Alte Bilder, kuriose Geschichten

Die 70er-Jahre in München: Schick, Schicker, Schickeria

Rudolph Moshammer als Ludwig II. bei der Vorstadthochzeit.
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Rudolph Moshammer als Ludwig II. bei der Vorstadthochzeit.
Almut Hauenschild mit Uschi Glas.
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Almut Hauenschild mit Uschi Glas.
Almut Hauenschilds erste tz-Kolumne
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Almut Hauenschilds erste tz-Kolumne
Playboy James Graser.
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Playboy James Graser.
Hauenschilds Tisch im Vier Jahreszeiten.
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Hauenschilds Tisch im Vier Jahreszeiten.
Prost! Schauspieler Walter ­Sedlmayr.
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Prost! Schauspieler Walter ­Sedlmayr.
Vorbild und Film … Oben: Reporter Michael Graeter und Fotograf Franz Hug. Unten: Franz Xaver Kroetz und Dieter Hildebrandt.
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Vorbild und Film … Oben: Reporter Michael Graeter und Fotograf Franz Hug. Unten: Franz Xaver Kroetz und Dieter Hildebrandt.
Schauspieler Jack Nicholson.
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Schauspieler Jack Nicholson.

München - Wir wollen in Nostalgie schwelgen, wollen Ihnen täglich einen spannenden Aspekt der 70er in München zeigen. tz-Fotograf und -Autor Heinz Gebhardt nimmt Sie mit auf eine Zeitreise. Heute: die Bussi-Bussi-Gesellschaft.

Kultig, kultiger, 70er! Manch einer mag zwar lächeln über riesige Sonnenbrillen und quietschbunte Tapeten – trotzdem hat keine Epoche der Nachkriegszeit das München von heute so geprägt wie die 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Generation 60 plus wird sich mit Wehmut an diese wilde Zeit erinnern – und die Jüngeren werden große Augen machen, wie narrisch und wie nackert es damals in München zuging, wenn sie die große Serie der tz lesen. Wir wollen in Nostalgie schwelgen, wollen Ihnen täglich einen spannenden Aspekt der 70er zeigen. tz-Fotograf und -Autor Heinz Gebhardt nimmt Sie mit auf eine Zeitreise, zeigt Ihnen die besten Fotos und erzählt die spannendsten Geschichten. Sie werden lesen von Hippies und Helden, von Verbrechen und Vergnügen. Und heute von jener Seite Münchens, für die die Stadt berühmt ist: die Bussi-Bussi-Gesellschaft und diejenigen, die darüber berichten.

Schick, Schicker, Schickeria

Mit Klatschreporter Baby Schimmerlos wurde sie in Kir Royal filmreif verewigt und immer wieder mit ungläubigem Staunen belächelt. Dabei gab es sie ja wirklich: Die Münchner Schickeria ist in den Siebzigerjahren entstanden. Genau wie die zugehörigen Reporter, die Baby-Schimmerlos-Vorbilder, die über die Bussi-Bussi-Gesellschaft berichteten. Hannes Obermaier († 67), der unter dem Pseudonym „Hunter“ 1952 in der Abendzeitung die Klatschkolumne in Deutschland erfand, Michael Graeter, der ihm 1970 in der AZ nachfolgte, als Hunter zu Bild wechselte. Im Jahr darauf begann in der tz Almut Hauenschild, den beiden Promijägern Konkurrenz zu machen, gefolgt von Paul Sahner († 70). Vier unterschiedlichste Typen, über die damals die Zeit schrieb: „München ist die einzige deutsche Stadt, in der Klatschkolumnisten ernst genommen werden …“

Zu den schillerndsten Figuren der frühen Schickeria zählte der Graser Hansl, der unter seinem Künstlernamen James Graser als Beruf „Playboy“ angeben durfte und in den Klatschspalten totale Narrenfreiheit genoss. Seine Markenzeichen: Wilde Partys, flotte Autos, schneller Sex und saubere Räusche gaben Stoff für endlose Storys. Zum Beispiel gab es mal die Geschichte, als Graser auf seiner Yacht ganz allein mit Franz Josef Strauß durchs Mittelmeer kreuzte. Oder der Mosi alias Rudolph Moshammer, der wie Walter Sedlmayr ein groteskes Doppelleben führen musste, um in den Schickeria-Kreisen geachtet und bewundert zu bleiben. Einen nur in München anerkannten Beruf übte der Lebenskünstler Poldi Waraschitz aus: Er war anerkannter „Schnorrerkönig“, schlemmte sich durch die kalten Buffets und lebte recht gut vom Geld seiner reichen Münchner Freunde, für die er den Hofnarren spielte.

Zweitbüro im Hotel: Vier Jahreszeiten

Für Münchens Schickeria begann ein goldenes Jahrzehnt, die 70er-Jahre. Natürlich: Dazu gehörten auch die Zeitungen, die darüber berichteten. Dazu gehörte ab Mai 1971 die Schwäbin Almut Hauenschild. Sie legte sich gleich mal mit Hunter an – auf Bussi-Bussi-Art. „Almut Hauenschild hat etwas brutal mein Zweitbüro aus dem Bayerischen Hof kopiert“, schrieb Hunter in seinen Memoiren. In Hauenschilds Second Office an der Bar des Hotels Vier Jahreszeiten gab’s Briefkasten und vergoldete Telefonhörer.

So war die Wirklichkeit hinter „Kir Royal“

Jetzt begann die Ära von Kir Royal, für die sich Regisseur Helmut Dietl das Abendzeitungs-Team Michael Graeter und Franz Hug als Vorbild für Baby Schimmerlos und Fotograf Herbie ausgesucht hatte. „Wer reinkommt, ist drin“, so hieß es damals. Versucht haben es viele, reinzukommen in die täglichen Klatschkolumen. Dietl hatte nicht übertrieben: Seine Geschichten zeigten, wie es in den 70er-Jahren tatsächlich in München zuging mit Promis und Möchtegern-Promis, mit Starfriseuren und Promizahnärzten.

Paul Sahner und die weite Welt der Stars

Zur tz stieß bald der junge Paul Sahner – seine Kunden waren echte Hollywood-Stars und Theatergrößen. Legendär sind etwa seine Interviews mit Schauspieler Klaus Kinski im Morgengrauen am Kleinhesseloher See, mit Showmaster Rudi Carrell im Swimming-Pool auf dem Dach des Bayerischen Hofs oder mit Schauspieler Jack Nicholson ein paar Stockwerke darunter, bei dem der Weltstar eine Viertelstunde lang so plärrte, dass das Interview auf dem ganzen Promenadeplatz zu hören war. Seine große Zeit hatte Sahner später als Autor und „Gottvater der Intimbeichte“ (taz) bei der Illustrierten Bunte. Wenige Wochen vor Erscheinen seiner Memoiren Ich hatte sie fast alle starb Sahner 2015 an einem Herzinfarkt.

Schicken Sie uns Ihre Fotos aus den 70ern!

Unsere Serie ist nicht bloß was zum Schmökern und Schauen, sondern auch was zum Mitmachen. Schicken Sie uns Ihre schönsten Bilder und Geschichten aus den 70ern an lokales@tz.de oder an die tz-Lokalredaktion, Paul-Heyse-Str. 2-4, 80336 München. Für Ihre Beiträge haben wir einen eigenen Teil der Serie reserviert. Danke!

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