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Überraschender Schatz im Keller: Baustellen-Archiv in Aquarell

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Von: Nadja Hoffmann

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40 Bilder zum Bau der U-Bahn: Diesen Schatz hortet Stefan Bauer.
40 Bilder zum Bau der U-Bahn: Diesen Schatz hortet Stefan Bauer. © Marcus Schlaf

Mit dem Startsignal für die erste U-Bahn-Linie zwischen Kieferngarten und Goetheplatz hat vor 50 Jahren, am 19. Oktober 1971, eine neue Ära des Nahverkehrs in München begonnen. Das gehört gefeiert – mit der Serie „50 Jahre U-Bahn“. Zum Abschluss zeigt uns Stefan Bauer eine Baustellen-Dokumentation, die es so kein zweites Mal gibt.

Alte Ski, Unterlagen, verstaubte Kisten und marodes Spielzeug: Menschen bunkern allerhand in ihren Kellern. Was Stefan Bauer allerdings in seinem Untergeschoss hortet, ist einzigartig: Auf 40 großformatigen Bildern ist der Bau der Münchner U-Bahn dokumentiert. Dabei handelt es sich nicht etwa um Schwarz-Weiß-Fotografien. Nein, die Episoden aus der wichtigen Epoche der Stadtgeschichte sind auf Aquarellen des Malers Heinz Resack festgehalten.

„Ich weiß, das ist ungewöhnlich“, sagt Bauer über seinen besonderen Schatz und lacht. Zum Jubiläum der U-Bahn, die es heuer seit 50 Jahren gibt, hat er die Bilder aus seinem Keller geholt. Und hofft darauf, für sie eine Zukunft zu finden – zum Beispiel bei der Münchner Verkehrsgesellschaft oder in ihrem Museum.

So hat der Maler Heinz Resack den Bau der U-Bahn in den späten 1960er Jahren gesehen.
So hat der Maler Heinz Resack den Bau der U-Bahn in den späten 1960er Jahren gesehen. © Foto: Marcus Schlaf

Per Brief hat Bauer dort vergangene Woche auf sich und sein besonderes U-Bahn-Archiv aufmerksam gemacht. „Ich habe kein kommerzielles Interesse“, erklärt der 60-Jährige, der sich zum Beispiel eine Dauerleihgabe vorstellen könnte. „Ich fände es schön, wenn sich Menschen an den Bildern erfreuen können und der Maler posthum zu Ehren kommt.“ Die gemalte Baustellen-Dokumentation gehört ihm und seinem Bruder, seit ihre Mutter Gerda Bauer vor zwei Jahren gestorben ist. Sie hatte die Werke direkt von Heinz Resack geerbt. „Die beiden waren über viele Jahre ein Paar.“ Damals, in den 1960er- und 70er-Jahren hätten sie die Liaison aber nicht an die große Glocke gehängt. Die Mutter hatte einen Milchladen im Schlachthofviertel und eine eigene Wohnung. Nach dem Tod des unbekannten Malers vor über 20 Jahren ging sein Lebenswerk an sie – und dann eben an ihre Kinder. Insgesamt sind es fast 100 Bilder, die so bei Stefan Bauer gelandet sind. Das liebste Motiv des Malers: München!

„Er hat sich sehr für die Stadt und ihre Entwicklung interessiert“, erzählt Bauer. Und damals ist richtig viel passiert: In den Jahren vor den Olympischen Spielen 1972 hat sich das Stadtbild deutlich verändert – mit einer Vielzahl von Baustellen. Resack, der von 1915 bis 1998 gelebt hat, war gern vor Ort. Und hat die Veränderung mit Pinsel und Farbe festgehalten. Seine Bilder zeigen den Marienplatz, den Stachus und den Odeonsplatz. Orte, die durch die U-Bahn erst modern geworden sind.

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