tz-Serie

Kriegsende vor 70 Jahren: Frauen zwischen den Fronten

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Frauen umringen oft US-Panzer, die „Frolleins“ freunden sich mit den Amerikanern an.

München - Die Macht der Sieger und die Doppelmoral der Besiegten: 1945 beginnt ein schwieriges Kapitel gemeinsamer Geschichte. Es kommt zu Vergewaltigungen durch US-Soldaten. Die tz-Serie zum Ende des Zweiten Weltkriegs:

In Moosburg etwa berichtet 1945 Stadtpfarrer Alois Schiml, dass GIs mit vorgehaltenen Waffen in Häuser eindrangen, die Männer zum Gehen zwangen und über die Frauen herfielen. Die Münchner Historikerin und Autorin Miriam Gebhardt schätzt, dass 190.000 Frauen betroffen waren. Der US-Kriminologe J. Robert Lilly listet 11.000 Fälle auf, die vor dem Militärgericht landeten. Im Mai 1945 etwa wurden in Flintsbach/Inn 15 GIs gehängt. Der Pfarrer von St. Theresia in München macht 1945 die Frauen für das Geschehen verantwortlich, sie würden sich „würdelos um die Panzerwagen drängen“. Oft bekommen die Frauen von den GIs Geschenke – Zigaretten oder Schokolade, für die hungernden Familien Gold wert. Und oft funkt es tatsächlich, auch wenn es die amerikanischen Vorgesetzten nicht gern sehen.

Stadt ohne Mitleid

Ein Mädchen (15) wird 1956 in Bamberg von sieben GIs vergewaltigt – ein Militärgericht klagt. Für den Münchner Merkur berichtet Gregor Dorfmeister (86) von dem Prozess, der in Würzburg stattfand: „Der Vater des Mädchens wollte die Todesstrafe, die das US-Militärgesetz vorsah. Der Verteidiger wollte, dass die Angeklagten nach deutschem Recht verurteilt werden, das keine Todesstrafe kannte.“

Die Verteidigung diskreditiert das Mädchen, es muss vor Gericht zugeben, dass es mit seinem deutschen Freund vor der Vergewaltigung intim gewesen ist. „Sie brach zwei mal vor Gericht zusammen bei ihrer Aussage“, erinnert sich Dorfmeister. In ihrer Heimatstadt Bamberg beginnt das Spießrutenlaufen. „Sie war geächtet, obwohl sie ein Opfer war“, so Dorfmeister. Vier Angeklagte bekommen lebenslänglich, drei 40 Jahre Haft.

Das Mädchen geht nach dem Urteil in den Main. „Sie wurde letztendlich von ihren eigenen Mitmenschen in den Tod getrieben“, so Dorfmeister, der den von Benhard Wicki verfilmten Roman Die Brücke geschrieben hatte.

Der Journalist verarbeitete den Prozess auch in dem Roman Das Urteil unter dem Pseudonym Manfred Gregor. 1961 wurde der Roman in Bamberg und Forchheim verfilmt unter dem Titel Stadt ohne Gnade. Kirk Douglas spielte den Militärstaatsanwalt, Christine Kaufmann das Opfer, Barbara Rütting die Gerichtsreporterin.

Das geschah vor 70 Jahren: Dienstag, 7. Mai 1945

München: Ein herrlicher Frühlingstag, morgens hat es sieben Grad, tagsüber wird es 23 Grad warm. Hans Ritter von Seisser, Gründer und Kommandeur der bayerischen Polizei vor 1933 und an der Niederschlagung des Hitlerputsches 1923 beteiligt, wird wieder Polizeipräsident und berufsmäßiger Stadtrat. Doch er kann die Ordnung nicht sofort wiederherstellen: Die Kolonialwarenhandlung Kathreiner am Ostbahnhof und das Preysing-Palais werden geplündert. Und es wird eine Frau erschlagen. Sie war am 30. April verletzt worden, als ihr Mann von einem Münchner ermordet wurde. Als sie am 7. Mai vom Krankenhaus heimkehrt, haben sich in ihrer Wohnung freigelassene russische Kriegsgefangene einquartiert. Sie bringen die Frau um!

Bayern: US-Piloten starten Hunderte Aufklärungsflüge, um die Zerstörungen zu dokumentieren. Die Bahnstrecke von Wiesau (Oberpfalz) nach Eger (Böhmen) wird eingestellt.

Welt: Um 2.41 Uhr unterzeichnet Generaloberst Alfred Jodl in Reims in Anwesenheit des US-Oberkommandierenden, General Dwight Eisenhower die Gesamtkapitulation aller Verbände der Wehrmacht. Sie tritt am 8. Mai um 0.01 Uhr in Kraft. Lutz von Schwerin-Krosigk verkündet die Kapitulation um 12.45 Uhr über den Reichssender Flensburg.

Die Amerikaner nehmen Generalfeldmarschall Albert Kesselring in Saalfelden bei Salzburg gefangen.

Das von Franko regierte Spanien bricht die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab.

Kriegsende 1945 in München: So waren die letzten Tage

Johannes Welte

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