Geschichte des narrischen Treibens

300 Jahre Münchner Fasching: Da lacht das Volk

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Rauschende Feste: eine Szene aus dem Künstler-Fasching 1900. 

Jetzt geht es auch in München richtig ab: Faschings-Endspurt! Aber wussten Sie, liebe Leser, dass unser Fasching ursprünglich nur für die Adeligen gedacht war? Ein Blick zurück auf 300 Jahre Fasching:

München - Unser Autor Heinz Gebhardt erzählt die Geschichte des narrischen Treibens in der Landeshauptstadt von ihren Anfängen bis heute – in zwei Teilen: heute gibt‘s Teil 1!

  •  Von wegen Fest fürs blaue Blut! Der Münchner Fasching in seiner heutigen Form für alle Bevölkerungsschichten begann vor 300 Jahren: Im Januar 1717 vergnügten sich adelige und bürgerliche Münchner erstmals im Alten Rathaussaal. Da bei den Maskierten nicht zu erkennen war, ob auch wirklich nur blaues Blut in der Narrennase läuft, war der eigentlich nur für den Adel vorbehaltene Ball von Anfang an ein Fest der ganzen Münchner Bevölkerung.

Der Münchner Kreis für Volksmusik e.V. hat 1984 diesen ältesten Münchner Faschingsball wiederbelebt und feiert seitdem alljährlich eine Münchner Redoute, genauso wie anno 1717.

  • Polizeiliche Genehmigung: Ein Faschingstreiben in aller Öffentlichkeit, maskiert und bis zur Unkenntlichkeit verkleidet durch die Straßen zu ziehen wie heute – das war lange nicht erlaubt: Schon 1598 wurde die erste Verordnung über das Tragen von Masken im Fasching erlassen und den Männern verboten, Frauenkleider zu tragen. Der stark katholisch geprägte Herzog Maximilian I. (1573-1651), der in München über 200 Frauen als Hexen verbrennen ließ, verbot 1608 sogar jedes Faschingstreiben und Maskieren. Und noch im Königreich Bayern wurde 1813 ein Gesetz erlassen, nach dem nur an drei Tagen Fasching gefeiert werden durfte und jede Narrenansammlung von mehr als vier Personen polizeilich genehmigt werden musste.
  • Königlich Bayerische Faschingsgaudi 1857: Die prächtigsten und teuersten Faschingsbälle wurden in München in der Mitte des 19. Jahrhunderts gefeiert – rauschende königlich-bayerische Kostümfeste mit König und Königin, Prinzen, Prinzessinnen, Malern, Bildhauern, Dichtern und jeder Menge schöner Münchnerinnen. Das spektakulärste war das „Rubensfest“ am 14.Februar 1857, das im Königlichen Odeon gefeiert wurde, dem heutigen überdachten Innenhof des Innenministeriums am Odeonsplatz. Die Maler Moritz von Schwind, Carl von Piloty und Heinrich von Pechmann organisierten das „saftvolle und üppige niederländische Volksleben“, für das der Maler Eugen Adam die Kostüme entworfen hatte. Über 2000 Gäste kamen als Niederländer verkleidet oder als „Rubensfiguren“. Unter den Promis waren König Max II. und Königin Marie mit Sohn Otto, dem Bruder des Märchenkönigs und damaligen Kronprinzen Ludwig II., der sich wegen Erkältung entschuldigen ließ (weil er nämlich Faschings-Muffel war). Dafür amüsierte sich sein Großvater König Ludwig I. samt Hofstaat.

Fasching früher: Als München noch wild & exklusiv war 

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