Künstler will Geschäft im Rathaus retten

Abgestempelt? Traditions-Laden vor Aus

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Ludwig Popp zeigt einen Zeit-Stempel aus den 20er Jahren

München - Ende Legende? Stempel Berger im Rathaus, eines der ältesten Münchner Geschäfte, steht vor dem Aus. Doch es gibt Hoffnung für den Traditionsladen.

Ludwig Popp will das Traditionsgeschäft retten

Nach dem Tod der letzten Betreiberin Edeltraud Schmidt († 84) muss der Traditions-Laden Stempel Berger am Marienhof möglicherweise zumachen. Doch noch gibt es Hoffnung: Der Münchner Künstler Ludwig Popp und die Cousine der Verstorbenen wollen den Laden retten.
Diesen Laden, der mehr ist als bloß irgendein Geschäft. Das hier, das ist eine Münchner Institution. Josef Berger gründete das Haus im Jahr 1919. Unter den Kunden war praktisch jeder, der Rang und Namen hatte in der Stadt. Ämter, Gerichte, das Erzbischöfliche Ordinariat. Und, und, und…

Das Sortiment war und ist riesig – vom offiziellen „Bezahlt“ bis hin zum Firmen-Stempel von HNO-Arzt Doktor Schluckauf. Die Herrin über die Tausenden Stempel war bis zu ihrem Tod im März Edeltraud Schmidt. „Sie hat hier 65 Jahre gearbeitet – das macht mich ehrfürchtig“, sagt Ludwig Popp (64). Er ist der Kastellan des Alten Hofs. Nun will er das Geschäft retten.

Edeltraud Schmidt stand 65 Jahre am Tresen, bediente auch Oberbürgermeister Thomas Wimmer und belieferte die Firma Dallmayr mit Siegellack.

Eigentlich wäre jetzt Edeltrauds Cousine aus Stuttgart als Erbin berechtigt, den Pachtvertrag zu übernehmen. Sie sagt aber: „Ich sehe mich kaum im Stande, das Geschäft weiter zu führen.“ Sie kennt allerdings einen Pächter, der den Laden übernehmen würde – „einen eingesessenen Münchner Familienbetrieb“. Ob es dazu kommt, entscheidet die Stadt. Die Erbin schrieb an OB Christian Ude (SPD). Ihr Anliegen: „Das liebenswerte, alteingesessene Münchner Traditionsgeschäft aufrecht erhalten“. Eine Antwort steht noch aus.

Und wenn’s nicht klappen sollte? Dann hätte Popp noch eine andere Idee: „Der Laden hat Museumswert. Vielleicht könnte man ihn gemeinsam mit der Stempelfirma als Außenstelle des Stadtmuseums mit Verkauf weiterbetreiben.“

Sicher ist: Das mit dem „Museumswert“ stimmt. Wie durch ein Wunder hat die handgeschreinerte Einrichtung von 1919 die Stürme der Zeit überstanden. Von Generation zu Generation drückte dieser Laden der Stadt seinen Stempel auf. Wird das Geschäft jetzt Geschichte?

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