Drei Jahre Haft

300.000 weg! "Meine Pflegerin hat mich ruiniert"

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Das Geld ist weg, eine neue Liebe ist da: Opfer Hermann K. mit seiner Marion.

München - Für Hermann K. (62) war es schon schlimm genug, als er 2005 an Multipler Sklerose erkrankte. Für den Elektriker aus Garmisch-Partenkirchen kam es aber noch schlimmer.

Seine Pflegerin und spätere Betreuerin machte ihn arm wie eine Kirchenmaus. Ausgestattet mit einer gerichtlichen Vollmacht plünderte Semiha R. (49) sein Konto. Rund 300.000 Euro sind weg! Nach anfänglichen Lügen gab die wegen Untreue angeklagte Türkin am Dienstag vor dem Münchner Amtsgericht alles zu.

Über einen ambulanten Pflegedienst lernte Hermann K. die Altenpflegerin Semiha R. kennen. „Ich habe ihr voll vertraut“, sagt er der tz. Aufgrund eines zweifelhaften Gutachtens, das dem Patienten eine Demenz bescheinigte, stellte das Garmischer Amtsgericht Hermann K. unter Betreuung, Semiha R. erhielt alle Vollmachten.

Richterin Ines Tauscher ließ ihn jetzt noch einmal untersuchen – und ist entsetzt: „Dieser Mann hat keine Demenz, er ist überdurchschnittlich intelligent!“

Richterin glaubt der Pflegerin kein Wort

Mit ihrer Vollmacht löste die Angeklagte seine Lebensversicherung auf, hob das Geld ab. „Er hat es so gewollt“, sagt sie. Richterin Tauscher: „Sie waren fast täglich am Geldautomaten. Wenn man das alles zusammenrechnet, kommen 300.000 Euro zusammen.“ Hermann K. musste seine Eigentumswohnung verkaufen, um das Pflegeheim weiter bezahlen zu können. Sofort hob Semiha R. 130.000 Euro ab!

Nach vielen Lügen ein volles Geständnis: Pflegerin Semiha R. vor Gericht.

Zunächst bestreitet die Angeklagte die Taten noch. Doch dann platzt Richterin Tauscher der Kragen: „Sie hatten schon einmal ein Verfahren mit einem alten Mann, dem fehlten 80.000 Euro!“ Die Richterin macht klar, dass sie der Pflegerin kein Wort glaubt. Eine Dreiviertelstunde braucht Verteidiger Christian Langhorst, um seiner Mandantin klar zu machen, dass sie mit ihren Lügen vor Gericht keine Chance habe. Danach legt die die Pflegerin kleinlaut ein volles Geständnis ab. Aber wo ist das ganze Geld geblieben? Auf die Frage der Richterin heult Semiha R.: „Ich hab nichts mehr, ich schwöre es.“ Und die 130.000 Euro? „Ich weiß es nicht mehr.“

Die Abhebungen hörten im Dezember 2013 auf, das Konto des Opfers war leergeplündert. Hermann R. konnte das Heim nicht mehr bezahlen. Er wurde in ein Dreibettzimmer verlegt. Er sagt: „Es ging mir elend.“

Doch dann tauchte plötzlich seine frühere Freundin Marion im Heim auf. „Ich wollte eine Bekannte besuchen, dabei habe ich ihn zufällig getroffen“, erzählt sie. „Er kam mir völlig abgezehrt mit dem Rollator entgegen.“ Sie verliebten sich ineinander, zogen zusammen und heirateten: „So hat sich unsere alte Freundschaft in eine schöne Beziehung entwickelt.“

Das Urteil: Drei Jahre Haft! Die muss Semiha R. absitzen, wenn sie ihre Beute nicht herausrückt.

Eberhard Unfried

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