spukorten“ in und um München einen spannenden Stadtführer gewidmet. Hier nehmen wir Sie mit auf eine Reise in die Dunkelheit. In eine Welt, in der sich Hexen und Teufel zum Tanze treffen…

Alter Nordfriedhof

Christopher Weidner ist Stadtspürer. Seit zwölf Jahren streift der 51-Jährige durch München – mit Gänsehautgarantie. „Ja, in München spukt’s“, sagt Weidner. Am Promenadeplatz zum Beispiel soll ein Poltergeist sein Unwesen treiben. Auch von seinen Kunden habe er schon viele schauerliche Geschichten erfahren, sagt Weidner. Egal, ob auf dem Alten Nordfriedhof oder in der Innenstadt: „Übernatürliches gibt es überall. Die einen erzählen von Schritten, die anderen von unheimlichen Schaufelgeräuschen in der Nacht.“ Braucht man ein spezielles Gespür für Geister? „Nein“, sagt Weidner, „meist trifft es die, die am wenigsten damit rechnen.“

Hexenturm

Er ist sogar bei Sonnenschein einer der finstersten Orte der Stadt: der Hinterhof der Maximilianstraße, auf dem einst ein alter Hexenturm stand – ein Gefängnis für junge Mädchen und Frauen. Eines der letzten Opfer der „Hexenprozesse“ war die 17-jährige Theresia. Kurz vor ihrer Hinrichtung beobachtete die Schildwache, dass eine Fledermaus aus der Todeszelle flog. Mit dem Tier verschwand auch die Kleidung der Verurteilten. Am nächsten Morgen wurde Theresias Ankläger tot aufgefunden. Erdrosselt – mit dem Armesünderhemd seiner einstigen Dienerin.

Teufelsstein

Um die kleine Wallfahrtskirche von Grafrath zu zertrümmern, soll der Teufel einst einen riesengroßen Felsbrocken angeschleppt haben. Als ihm eine Frau begegnete und ihm berichtete, dass es noch unendlich weit sei bis Grafrath, verwandelte sich der Teufel in einen Blitz – und verschwand. Zurück blieb lediglich der Teufelsstein – die Kirche war gerettet. Seitdem sollen sich Hexen und Teufel an eben jener Stelle zum Tanze treffen.

Residenz

„Es gibt vieles zwischen Himmel und Erde, das nur ein echter Münchner verstehen kann“, sagt Carola Kühberger. Mehrmals pro Woche schlüpft die Münchnerin in ihr Kostüm, ein bodenlanges Kleid mit strengem Stehkragen. Damit verwandelt sich die Geschichten-Erzählerin in die Schwarze Frau – eine sagenhafte Gestalt, die der Legende nach in der ­Residenz, dem ehemaligen Stadtschloss der Wittels­bacher, hausen soll. Auf ihren Gänsehaut-Stadtführungen hat Carola Kühberger schon viel Sonderbares erlebt. „Ich erinnere mich an Momente, in denen die Sonne genau zum richtigen Zeitpunkt durch die Wolkendecke brach“, erzählt sie. „Oder an Türen, die wie durch Geisterhand aufgingen.“ Zufall oder Hirngespinst? „Wer weiß das schon...“

Nockherberg

Weil seine Nachfahren seinen ausdrücklichen Wunsch, den alten Brauereinamen zu erhalten, missachtet hatten, soll Franz Xaver Zacherl nach seinem Tod als Geist auf die Erde zurückgekehrt sein. Schlag zwölf Uhr mitternachts soll der hohlwangige Braumeister jedes Jahr während der Starkbierzeit ein feuriges Brauereigespann den Nockherberg hinunterjagen. Manch ein Zecher schwört bis heute Stein und Bein, dem Zacherlgeist begegnet zu sein.

Aubinger Lohe

Wo heute leuchtende Lichtflecken über den Waldboden tänzeln, soll einst ein prachtvolles Schloss gestanden haben. Als der Hausherr auf der Jagd in den Lohwäldern erschlagen wurde, verfluchte seine Witwe Wald und Burg. Das herrschaftliche Schloss stürzte daraufhin mit all seinen Schätzen in sich zusammen und versank im Teufelsberg. Die Burgherrin soll der Legende nach seitdem ruhelos als weiße Gestalt durch die Wälder der Aubinger Lohe wandeln.

Plemplholz

Ein riesengroßer Geisterhund soll es gewesen sein, mit rot glühenden Augen groß wie Teller. Wer spätabends durch das Gautinger Pemplholz schlenderte, begegnete einem Monstrum, dessen schauerliches Knurren bis in den Ort hinein zu hören war. Die Heimgesuchten, so heißt es, seien mit schlohweißen Haaren aus dem Wald zurückgekehrt. Woher der Spuk kam? In der Orts-Chronik steht geschrieben, dass sich vom Plempl-Bauern im Herbst 1907 ein rotes Ross losgerissen hatte. Bis das Tier wieder eingefangen war, verstrichen Wochen. Wochen, in denen das Pferd wohl im Wald unterwegs und ab und zu zwischen den Tannen zu sehen war...

Isartor

Als der König von Schweden im Mai 1632 das Stadttor durchschritt, soll er den Teufel nach München gebracht haben. Spaziergänger berichteten von nebulösen Gestalten, die ihnen auf ihrem Weg begegnet waren. Noch heute soll der Diabolus an späten Herbstabenden durch die verwinkelten Bögen des Isartors ziehen.

Maxtor

Es war Herbst, als sich feiner Nebel über die Straßen legte. Beschwingt von einem geselligen Abend überquerte ein Mann den Maximiliansplatz. Als er das Maxtor durchschritt, tauchte plötzlich ein außerordentlich dicker Mann neben ihm auf, der ihn bis zu seiner Haustür verfolgte. Als der Münchner nach seinem Schirmständer griff, um sich gegen den Unbekannten zu verteidigen, löste sich der Dicke plötzlich in Luft auf. Binnen mehrerer Wochen häuften sich die Berichte von Passanten, die Ähnliches erlebt hatten. Bis heute.

Lena-Christ-Grab

Die Schriftstellerin Lena Christ wurde zeitlebens von den Dämonen ihrer Kindheit verfolgt. Mit 38 folgte die Münchnerin den Prophezeiungen einer Wahrsagerin und schluckte Zyankali. Im Testament hatte Christ zuvor bestimmt, was auf ihrem Grabkreuz stehen soll: „31. Juni 20“ – ohne Jahrhundertangabe. Hat sie diese Welt also nie verlassen? Immer wieder wollen Passanten die untote Christ an ihrem Grab gesehen haben.

Alter Südfriedhof

Während des Bombenkriegs glich der Südliche Friedhof ­einem Schlachtfeld. Augen­zeugen berichten von offenen Gräbern, zerbrochenen Grabsteinen und offenliegenden, halb verwesten Leichenteilen. Und noch heute soll man alljährlich am 18. Februar kurz vor Mitternacht Schmerzensschreie hören können. Es ist das Weh­klagen von neun Kunststudenten, die im Winter 1881 auf ­dem Nachhauseweg von ­einem Faschingsball bei lebendigem Leib in ihren Eskimokostümen verbrannt sind.

Köhlholz

Bereits während des 19. Jahrhunderts fürchteten sich Fuhrleute vor den „schlimmen Geschehnissen“ und „unheimlichen Vorgängen“ im Köhlholz (Kreis Erding). Tatsächlich hatte sich dort am 31. Juli 1831 ein bestialischer Mord ereignet: Eine junge, hochschwangere Frau ist von ihrem Liebhaber mit 14 Messerstichen malträtiert und anschließend in einem kleinen Weiher ertränkt worden. Noch heute wollen Spaziergänger die Mutter und ihr ungeborenes Kind als schleierhafte ­Gestalten durch das Unterholz streifen sehen.

Sendlinger Tor

Auf der „Teufelsbrücke“ am Sendlinger Tor sind Tausende Diebe und Kleinkriminelle ausgepeitscht und bestialisch gefoltert worden. Einer aber hatte eine Tat begangen, die so furchtbar war, dass keine körperliche Strafe ausgereicht hätte, um sie zu vergelten. Einer der vornehmsten Bürger Münchens hatte eine Diebesbande in die Stadt gelockt, um sich selbst zu bereichern. Doch das Vorhaben scheiterte. Die Räuber wurden gehängt, der Verräter auf Anweisung des Stadtrates bei lebendigem Leib eingemauert – in den Südturm des Sendlinger Tors. Seine Schmerzensschreie sollen erst nach etlichen Tagen verstummt sein. Manch einer hört sein Stöhnen noch heute.

Großer Sitzungssaal des Rathauses

„Man munkelt“, erzählt Bürgermeister Josef Schmid (CSU), „dass die Figuren des mächtigen Gemäldes im Großen Sitzungssaal des Rathauses in der Dunkelheit lebendig werden.“ Auf Carl Theodor von Pilotys kolossalem Gemälde „Monachia“ von 1879 ranken sich Persönlichkeiten aus Adel, Klerus und Bürgertum um eine Frauengestalt in weißem Gewand – sie ist die Versinnbildlichung der Stadt. Für jene Zeit, in der eigentlich Ludwig II. das Sagen hatte, ist dies eine ungewöhnliche Konstellation. Ungewöhnlich sind auch die Gerüchte, die in den Rathausmauern kursieren. „Es heißt, dass die historischen Gestalten spätabends aus ihrem Rahmen steigen und durchs Rathaus ­spazieren“, berichtet Schmid. Und was ist dran an den Gesichten? Der Bürgermeister ist skeptisch: „Mir ist der leibhaftige Montgelas noch nicht begegnet...“

Astrid Süßmuth lehrt uns das Gruseln

Astrid Süßmuth kennt sich mit mystischen Orten in und um München aus.

Nach mehreren Büchern über Kräuter und Heilpflanzen hat Astrid Süßmuth nun den Stadtführer zum Fürchten geschrieben. Im tz-Interview erklärt die 45-Jährige, wie es dazu kam.

Frau Süßmuth, woher stammt Ihre Faszination für schauerliche Spukorte?

Astrid Süßmuth: Aufgrund meiner Arbeit als Heilpraktikerin beschäftige ich mich sehr viel mit Naturheilkunde, speziell mit dem Thema Geomedizin, der geographischen Gesundheitsforschung.

Geomedizin? Das müssen Sie erklären...

Süßmuth: Ich versuche, he­rauszufinden, was Orte über Menschen aussagen, oder wie Orte unsere Gesundheit beeinflussen. Bei der Recherche bin ich nicht nur auf Kraft-, sondern auch auf Spukorte gestoßen – in und um München.

Sie haben also Kraft- und Spukorte gefunden? Wie ging es dann weiter?

Süßmuth: Dann habe ich angefangen, Bücher zu wälzen, mit Archivaren und Alteingesessenen zu sprechen und mich selbst an den sagenumwobenen Orten umzuschauen.

Und, was ist dran an den Geschichten, die sie in Ihrem Stadtführer erzählen?

Süßmuth: Einem rasselnden Skelett bin ich zwar noch nicht begegnet, dafür aber anderen schauerhaften Gestalten. In der Untergiesinger Lohstraße meine ich, den Geist einer ­jungen Frau gespürt zu haben.

An wen richtet sich Ihr Stadtführer?

Süßmuth: Vor allem an ­Einheimische, an Münchner Kindl, die ihre Stadt auch mal von einer anderen Seite sehen wollen.

Darum sollte jeder Münchner unsere Stadtviertel-Seiten auf Facebook kennen

Welches ist Ihr Münchner Viertel? Sendling? Ramersdorf? Moosach? Das Westend? Wir haben Facebook-Seiten gegründet, auf denen wir alles Wichtige, Aufregende und Schöne und Ihre Liebe zu diesem einen Viertel mit Ihnen teilen. Hier entlang zur Liste.

Sarah Brenner, Chiara Schorbach

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