tz-Serie zum Ende des Zweiten Weltkriegs in München

70 Jahre Frieden: Die Feuerwehr im Kriegseinsatz

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Von dort musste er den Untergang der Stadt mitansehen (r.).

München - Der Zweite Weltkrieg wurde für die Münchner Feuerwehr zur Bewährungsprobe, die sie kaum bestehen konnte. Hilflos mussten die Retter zuschauen, wie ihre Heimat in Schutt und Asche fiel.

Schon 1934 bemächtigte sich der Nazi-Apparat der Münchner Feuerwehr. Ihr Chef Karl Dirnagl wurde in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, weil er in der falschen Partei war. Seinem Nachfolger Hermann Lion erging es 1937 ebenso, er konnte keinen „Ariernachweis“ erbringen. 1938 wurde die Berufsfeuerwehr als „Feuerschutzpolizei“ eine Abteilung der Gendarmerie, ihre Fahrzeuge wurden grün lackiert, die Uniformen bekamen die gleiche Farbe und ähnelten denen der Wehrmacht – die Feuerwehrler merkten bald, dass die neue Uniform nicht sehr zweckmäßig war. Man trug im Einsatz Krawatte!

Einer der Beobachtungsposten auf dem Hochhaus an der Blumenstraße.

Als der Krieg 1939 ausbrach, mussten die erfahrenen Feuerwehrmänner an die Front. „Die nicht mehr voll einsatzfähigen älteren Männer blieben, der Rest der Mannschaft wurde mit Hitlerjungen aufgefüllt“, so der Sprecher der Münchner Berufsfeuerwehr Karl Pieterek. Später übernahm die Luftwaffe die Leitung der Feuerwehr, die vom Land Verstärkung bekam und durch Luftschutzabteilungen der Luftwaffe und Wehrmacht ergänzt wurde.

Die „Feuerschutzpolizei“ im Einsatz.

Bei „Luftalarm“ bestiegen Bobachter „Peilstellen“ auf den Türmen des Rathauses, der Paulskirche oder des technischen Rathauses, um von dort melden zu können, wo die Brände entstanden sind. Die ersten französischen Angriffe richteten 1940 kaum Schaden an. Doch gegen die ab 1943 entfachten Feuerstürme konnte die Feuerwehr kaum mehr etwas ausrichten. „Es gab oft kein Löschwasser, weil die Leitungen zerstört waren, Tanklöschfahrzeuge gab es noch nicht“, so Pieterek. Aber man grub Verschüttete aus. Ständig gab es Streitereien und Kompetenzgerangel zwischen Feuerwehr, Parteifunktionären und den militärischen Organisationen.

Zum Schluss des Krieges zählte die Feuerwehr 71 Fliegerangriffe, die 6201 Tote forderten, 15 von ihnen waren Feuerwehrler. 23.108 Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt.

23.04. vor 70 Jahren

München: Es hat wieder leichten Nachtfrost gegeben, tagsüber klettert die Temperatur nur auf sechs Grad, es nieselt. Der in München erscheinende Völkische Beobachter hetzt über den „Unerbittlichen Volkskrieg gegen alle Unterdrücker“ – „Ein stolzes Volks geht nicht unter das Joch fremder Gewaltehaber“ und: „Hass das Gebet – Rache das Feldgeschrei – Die Werwolfproklamation an das deutsche Volk. Kampf bis zum letzten Atemzug“.

Abgeworfene Flugblätter der Alliierten erklären, man habe drei Tonnen Sprengstoff am Boden gelassen, um das Papier laden zu können. Die Bevölkerung solle die Nähe von Bahnhöfen und Fabriken meiden, da dies Bomberziele sind.

Das KZ Flossenbürg in der Oberpfalz 1945.

Bayern: Die US-Armee besetzt kampflos Gemeinde und KZ Flossenbürg in der Oberpfalz. Von den 1500 bei der „Evakuierung“ des Lagers zurückgebliebenen Gefangenen sterben viele in den folgenden Wochen durch die Nachwirkungen der Haft. Oberst Ludwig Hörl, seit kurzem Standortältester für das Gebiet Garmisch, informiert sich in einer Lagebesprechung des Stabes des Stellvertretenden Generalkommandos VII in Kempfenhausen am Starnberger See, über die militärische Lage und sondiert die Bereitschaft der anwesenden höheren Offiziere, die Kampfhandlungen einzustellen, um weitere sinnlose Opfer zu vermeiden.

In Unterkirchberg bei Neu-Ulm werden drei Männer erschossen, die weiße Tücher aus dem Fenster gehängt hatten.

Welt: Schwere Kämpfe auf der Linie Verden-Aller/Stade-Elbe. Berlin ist komplett eingeschlossen; Reichsmarschall Hermann Göring wird von Führer und Reichskanzler Adolf Hitler aus allen seinen Ämtern entlassen; Göring hatte Hitler per Telegramm angeboten, seine Ämter zu übernehmen.

General Helmuth Otto Ludwig Weidling soll sich im Führerbunker melden, um erschossen zu werden, weil er angeblich mit seinen Truppen im Süden Berlins vor den Russen zu weit nach Westen ausgewichen sei, dann wird er doch letzter Kampfkommandant von Berlin. Die Sowjets besetzen Potsdam. Sie stehen in Berlin am Teltowkanal, in Friedrichshain und in Tegel. Über Spandau erreichen sie Döberitz 70 Kilometer westlich von Berlin.

Johannes Welte

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