16 Jahre nach der Tat: Taxi-Schütze gefasst

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Mit diesem Phantombild fahndete die Polizei nach dem brutalen Räuber

München - 16 Jahre nach dem versuchten Raubmord an dem Taxifahrer hat die Polizei den Täter gefasst. Nun sitzt er in Stadelheim in U-Haft.

Mit einer solchen Waffe schoss der Täter

Noch am Krankenbett hat seine Freundin ihn damals in jener schlimmen Juni-Nacht angefleht: „Bitte fahr nie wieder Taxi. Ich hatte solche Angst um Dich.“ Zdenek S. (heute 65 Jahre alt und Rentner) hat Wort gehalten. Zum Taxifahrern wäre er auch gar nicht mehr fähig gewesen. Zu schlimm ist die Erinnerung an dem Moment, in dem der Mann die Waffe zog und auf ihn schoss. Zu nahe war er damals dem Tod gewesen. Nun wird das alles wieder aufgewühlt. 16 Jahre nach dem versuchten Raubmord an dem Taxifahrer hat die Polizei den Täter gefasst!

In Fürth bei Nürnberg wurde ein Einzelhandelskaufmann (heute 45 Jahre alt) festgenommen. Zwei Fingerabdrücke auf einer im Taxi liegengebliebenen Zeitung überführten Dieter S. als den Räuber, der in der Nacht zum 11. Juni 1995 in Steinhausen Taxifahrer Zdenek S. im Taxi anschoss und lebensgefährlich verletzte. Nun sitzt er wegen versuchten Raubmordes in Stadelheim in U-Haft.

Zdenek S. war von Beruf Diplom-Ingenieur und schrieb Drehbücher. Taxi fuhr er immer abends und nachts. So wie in jener Juni-Nacht nach Mitternacht – als am Alten Peter ein gepflegter, junger Mann einstieg. Der ließ sich zur Eggenfeldenerstraße fahren. Eine einsame Gegend an der Autobahn, dunkel, menschenleer. Am Ziel griff der Mann in eine Tüte, zog eine Waffe heraus und sagte: „Jetzt ist Schluss!“ Dann krachte es. Das Projektil traf den Taxler in die rechte Lende. Es kam zu einem Gerangel, bei dem der Täter noch zwei Mal durch die Windschutzscheibe schoss. Schließlich floh er zu Fuß. Trotz seiner Verletzung fuhr Zdenek S. noch 300 Meter weit, schrie in den Funk: „Helft mir! Ich bin verletzt!“

Gott sei Dank: Zdenek S. bekam Hilfe. Er kam ins Krankenhaus, wurde operiert. Das Geschoss hatte seine rechte Niere gestreift. Der Täter entkam – zunächst. Von ihm gab es nur zwei Fingerabdrücke auf einer Ausgabe des Münchner Merkur, die im Taxi gefunden wurde. Die waren seitdem im AFIS-System gespeichert. Diese Abdrücke werden mit neuerer Technik immer wieder überprüft – und lieferten jetzt den Treffer! Sie gehören zu dem heute 45-Jährigen, der damals seine Freundin in München besucht hatte. Zielfahnder nahmen ihn bereits am 28. Februar fest. Motiv für die Tat: wohl finanzielle Probleme. Zehn Tage nach den Schüssen überfiel S. ein Gardinengeschäft, saß dafür zwei Jahre in Haft. Die Waffe, eine Dreyse-Pistole, warf er angeblich in die Isar.

Dorita Plange

Die spektakulärsten Verbrechen Münchens

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30 Millionen Abdrücke im System

Im Automatisierten Fingerabdruck-Identifizierungssystem (AFIS) des Bundeskriminalamtes sind zur Zeit 30 Millionen Einzelfingerabdrücke von 3,2 Millionen Menschen gespeichert. Darunter waren auch die zwei Fingerspuren von Dieter S., die ihm viele Jahre lang nicht zugeordnet werden konnten. Ihre Qualität nämlich war nicht sehr gut. Wieder und wieder wurde die alte Münchner Spur deshalb von Experten des Landeskriminalamtes digitalisiert – bis das ebenfalls ständig verbesserte System nun die Übereinstimmung mit den Fingerabdrücken des bereits straffälligen Dieter S. erkannte.

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