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22-Jähriger tötet Mutter seiner vier Kinder

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München - Ein Mann hat den Tod seiner Freundin verursacht und versucht, die Tat zu vertuschen. Er behauptete, die 21-Jährige sei gestürzt. Inzwischen sind sich die Ermittler sicher: Er hat sie umgebracht.

Was diese serbische Frau (21) in ihrem kurzem Leben alles erdulden musste, lässt sich nur erahnen. Mit 16 Jahren schon bekam sie das erste Kind, drei weitere folgten – alle von ihrem Lebenspartner (22), dem das Glücksspiel am Geldautomaten zuletzt wichtiger war als das Wohl seiner Familie. Bei einem Streit ums Geld misshandelte der bereits polizeibekannte Gebäudereiniger die Mutter seiner Kinder so schwer, dass sie tödliche Verletzungen davontrug.

Und selbst in den letzten wachen Momenten ihres Lebens wurde sie von ihm offensichtlich noch immer unter massiven Druck gesetzt – was ihm nun eine Anklage wegen Totschlags einbringt. Der Notruf kam in der Nacht zum 1. Juni um 3 Uhr früh. Die Stimme der jungen Frau klang schwach und ängstlich: „Ich bin die Treppe hinuntergefallen. Mir ist so schwindelig und schlecht“, sagte sie. Als Rettungsdienst und Notarzt am Peschelanger in Neuperlach eintrafen, war sie bereits bewusstlos. Sie fiel ins Koma und starb acht Tage später am 9. Juni an den Folgen einer massiven rechtsseitigen Hirnblutung. Ihr Arzt jedoch hatte Zweifel, weil das Verletzungsbild nicht ganz zu einem Treppensturz passte. Bereits am Nachmittag des 1. Juni – da lebte die Frau noch – verständigte er die Polizei.

Der 22-jährige Serbe wurde vernommen, auch im Familienumfeld wurde recherchiert. Zudem untersuchte ein Rechtsmediziner die im Koma liegende Frau. Dabei stieß die Kripo auf immer mehr Ungereimtheiten – zumal häusliche Gewalt in der Familie ein Thema zu sein schien. Kurz nach dem Tod der Frau wurde der 22-Jährige am Mittwoch unter Totschlags-Verdacht vor dem Haus von Bekannten in der Nachbarschaft festgenommen. Nach Angaben des Münchner Mordkommissionschefs Markus Kraus hat der Gebäudereiniger bereits eingeräumt, dass es nie einen Treppensturz gab. Vielmehr hatte er sie nachts um 2 Uhr im Streit ums Geld – er wollte mehrere Hundert Euro Spielgeld aus der ohnehin knappen Familienkasse haben – mit Wucht gegen die Wand gestoßen. Dabei schlug sie heftig mit dem Kopf auf. Innerhalb der nächsten Stunde verschlechterte sich ihr Zustand dramatisch.

Vermutlich bekam es da auch der Täter mit der Angst zu tun. Dennoch besaß er die Kaltschnäuzigkeit, seine sterbende Frau noch selbst beim Rettungsdienst anrufen zu lassen. Offenbar schien ihm das glaubwürdiger. Inwieweit er sie auch dabei noch beeinflusste („Sag, dass du die Treppe hinuntergefallen bist!“), muss noch geklärt werden. Der Gebäudereiniger sitzt jetzt in U-Haft. Die vier gemeinsamen Kinder – drei Buben (fünf Monate bis fünf Jahre alt) und ein Mädchen – haben jetzt beide Eltern verloren. Sie leben zurzeit bei Verwandten. Über ihr weiteres Schicksal wird das Jugendamt beraten.

Dorita Plange

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