Geruch war 70 Meter weit zu riechen

Abercrombie & Fitch: Stadt stoppt "Beduftung"

München - Auf Anordnung der Stadt stellt Abercrombie & Fitch seine externe Parfüm-Anlagen ab. Denn der Geruch war 70 Meter weit gewabert und stieg den Nachbarn gehörig in die Nase.

Duftstoffe signalisieren in der Welt der Tiere Paarungsbereitschaft. Menschen tragen Parfüm auf, um gut zu riechen. Düfte wirken als Lockmittel, das weiß man. Auch im Einzelhandel. Zum Beispiel bei der US-amerikanischen Modekette Abercrombie & Fitch. Dort wird als Teil der Marketing-Strategie das hauseigene Parfüm „Fierce“ (zu deutsch: wild) durch die Lüftungsanlagen geblasen. Allerdings hatte es der neue Laden in der Hofstatt etwas übertrieben in der Wahl seiner Mittel für die Kunden-Akquise. Weil auch im Eingangsbereich des Ladens drei „Beduftungsanlagen“ installiert wurden, war die Duftwolke so penetrant, dass sie sogar an der Sendlinger Straße und im Hackenviertel wahrgenommen werden konnte.

Das stank manchen Passanten und vor allem den Nachbarn gewaltig, so dass sich bei der Bürgerversammlung des Altstadtbezirks Ende November Protest regte. Offenbar mit Erfolg: Laut Martina Weinzierl vom städtischen Referat für Gesundheit und Umwelt hat Abercrombie & Fitch in einem Schreiben mitgeteilt, dass die externen „Beduftungsanlagen“ entfernt worden seien. Der Brief ist am Dienstag bei der Stadt eingegangen. „Überprüft haben wir das in der Kürze der Zeit noch nicht. Aber wir gehen davon aus, dass es stimmt“, sagt die Sprecherin des Umweltreferats.

Parfüm auch 70 Meter von Filiale entfernt wahrnehmbar

Nach den Beschwerden bei der Bürgerversammlung war die Behörde aktiv geworden. „Die Kollegen haben sich das sozusagen errochen“, bemerkt Martina Weinzierl süffisant. Bis zu einer Entfernung von 70 Metern vom Laden sei der Geruch wahrgenommen worden. Daraufhin habe man das Unternehmen angerufen und aufgefordert, dies zu unterlassen.

In dem mondänen Modeladen in der Hofstatt bekommt man unterdessen auch an diesen unwirtlichen Tagen ein wenig Sommergefühle. Die Angestellten tragen Flip-Flops, haben Modelmaße, sehen ziemlich gut aus und strahlen charmante Lässigkeit aus. Im Shop ist es zwar fast so dunkel wie in einer Geisterbahn, dafür ist die Musik umso lauter und peppiger. Und es dominiert dieser penetrante süßlich Duft jenes Parfüms, das eben nicht nur durch die hauseigenen Lüftungsanlagen, sondern auch nach draußen geblasen wurde.

"Wenn einem der Duft immer in der Nase liegt, ist das störend"

Monika Oberndorfer ist Anwohnerin aus dem Hackenviertel. Sie hatte den Antrag bei der Bürgerversammlung gestellt. Ihr gehe es nicht darum, den „genialen Marketing-Schachzug“ des Unternehmens auszuhebeln. Im Innenbereich des Ladens sei das völlig in Ordnung. „Aber wenn einem der Duft auch an der frischen Luft immer in der Nase liegt, ist das irritierend und störend“, sagt sie. Die Intensität des Aromas sei auch von Wetter- und Windverhältnissen abhängig gewesen. Manchmal sei sie zu Hause von Gästen gefragt worden, ob sie denn Kleidung von Abercrombie & Fitch trage - so penetrant habe sich die Duftwolke über das Viertel gelegt.

Die Studentin Sarah Hippold geht auch ab und zu die Sendlinger Straße entlang. Als sie das erste Mal den Geruch bemerkte, habe sie gedacht, das sei der Duft einer neuen „Douglas-Parfümerie“. Erst ihre Freunde hätten sie später aufgeklärt, dass es sich um den typischen Abercrombie & Fitch-Geruch handele. „Das wusste ich gar nicht.“ Als angenehm empfindet die 24-Jährige das Parfüm nicht: „Ich mochte es nicht.“ Es sei eben ungewohnt, wenn es an der frischen Luft penetrant nach Parfüm rieche, sagt sie.

Auch andere Läden könnten die Parfüm-Idee aufgreifen

Monika Oberndorfer war die Angelegenheit auch aus grundsätzlichen Erwägungen wichtig. Schließlich könnten andere Läden ebenfalls auf die Idee kommen, den öffentlichen Raum mit irgendwelchen Düften zu besprühen. Sie selbst sei nun gespannt, ob Abercrombie & Fitch tatsächlich reagiere. „Diese Woche habe ich noch keinen Geruch wahrgenommen“, räumt sie ein und fügt an: „Ich lasse mich überraschen.“

Übrigens befindet sich München mit seinem Protest in guter Gesellschaft: Auch in New York demonstrierten vor einigen Jahren Umweltschützer vor dem Abercrombie-Flagship-Store gegen die Verschmutzung der Luft.

Klaus Vick

Rubriklistenbild: © Schlaf

Auch interessant

Meistgelesen

Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare