Münchner demonstrieren gegen Atomkraft

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Über 30.000 Münchner haben am Samstag in der Innenstadt gegen Atomkraft demonstriert

München - Friedlich, bunt, und größer als erwartet - zehntausende Menschen strömen am Samstag auf den Münchner Odeonsplatz, um gegen Kernenergie zu demonstrieren und ihrem Unmut über die Politik Luft zu machen

“Abschalten, abschalten“ hallt es in Sprechchören immer wieder über den überfüllten Odeonsplatz. Schrill tönen die Trillerpfeifen, gelbe Fahnen mit der Aufschrift “Atomkraft? - Nein danke“ flattern im Wind. Immer mehr Menschen strömen am Samstag trotz Regenwetters in die Münchner Innenstadt, um gegen Kernenergie zu demonstrieren um ihrem Unmut über die Politik Luft zu machen.

Während die Polizei am Samstag von mehr als 30 000 Demonstranten spricht, gehen die Veranstalter von rund 40 000 Teilnehmern aus. Klar ist: Die Erwartungen der Organisatoren werden übertroffen.

Junge und alte Menschen sind gekommen, Mütter mit ihren Kindern, bunt bemalte Studenten und Schüler mit Luftballons - die verheerenden Ereignisse im japanische Fukushima treiben die Menschen auf die Straße. “Es ist absolut klar, dass Atomkraft gefährlich ist, und trotzdem läuft sie weiter. Ich habe eine scheiß Wut auf die verlogenen Politiker in Deutschland“, sagt der 20 Jahre alte Student Michael Bohlender. Die 36 Jahre alte Anna Appelrath schlägt in die gleiche Kerbe: “Tschernobyl hat nicht ausgereicht, um die Bedrohung zu erkennen.“ Die Mutter ist mit ihren beiden Kindern nach München gekommen - “Es geht um die nächste Generation“, sagt sie. Die Stimmung auf dem Platz nahe der Residenz ist ausgelassen, aber auch ernst und entschlossen.

München demonstriert gegen Atomkraft

Münchner demonstrieren gegen Atomkraft

Zu Beginn der Veranstaltung wird es sehr still unter den Teilnehmern. Mit einer Schweigeminute gedenken die Menschen der Opfer der Erdbeben- und Atomkatastrophe in Japan. Nicht wissend, ob sich die Not durch das Unglück weiter verschlimmert.

Dann tritt der Kabarettist Urban Priol ans Rednerpult und wettert über die “schwarz-gelbe Tigerenten-Koalition“. “Es fehlt nur noch, dass Angela Merkel mit einem Atomkraft-Nein-Danke-Button auftaucht“, sagte Priol unter dem lauten Gelächter der Menge. Er begleite die Protestbewegung seit 30 Jahren, sagt Priol vor seinem Auftritt. “Es ist schlimm, dass erst nach einer solchen Katastrophe alle aufwachen.“

Die Polizei hat derweil alle Hände voll zu tun, ein Chaos auf der Kundgebung zu verhindern. Bis zum Nachmittag kommen laufend Menschen dazu, die U-Bahn-Ausgänge am überfüllten Odeonsplatz müssen zeitweise gesperrt werden. Auch der Verkehr wird umgeleitet, die Polizei sperrt für mehrere Stunden die Straßen rund um den Platz. Dennoch bleibt es während der Protestaktion friedlich. Als die Teilnehmerzahlen von Großdemos in anderen deutschen Großstädten bekanntgegeben werden, brandet Jubel auf unter den Menschen.

Auch in Berlin, Hamburg und Köln sind Atomkraftgegner zu Aktionen und Kundgebungen unter dem Motto “Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten“ auf die Straße gegangen - rund 250 000 bundesweit. Auch Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler ist unter den zahlreichen Rednern von Kirchen, Naturschutzverbänden und der bayerischen Opposition. “Für alle ist deutlich: Diese Regierung muss zum Ausstieg getrieben werden“, ruft Wechsler in die Menge.

dpa

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