19-Jähriger ersticht Freund der Mutter: Er habe Stimmen gehört

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Der 19-Jährige vor Gericht

München - Ein psychisch kranker 19-Jähriger hat am Dienstag vor dem Münchner Landgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit gestanden, den Freund seiner Mutter erstochen zu haben.

Die Stimmen im Kopf wurden immer lauter. Daniel H. (Name geändert) kann ihnen am Abend des 9. Januar 2011 nicht widerstehen: Der 18-Jährige zückt ein Küchenmesser und rammt es dem Freund seiner Mutter in den Hals. Der 48-jährige Industriekaufmann verblutete. Bis heute schien es wie eine Tat ohne Motiv. Doch gleich zu Beginn des Gerichtsverfahrens gestand der Angeklagte die Tat und erklärte, warum er an jenem Sonntagabend plötzlich ausrastete. Es waren die vielen wirren Stimmen in seinem Kopf, die ihm befahlen, den Freund der Mutter zu ihrem eigenen Schutz umzubringen.

Gegen 21.50 Uhr am 9. Januar 2011 übermannten die Stimmen den 18-Jährigen. In der Küche stach er auf den Freund der Mutter ein. Zweimal traf er Reiner von H. am Hals und einmal in der linken Schulter. „Das hast du jetzt davon“, soll Daniel noch gesagt haben. Die Staatsanwaltschaft München II. beschuldigt Daniel H. des heimtückischen Mordes - einen Mordprozess soll es jedoch nicht geben, da Daniel H. an paranoid-halluzinatorischer Schizophrenie leiden soll. Deshalb drohen ihm wegen Schuldunfähigkeit mehrere Jahre in der Psychatrie. Die Eltern, seit acht Jahren getrennt lebend, hatten nichts von der Wesensveränderung von Daniel H. bemerkt. Vater Aziz G. sagte vor Gericht: „Er war wie ein normales Kind, nie auffällig. Erst nach der Tat erzählte er mir, dass er durch die Stimmen nicht mehr wusste, was Realität war und was nicht.“ 2010 beendete der Angeklagte aus Gröbenzell die Realschule und begann die Fachoberschule in München.

Mit den wechselnden Lebenspartnern der Mutter hatte er immer Probleme. „Er bekam nie die Familie, die er sich wünschte“, sagt Aziz G. und bricht im Gerichtssaal - genau wie sein Sohn Daniel - in Tränen aus. Das endgültige Urteil wird für Donnerstag erwartet.

cl

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