Polizeichefs fordern schärfere Gesetze

200 Einbrüche! Ganove packt aus: Das sind unsere Tricks

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Die Tricks der Einbrecher werden immer perfider.

München - Neun Jahre lang zog eine hochaktive Einbrecherbande kreuz und quer durch Europa, richtete allein in München und Ingolstadt mit über 200 Einbrüchen 2,4 Millionen Euro Schaden an. Bis ihnen die Münchner Polizei auf die Schliche kam.

Dabei offenbarten sich überraschende Einblicke in die Strukturen, denn einer der Täter packte aus (siehe unten). Zudem kam heraus, dass die Bande Informanten in Schlüsselstellungen hatte: Eine Finanzamtsmitarbeiterin, eine Anwältin und ein naiver Polizist versorgte die Bande mit internen Informationen.

Wilhelm Schmidbauer.

Mit 6358 Einbrüchen im Jahr 2014 in Bayern ist diese Zahl erneut um 28,6 Prozent gestiegen. Ein Großteil davon entfällt auf europaweit agierende Banden. Dagegen helfen nur wachsame Bürger und neue, grenzübergreifende Polizei-Konzepte. Polizeichefs aus Deutschland, Österreich, Bulgarien, Rumänien, Serbien und Vertreter von Europol trafen sich in München, um reisenden Einbrecherbanden künftig mit verstärkter, grenzübergreifender Fahndungs- und Ermittlungsarbeit die Beutezüge schwerer machen. Zudem nimmt Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer die Bundesregierung in die Pflicht: Er verlangt Strafverschärfung für Einbruchsdelikte und neue rechtliche Grundlagen für Telekommunikations-Überwachung bei Einbruchsdelikten. Die ist bislang nur bei erwiesener Bandenaktivität möglich.

Ein Ganove packt aus: Das sind die perfiden Tricks!

„Wenn man wissen will, wie ein Einbrecher denkt, fragt man ihn am besten selbst“, schmunzelte der Leitende Kriminaldirektor Hermann Utz. Einer packte tatsächlich kürzlich aus, fuhr mit den Polizisten die Tatorte ab und schilderte ihnen dabei, wie er vorging. Nach tz-Informationen soll es sich dabei um ein Mitglied der Bande handeln, die allein in München und Ingolstadt 200 Einbrüche verübte. Was er den Polizisten erzählte, lässt tief blicken:

Offenbar richten sich Einbrecher nach den Veranstaltungskalendern der Städte. Fußballspiele, Konzerte, Großveranstaltungen – „Wir wussten, zu welchen Zeiten eure Kräfte gebunden waren. Genau dann kamen wir.“

Früher erkannte man osteuropäische Einbrecher zuweilen an ihrer etwas unmodernen Kleidung. Das ist längst vorbei: „Wir ziehen uns genauso chic und sauber an wie alle anderen Bürger. So fallen wir auf der Straße nicht weiter auf.“

„Wir weichen euren Kontrollen aus.“ Heißt: Einbrecher halten die Tatzeit so kurz wie möglich, meiden Alarmanlagen und kennen sich auch in den Vierteln sehr gut aus.

Vor Hubschraubern haben alle Ganoven Angst. „Doch wir haben gelernt, den Hubschraubern auszuweichen.“ Heißt vermutlich: Nicht rennen, nicht zu schnell fahren, nicht durch Privatgrundstücke laufen.

Die Beute verrät den Einbrecher. „Darum ließen wir die Beute immer sofort verschwinden.“ Und nicht ganz ohne Stolz erwähnte der Insider noch: „Wir sind mehrfach in Polizeikontrollen geraten. Aber sie haben nie etwas bei uns gefunden.“ Heißt: Profis kennen offenbar Mittel und Wege, die Beute zu bunkern, bis die Luft rein ist. Bei anderen Tätern fand die Polizei zuweilen gestohlenen Schmuck in Hohlräumen der Autos oder in den Ritzen der Sitze.

Sie glauben, Einbrecher kommen immer mit eigenen Autos? Falsch: „Wir fahren auch Taxi und Mietwagen. Und manchmal nehmen wir auch einfach den Bus.“

Dorita Plange

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