20 Jahre Backstage: Die bewegte (Umzugs-)Geschichte

+
„Schluss mit den provisorischen Gebäuden“, findet Hans-Georg Stocker

München - Das Backstage feiert seinen 20. Geburtstag. Zum Jubiläum des Indie-Clubs zeichnet die tz seine bewegte Geschichte nach - und lässt Hans-Georg Stocker in die Zukunft blicken.

1991–1993: Graubündener Straße 100

Die Anfangsjahre

Die erste Veranstaltung war ein absoluter Reinfall: Nur 17 Personen kamen zum ersten Konzert im Backstage. Damals fanden die Partys noch in der Sporthalle des TSV Forstenried statt. Nach dieser ersten Pleite hat Hans-Georg Stocker, Geschäftsführer des Backstage, das Konzept der Veranstaltungen verändert. „Als Erstes haben wir aus Bierbänken eine Bar gezimmert. Außerdem haben wir nun regelmäßig Veranstaltungen organisiert. Das hat sich rumgesprochen. Es kamen immer mehr Gäste.“ Und das, obwohl es anfangs noch nicht mal einen U-Bahn-Anschluss gab. Und obwohl die Veranstaltungen nur am Wochenende stattfanden. „Das war eine harte Zeit“, erinnert sich Stocker. „Sonntagabend war dort noch ein exzessives Punk-Konzert, bis Montagfrüh musste dann die Halle geputzt und gelüftet sein. Denn dann kamen die Sport-Mamis mit ihren Turnmatten zum Frühsport.“ Weil sich die Nachbarn beschwerten, war hier bald Schluss. Der erste Umzug stand ins Haus. Besonders gern erinnert er sich an ein ganz bestimmtes Konzert: Das erste der Fantastischen Vier in München.

So verändert München sein Gesicht 

So verändert München sein Gesicht

1993–2001: Helmholtzstraße 18

Auf dem Bahngelände

„Als wir ankamen, stand hier nur eine alte Hütte. Die haben wir verkauft und stattdessen ein Haus für 100 000 Mark draufgesetzt“, sagt Stocker. Mit Freunden hat er das Fundament dafür gelegt. „Es war eiskalt. Wir mussten mit Frostschutzmitteln arbeiten“, erzählt er. An das Gelände war er über einen Tipp von Bekannten gekommen. Nach einem Jahr hat er hier Club und Biergarten eröffnet. Die schönste Erinnerung an diesen Ort ist der siebte Geburtstag des Backstage: In diesem Jahr hat die Hauptband kurzfristig abgesagt. „Ein Freund hat mir dann eine ziemlich unbekannte Band aus Germering empfohlen. Weil auf die Schnelle niemand anders aufzutreiben war, haben wir sie engagiert“, erzählt der 44-jährige Geschäftsführer. Er hatte den Erfolg der Geburtstagsfeier schon fast abgeschrieben. Wer soll denn kommen, wenn die bekannteste Band absagt? Aber der Laden war dann doch gesteckt voll. „Die Band hat ihre ganzen Germeringer Freunde mitgebracht. Damals hieß die Band noch Stiller. Heute kennt sie jeder unter ihrem neuen Namen: Sportfreunde Stiller.“

2001–2007: Wilhelm-Hale-Straße

Der schnelle Umzug

In fast rekordverdächtiger Geschwindigkeit erfolgte der Umzug an die Wilhelm-Hale-Straße. Das Grundstück an der Helmholtzstraße gehörte der Bahn, beziehungsweise deren Nachfolgefirmen. Und die wollten das Areal verkaufen, dafür mussten sie die Mieter loswerden. Fast hätte es das Ende des Backstage bedeutet. „Wir haben sie verklagt, sie haben uns im Gegenzug eingezäunt“, erzählt Stocker. Dann wurden die Medien auf die Situation des Backstage aufmerksam. „Und plötzlich war die Unterstützung aus der Bevölkerung da – und die aus dem Stadtrat. Zum Glück waren da auch gerade Kommunalwahlen. Da haben Politiker immer mehr für Kultur übrig.“ Eines Nachmittags kam dann Oberbürgermeister Christian Ude in den Biergarten des Backstage. „Wir haben lange gesprochen, schließlich hat er uns das Gelände gegenüber vorgeschlagen.“ Damals gab es dort weder Strom noch Wasser. Trotzdem ging alles rasend schnell. Der Aufenthalt an der Friedenheimer Straße war zunächst nur für zwei Jahre geplant, geblieben ist das Backstage länger.

Seit 2007: Reitknechtstraße 6

Das aktuelle Backstage

Den Umzug in die vierte Location an der Reitknechtstraße – ganz in der Nähe der vorherigen Station – nahm Hans-Georg Stocker locker. Er hat sich mittlerweile an die häufigen Ortswechsel gewöhnt. „Vielleicht ist es aber auch das Alter, das einen zusehends entspannter werden lässt“, mutmaßt er. „Oder aber auch die Erfahrung und die Umstände: Es war ja nicht weit und wir konnten die Gebäude zum Teil fast eins zu eins wieder aufbauen“, erzählt der 44-Jährige. „Wir haben zum Teil sogar Kartons, die wir noch in der Helmholtzstraße gepackt haben. Die können wir dann ungeöffnet zur nächsten Station mitnehmen“, grinst der erfolgreiche Geschäftsführer. Eigentlich sollte der Mietvertrag für das derzeitige Zuhause des Backstage an der Reitknechtstraße Ende 2010 auslaufen. In letzter Minute wurde der Vertrag dann aber doch noch um ein Jahr verlängert. Und dann ist wahrscheinlich Schluss mit Umziehen. Dieses Gelände soll die letzte Station in der bewegten Geschichte des Backstage werden. Hans-Georg Stocker möchte hier bleiben. Die Pläne für die nächsten Jahre stehen schon, bald kann das Backstage zur Ruhe kommen.

Das Backstage der Zukunft: Die letzte Station?

So sieht die Zukunft aus

„Schluss mit den provisorischen Gebäuden“, findet Hans-Georg Stocker. Die fünfte Station soll die letzte werden. Stocker hat die Hälfte des Grundstücks, auf dem sich das Backstage derzeit befindet, gekauft – unter der Auflage, dass das Areal weiterhin kulturell genutzt wird. Jetzt will er viel Geld investieren. „Wir bauen zum ersten Mal eine richtige Halle. Und die soll dann bleiben.“ Die genauen Pläne für den geplanten Umbau will Stocker erst auf der heutigen Geburtstagsfeier veröffentlichen. Einiges verrät er aber vorab: „Alles wird kompakter. Wir haben ja nur noch halb so viel Platz wie vorher. Deswegen werden wir Halle, Club und Werk unter die Erde verlegen“, erzählt er. Außerdem sollen Proberäume für Bands sowie Künstlerateliers entstehen. Stocker freut sich schon auf die Zeit, wenn der letzte Umzug abgeschlossen ist: „Dann kann ich mich endlich um das Programm kümmern. Im Moment läuft das nur nebenher. „Es soll eine gute Mischung entstehen.“

Petra Markovic

Auch interessant

Kommentare