24-Stunden-Wachdienst für die schwangere Temi

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Rüssel hoch! Tagsüber macht Temi Schwangerschafts­gymnastik an Land (großes Foto oben).

München - Keine Müdigkeit vorschützen! Elefantenpfleger Andreas Fries und sein sechsköpfiges Team müssen sich derzeit die Nächte um die Ohren schlagen und ständig die Bildschirme im Hella­brunner Elefantenhaus-Büro im Auge haben.

 Bei der schwangeren Elefantendame Temi (9) kann jederzeit die Geburt losgehen … Langsam geht der Wachdienst den Pflegern an die Substanz. Denn Temi lässt sich Zeit. Am Dienstag ist sie bereits 666 Tage schwanger. „Und seit dem 620. Tag, also schon seit einigen Wochen, ist die Geburt theoretisch möglich“, sagt Christine Reiss vom Tierpark. Seit Ostern sind Pfleger-Team und Tierärzte in erhöhter Alarmbereitschaft, denn da fiel der Progesteron-Wert, der den Hormonspiegel anzeigt, rapide ab. Reiss: „Das ist eigentlich ein Zeichen dafür, dass die Geburt kurz bevor steht. Aber offenbar mag es Temi spannend machen, denn gleich nach Ostern ging der Wert wieder hoch …“ Also heißt es abwarten.

Ein Elefantenbaby kann zwischen der 22. und 24. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen, also in einer langen Zeitspanne – und ein paar Wochen hat das Baby noch. Auf die faule Haut legt sich dennoch keiner in Hellabrunn. Die Pfleger haben Urlaubssperre. Die Tagschicht muss jeden Tag von Temis Ohr Blut abnehmen, die Probe ans Labor schicken und den Progesteron-Wert analysieren lassen. Dann geben sie der Patientin ein besonders nährstoffreiches Frühstück aus Heu, Gras und Obst.

Im Anschluss muss Temi ins Gehege zur Schwangerschaftsgymnastik. Reiss vom Tierpark erklärt: „Sie muss fit bleiben und außerdem hoffen wir, dass wir durch die Bewegung ähnlich wie bei Menschen die Geburt ein wenig beschleunigen können.“ Denn auch die künftige Elefantenmama selbst scheint langsam genug vom mittlerweile über 100 Kilo schweren Nachwuchs in ihrem Bauch zu haben. „Temi wird immer anhänglicher“, sagt Reiss. „Und ihr schmerzen die Füße.“ Damit es nicht ganz so beschwer­lich wird, geben die Pfleger ihr auch mal eine Extra-Dusche.

Elefantenpfleger Andreas Fries muss Temi auch nachts am Monitor bewachen.

Für den Besucher allerdings ist das Riesen-Baby nicht auszumachen. Nur mit etwas Glück liegt dieses für kurze Zeit so, dass eine kleine Beule in Temis Bauch zu sehen ist. Ansonsten verteilt sich das zusätzliche Gewicht gleichmäßig auf den 3,2 Tonnen-Körper. Nach dem plötzlichen Tod des Elefentenbabys Jamuna Toni im vergangenen Sommer können es viele Besucher kaum erwarten, dass wieder ein kleiner Dickhäuter im Elefantenhaus herumwackelt. Ob der Nachwuchs ein Mädchen oder ein Bub wird, bleibt eine Überraschung. Reiss: „Eine Ultraschall-Untersuchung können wir nur vaginal durchführen – und da momentan kein Problem besteht, wollen wir Temi diesen Stress ersparen.“ Falls sich das Baby allzu lang Zeit lassen sollte, müssen die Ärzte es mithilfe eines Riesen-Dammschnitts und mit Ketten herausholen. Ein Kaiserschnitt ist zu riskant. „Aber daran wollen wir gar nicht denken“, sagt Christine Reiss. „Temi ist ja noch jung und gesund. Die wird das schon alleine schaffen. Wir sind jedenfalls bereit.“

nba

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