Stadtrat bessert nach

Bis zu 5.000 Wohnungen in der Bayern-Kaserne!

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Aus der Bayernkaserne wird ein neuer Stadtteil

München - Zu eng, zu dicht, zu viele Wohnungen – normalerweise protestieren die Nachbarn, wenn in München ein neues Baugebiet entsteht. Bei der Bayernkaserne ist alles anders.

In dr Bayern-Kaserne sollten nach den ersten Plänen 2500 Apartments entstehen, doch die Nachbarn verlangten vehement doppelt so viele! Und sie könnten sie jetzt doch bekommen …

Die Bayernkaserne ist nach Freiham im Westen das zweitgrößte Neubaugebiet der Stadt: Mit seinen 48 Hektar ist das Mitte 2011 aufgegebene Militärgelände so groß wie die Theresienwiese samt angrenzendem Bavariapark! 7500, vielleicht sogar 10 000 Münchner könnten dort eine Heimat finden – fast ein eigener Stadtteil.

Wobei die Zahlen umstritten und noch nicht festgelegt sind: Am Mittwoch besserte der Stadtrat einstimmig einen Beschluss von 2007 und eine Vorgabe von Stadtbaurätin Elisabeth Merk nach. Die wollte nach den Protesten von Nachbarn und Bezirksausschüssen auf die geplanten 2500 Wohnungen nur 500 drauflegen, wobei die Zahl ein „Orientierungswert“ sei. Ein guter Entwurf könne auch mehr Wohnungen ausweisen. Die Hälfte sollen geförderte Apartments sein.

Damit wollte sich die CSU nicht begnügen: „Die Anregung der Nachbarn sollte man aufgreifen“, sagte Planungssprecher Walter Zöller und forderte eine Prüfung für bis zu 5000 Wohnungen. Auch FDP-Fraktionschef Michael Mattar sagte: „Da ist sicher mehr drin.“ Rot-Grün stimmte zu.

Damit startet der Gestaltungswettbewerb: Die Kasernengebäude werden plattgemacht. Bis 2014 können Landschaftsarchitekten das Areal fast frei planen. Das Problem: Je mehr Wohnungen sie planen, umso mehr Einrichtungen zum Beispiel für Kinder müssen sie berücksichtigen, die wiederum auf Kosten der Wohnungen gehen.

Seit den ersten Planungen 2007 hat sich die Wohnungsnot eben dramatisch zugespitzt, wie der neue Wohnbericht der Stadt beweist (tz berichtete). „Der ist sogar noch zu optimistisch“, sagte FDP-Mann Mattar. Allein in den letzten beiden Jahren seien durch den Zuzug von 50 000 Menschen rund 25 000 neue Wohnungen nötig geworden, bis 2015 seien nochmal so viele fällig. „Wir brauchen mindestens 10 000 Wohnungen pro Jahr.“ Bislang hatte sich die Stadt 7000 zum Ziel gesetzt – und das, wie CSU-Mann Zöller sagte, regelmäßig verfehlt. Sabine Nallinger (Grüne) verteidigte die Stadtregierung: Die Zahl der Baugenehmigungen und Neubauten sei zuletzt stark gestiegen.

David Costanzo

Freistaat will den Bau ankurbeln

Geht doch: Der Freistaat will den Wohnungsbau in Ballungsräumen wie München ankurbeln und so gegen Wohnungsnot und Horror-Mieten vorgehen. Finanzminister Markus Söder (CSU) schlägt vor, die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten so zu verbessern, dass der Wohnungsbau für Investoren attraktiver wird. Nach ersten Berechnungen würde dem Staat ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag entgehen, der aber zur Hälfte durch die Ankurbelung der Wirtschaft wieder hereingeholt würde. OB Christian Ude (SPD) weist darauf hin, dass er vor genau zehn Jahren das „Münchner Bündnis für Wohnungsbau“ einberufen habe – mit Stadt, Bauwirtschaft, Wohlfahrtsverbänden und Banken. Kernforderung damals: bessere Abschreibungsmöglichkeiten.

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