Prozess gegen Cahit D.

Um 683.000 Euro: Billig-Friseur prellt den Staat

+
Chahit D. (mit Anwalt Berthold Braunger) an Montag im Münchner Landgericht .

München - Um 683.000 Euro soll Billig-Friseur Cahit D. (45) die Sozialversicherungen betrogen haben! Am Montag hat der Prozess begonnen - und bereits eine erste Entscheidung gebracht.

Ein Herren-Haarschnitt für 9 Euro, eine neue Damen-Frisur ab 13 Euro. In den Friseurläden von Cahit D. (45) wurden die Kunden schnell und billig bedient. Doch wer so preiswert arbeitet, muss sparen. Der aus der Türkei stammende Unternehmer tat dies bei der Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung für seine Mitarbeiter. Um 683.000 Euro hatte er laut Anklage die Sozialversicherungen betrogen! Reumütig nahm Cahit D. am Montag auf der Anklagebank des Landgerichts Platz.

Die Friseurkette mit Zentrale in der Goethestraße am Hauptbahnhof war schon 2009 ins Visier der Zollbehörde geraten. „Wir haben festgestellt, dass die Arbeitszeiten nicht mit den Mindestlohn übereinstimmen“, so Zollobersekretärin Daniela W. am Montag im Zeugenstand. Bei mehreren Durchsuchungen stießen die Fahnder auf ein umfangreiches Schwarzlohn-System. Lohnzahlungen wurden als „Prämien“, „Umsatzbeteiligungen“ oder als „Trinkgelder“ getarnt. Das Geld bekamen die Mitarbeiter in Kuverts ausgehändigt. Staatsanwältin Andrea Wagner: „Den Mitarbeitern war durch den Angeklagten verboten, über die Gehaltshöhe, die Barzahlungen, Prämienhöhe und den Inhalt der Umschläge zu sprechen.“ Unter dem Druck der Ermittlungen packten die Betroffenen dennoch aus.

"Knast" wie früher: Bilder von der Ausstellung in der JVA Stadelheim

"Knast" wie früher: Bilder von der Ausstellung in der JVA Stadelheim

Cahit D. hat die florierende Friseur-Kette inzwischen verkauft, er fungiert lediglich als „Berater“ in den Unternehmen.

Gut beraten war der Angeklagte am Montag – von seinem Verteidiger Berthold Braunger. Dieser riet ihm, zumindest einen Teil des Schadens wieder gutzumachen und ein Geständnis abzulegen, um dem Knast zu entgehen. 140.000 Euro trieb Chahit D. von Verwandten auf. Braunger: „Meinem Mandanten ist heute klar, dass die Allgemeinheit geschädigt wurde.“ Der Angeklagte wird mit einer Bewährungsstrafe von einen Jahr und neun Monaten bis zwei Jahren davonkommen, sicherte ihm das Gericht zu. Dazu kommt noch eine saftige Geldstrafe. Das Urteil wird heute verkündet.

Eberhard Unfried

Auch interessant

Meistgelesen

Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare