Angst vor Kündigung

Bufdi geht auf Köchin los

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Schicker Kragen, weiches Gesicht: Florian R. (19, re.) steht wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht

München - Ein 19-jähriger Küchenhelfer Florian A. hat vor dem Münchner Landgericht zugegeben, seine Chefin fast erdrosselt zu haben. Grund: Kritk an seinem Arbeitstempo.

Hinter seinem Rücken tuscheln die Kollegen – der Küchenhelfer Florian R. (19) ist ihnen zu langsam. Erst drei Monate lang arbeitet er im Rahmen des Bundes-Freiwilligen-Dienstes (Bufdi) im Penzberger AWO-Kindergarten, da droht ihm schon die Kündigung. Angeblich sind seine Leistungen schlecht. Als ihn dann noch seine Küchenchefin kritisiert, tickt er aus. Vor der Jugendkammer des Landgerichts München II gab er am Montag zu, Anneliese K. (50) von hinten attackiert zu haben. „Ich hab das Geschirrtuch in den Händen zusammengerollt und es ihr um den Hals gelegt.“

Beim Kartoffelschälen brennen Florian R. am 10. Dezember 2012 alle Sicherungen durch. „So geht das nicht, mach schneller“, soll die Küchenchefin gesagt haben. „Ich hab mich als Versager gefühlt, wurde ungerecht behandelt“, gibt Florian R. an. Kritik steckt er schlecht weg – stattdessen will er Rache, weil Anneliese K. ihn für andere Aufgaben einteilt.

Als sie ihm den Rücken zuwendet, stranguliert Florian R. sie mit dem gerollten, etwa 75 Zentimeter langen Tuch. Rasend vor Wut drückt der gelernte Bäcker ihr beide Ellenbogen in den Rücken, um eine Hebelwirkung zu erzielen. Anneliese K. will um Hilfe rufen, doch aus ihrem Hals kommt nur noch ein lautes Quieken. In Todesangst schafft es die 50-Jährige, ihren Peiniger in Richtung Küchentür zu schieben – vom Besprechungsraum nebenan hören drei Kolleginnen die spitzen Schreie. Sie versuchen, den Bufdi mit aller Kraft von Anneliese K. wegzureißen. Doch sie schaffen es nicht: Florian R. hat das Tuch um die Handgelenke gebunden – er will sie töten. Doch es gelingt ihm nicht. Der Angriff setzt ihn selbst so sehr unter Stress, dass er durch einen Krampfanfall zusammenbricht. Noch heute leidet sein Opfer an einer traumatischen Belastungsstörung.

Kaum zu glauben, dass Florian R. zu solch roher Gewalt fähig ist: Seine Stimme ist zart, die Gesichtszüge weich wie die eines Buben. Eine Freundin hat er nicht, Ablenkung findet er an der Spielekonsole – bis zu acht Stunden täglich. „Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist – ich hatte die Kontrolle verloren. Da war viel angestaute Wut. Es tut mir unendlich leid“, sagt er vor Gericht. Ihm drohen nach Jugendstrafrecht bis zu zehn Jahre Haft. Der Prozess dauert an.

Andreas Thieme

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