Sie sollte nach Italien gebracht werden

18-Jährige flieht vor Zwangsprostitution

München - Abermals beschäftigt ein brutaler Fall von Menschenhandel die Münchner Polizei: Eine 18-jährige Nigerianerin tauchte bei der Bahnhofmission auf und berichtete, sie sei seit mehreren Jahren als Zwangsprostituierte missbraucht worden.

Auf der Durchreise habe sie dann in München fliehen können, berichtete die Frau. Nun sucht die Polizei einen Mann, den die traumatisierte Afrikanerin um Hilfe gebeten und der sie zur Bahnhofsmission begleitet hat.

In ihrer Vernehmung gab die Frau an, dass sie in Griechenland zur Prostitution gezwungen worden war und nun über Deutschland nach Italien gebracht werden sollte. 2009 war die damals 15-Jährige von einer Unbekannten unter dem Vorwand, Arbeit in einem Friseurladen zu bekommen, mittels gefälschten Ausweispapieren per Flugzeug von Lagos (Nigeria) nach Athen (Griechenland) und von dort weiter auf die Insel Rhodos gebracht worden. Dort musste sie unter Drohungen und körperlicher Gewalt gegen ihren Willen der Prostitution nachgehen, um die angeblichen Schleusungskosten von 65 000 Euro zurückzuzahlen.

Nach fast drei Jahren wollte erneut die unbekannte Schleuserin die Nigerianerin zur weiteren Prostitution nach Italien bringen, da sie sich dort offensichtlich höhere Umsätze erhoffte. Zu diesem Zweck flog sie mit der 18-Jährigen am 4. Juli von Athen nach Deutschland - vermutlich nach Frankfurt. Auf der Weiterreise mit dem Zug nach Italien gelang es der jungen Frau am Donnerstag vor einer Woche an einem unbekannten Bahnhof in München, ihrer Begleiterin davonzulaufen. Anschließend bat sie einen unbekannten Mann um Hilfe. Durch dessen Unterstützung gelangte die junge Frau gegen 16.30 Uhr zur Bahnhofsmission im Hauptbahnhof. Dort schilderte sie ihren Leidensweg und wurde von einer Mitarbeiterin der Polizei übergeben. Mittlerweile ist die junge Frau in einer betreuten Einrichtung.

Ähnlicher Fall vor wenigen Wochen

Erst vor wenigen Wochen war ein ähnlicher Fall in München bekannt geworden. Auch da war das Opfer eine jugendliche Nigerianerin. Diese war Anfang Februar unter falschen Versprechungen über Frankfurt nach München gebracht worden. An einem unbekannten Ort - vermutlich zwischen München und Holzkirchen - wurde sie festgehalten. Eingesperrt in einem Zimmer wurde sie zwei Wochen lang als Sexsklavin missbraucht. Rund 40 Freier sollen es in dieser Zeit gewesen sein. Dann verhalf ihr ein Freier, angeblich mit Namen „Hans“, zur Flucht, nachdem sie sich ihm anvertraut hatte. Auch dieser brachte sie zum Hauptbahnhof und setzte die junge Frau dort ab. Trotz verschiedener Bemühungen konnte „Hans“ bislang nicht als Zeuge gefunden werden - genauso wenig wie das Haus und die für die Tat verantwortlichen Menschenhändler.

Dass es diesmal erneut ein Opfer ist, das als Jugendliche aus Nigeria verschleppt, und das wieder in München aufgegriffen wurde, liegt nun die Vermutung nahe, dass die Bande einen festen Bezug zur Landeshauptstadt hat. Die Polizei hat aber bislang keine Anhaltspunkte auf den Täterkreis oder dessen Aufenthaltsort. Es sei aber nicht auszuschließen, dass noch mehr junge Afrikanerinnen in der Stadt beziehungsweise von München aus zur Zwangsprostitution gezwungen werden.

Im aktuellen Fall bittet die Polizei den Mann, der die orientierungslose Afrikanerin zum Hauptbahnhof begleitet hat, sich bei der Polizei zu melden, Telefon 089/29 10-0. Ferner bittet die Polizei mögliche Freier um Hinweise - auch anonym.

Sven Rieber

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