Für seine eiskalte Kollegin

29.333 Mal das Gesetz gebrochen: Verliebter Zöllner gefeuert

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Fast 30 000 Mal ließ Roland P. für seine Angebetete Ware ungeprüft passieren.

München - Liebe macht blind, das ist eine uralte Weisheit. Doch was ein Münchner Zöllner für seine Angebetete tat, sprengt jede Vorstellungskraft. Erhört wurde seine Liebe nicht, dafür verlor er am Montag vor dem Verwaltungsgericht seinen Job.

Robert P. (57) arbeitete als Zöllner auf der Messe in Riem. Dort kaufen Kunden oft Ware, die von der Messe direkt in den Export geht. Für den Abtransport benötigen die Spediteure eine Ausfuhrerklärung, ohne die keine Ware das Land verlassen darf. Bevor der zuständige Zöllner diese abstempelt, muss er die Güter aber überprüfen. An der Messe geschah dies zwischen Oktober 2002 und Juni 2008 allerdings 29.333 Mal, ohne dass sich ein Zöllner die Ware je angeschaut hatte.

Des Rätsels Lösung: Zollbeamtin Christina A. (55) hatte einen „Deal“ mit einem Spediteur, dem sie auch die Augen verdreht hatte: Sie sorgte dafür, dass die Ausfuhrpapiere für eine „Pauschale“ 2,50 Euro abgestempelt wurden – ohne Überprüfung der Waren. Damit sparte der Unternehmer Zeit, denn so eine Kontrolle dauert. Die Gebühren behielt sie für sich. Die gefälschten Papiere trugen aber nicht den Dienststempel von Christina A., sondern jenen von Robert P. Denn er lieh ihr den Stempel oder stempelte selbst.

Aber wieso? „Ich war ein bisschen verliebt, hatte mir Hoffnungen gemacht“, gestand der suspendierte Zöllner am Montag vor dem Verwaltungsgericht. Die Oberfinanzdirektion wollte ihn aus dem Beamtenverhältnis entfernen, „weil das Vertrauen zerrüttet ist“. Robert P. beteuerte: „Ich wusste nichts davon, dass sie Geld nimmt.“ Dabei hatte der verliebte Zöllner noch viel mehr für seine Angebetete getan: „Ich hatte ihr ein Auto finanziert.“ Auch einen Urlaub bezahlte er seiner schwarzhaarigen Möchtegern-Geliebten, den machte sie aber ohne ihn! „Ich schäme mich heute, dass ich darauf reingefallen bin,“ gab Robert P. zu Protokoll.

Seine Angebetete wurde 2009 zu Haft verurteilt, wie auch der Spediteur. Beide sind wieder frei. Sie arbeitet als Empfangsdame eines Schönheitschirurgen, er als Fuhrunternehmer. Robert P.s Gehalt war bereits um 25 Prozent gekürzt worden, zudem hatte der Staat auf Entlassung aus dem Beamtenverhältnis geklagt. Das Verwaltungsgericht gab der Klage statt. Ob P. Rechtsmittel einlegen will, ließ er am Montag offen.

Johannes Welte

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