Mit Fassadenstürmern

150 Jahre Gärtnerplatztheater: Münchens Volksoper feiert Jubiläum

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Am Mittwoch hat das Gärtnerplatztheater Jubiläum gefeiert.

München - Das Gärtnerplatztheater feiert seinen 150. Geburtstag mit einem Freiluft-Spektakel - über tausend Münchner feiern mit. 

Abseilen im orangefarbenen Overall, das hätte dem Chef gerade noch gefehlt. Also blieb der höhenängstliche Josef Ernst Köpplinger auf dem Baugerüst, während sich zum Finale der Show unter ziemlich zwerchfellgefährdendem Lautsprechergewummer Fassadenstürmer abseilten. Eine Geburtstagsfeier der dritten bis vierten Art war das am Mittwochabend, zu der der Intendant von seinem hohen Posten aus begrüßte und zum gemeinsamen Sekttrinken aufforderte. 150 Jahre Gärtnerplatztheater, diese Party konnte aus Sanierungsgründen bekanntlich nicht drinnen steigen, dafür auf einem sich immer mehr füllenden Vorplatz. Von „1000 Menschen“ sprach der begeisterte Hausherr, es dürften am Ende gut dreimal so viele gewesen sein.

Fassadenkletterer am neu renovierten Gärtnerplatztheater.

Eineinhalb Jahrhunderte, zusammengedrängt auf eine gute Viertelstunde, das bekam man mittels Licht-, Ton- und Bildspektakel präsentiert. Während die noch verhängte Fassade also die passende Leinwand hergab, prostete man sich unten zu. Per Geburtstagsfilm hatten sich zuvor die Gratulanten gemeldet, von Cornelia Froboess und Lambert Hamel über aktuelle Gärtnerplatz-Solisten wie Daniel Prohaska und die schon legendäre Gisela Ehrensperger bis zu Grüßen aus Tokio, Sydney, New York, Dresden und sogar Regensburg. 

Der musikalischste kam vom Landestheater Salzburg, der optimistischste von Amelie. „Dass es noch zehnmal so lange stehenbleibt“, wünschte sich die Zehnjährige aus dem Gärtnerplatz-Kinderchor.

Sie bilden am Mittwoch die Jubiläumszahl 150. 

Während sich anfangs noch die Musikzuspielungen zu leise und wie verschämt in die Gehörgänge der Feiernden schlichen, kam die Show dann doch in Fahrt. „75 mutige Menschen“, wie es Köpplinger formulierte, hoben vom Gerüst aus je zwei Lichter in die Höhe. Und mit 150 Jahren, so deutete der Intendant an, müsse sich ein solches Haus längst nicht wie Methusalem fühlen: „Je älter ein Theater wird, desto unvergänglicher ist es.“ Köpplinger, der sein geliebtes Baseball-Käppchen derzeit häufiger mit dem Bauhelm vertauschen muss, dürfte die ganze Renovierungssache ohnehin wie ein böhmisches Dorf vorkommen, das hatte er ein paar Stunden zuvor angedeutet: „Ich scheitere schon an einem Ikea-Regal!“

Wie die Wiedererröffnung von Münchens Volksoper musste übrigens auch die große Geburtstagsausstellung verschoben werden – dies aber nur um wenige Monate. Im kommenden Januar widmet sich das Deutsche Theatermuseum in München dem Gärtnerplatztheater, quasi als vorab veröffentlichter Katalog ist der von Stefan Frey herausgegebene Prachtband erhältlich. In drei Akten inklusive Intermezzi, Pro- und Epilog werden die 150 Jahre ausgebreitet. Mit wunderbaren Bildern, klugen Texten, die sich auch der braunen Phase zwischen 1933 und 1945 nicht verschließen.

Und wann dürfen die Gärtnerplatzler nun zurück in die Heimat? Intendant Köpplinger verweist dazu aufs Ministerium: „Wir gehen davon aus, dass am 4. November 2016 eröffnet wird. Sicher ist das aber nicht.“ Eine Ahnung davon, welche Kämpfe ausgefochten werden müssen, gibt übrigens die Geschichte mit dem Aufzug. 

"Volksoper" wird es auch genannt.

Ursprünglich habe man dem Haus, so erzählt Köpplinger, nur einen Lift genehmigt. Etwas knapp kalkuliert für die knapp 900, nicht durchwegs treppenfesten Besucher. „Wir haben einfach gesagt: Dann muss notfalls jede Vorstellung eine Viertelstunde später beginnen.“ Die staatlichen Geldgeber lenkten ein: Für einen laut Köpplinger „nicht einmal sechsstelligen Betrag“ darf nun der zweite Aufzug eingebaut werden. Eine gute Nachricht für die Gelenke.

Stefan Frey (Hrsg.): „150 Jahre Gärtnerplatztheater“. Henschel Verlag, Leipzig, 224 Seiten; 34,95 Euro.

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