Abiturprüfung im Bau-Lärm

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Eine Betondecke hat der Neubau am Freitag bekommen, die Prüflinge schrieben derweil ihr Deutsch-Abi.

München - Weil ihre Schule saniert wird, sitzen die Abiturienten des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums in diesem Jahr mit Ohrstöpseln vor den Klausuren. Die Stadt lässt auch an Prüfungstagen fleißig weiterhämmern.

Wenn im Frühsommer die letzten Abiturprüfungen am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium anstehen, hat Schulleiter Wolfgang Hansjakob jede Menge Vorbereitungsarbeit hinter sich: Es sind Aufsichten zu organisieren, Belegungspläne auszutüfteln – und in diesem Jahr auch Ruhezeiten zu organisieren. Denn seine Schule ist momentan eine Baustelle, und zwar eine ziemlich laute.

Seit dem vergangenen Sommer wird das Wilhelm- Hausenstein-Gymnasium an der Elektrastraße 61 für etwa 13 Millionen Euro teils saniert, teils erweitert. Die Turnhalle wird generalüberholt, und in einem Neubau entstehen sieben zusätzliche Klassenzimmer, weil das Bogenhauser Gymnasium aus allen Nähten platzt. Die Bauarbeiter kommen inzwischen genauso selbstverständlich jeden Morgen zur Schule wie die 1234 Schüler.

Am Freitag sollten nun eigentlich die lauten Arbeiten den Vormittag über eingestellt werden, um den Abiturschülern die Möglichkeit zu geben, sich in Ruhe auf ihre ersten Prüfungen zu konzentrieren. „Ich habe die Stadt schon vor Wochen gebeten, mit den lärmintensiven Arbeiten zu pausieren“, sagt Hansjakob, „und es hieß, dass alle zuständigen Firmen informiert seien.“

Doch pünktlich am Morgen sprangen die Maschinen an, um eine Decke zu betonieren. „Angeblich mussten die Arbeiten ausgerechnet auf diesen Tag verschoben werden“, berichtet der Schulleiter. Zu allem Überfluss schrieben die Schüler ihre Klausuren auch noch im dritten Stock auf der Westseite – eben dort, wo genau vor den Fenstern der Neubau entsteht.

Eine spontane Umbelegung war nicht möglich, auch weil die Sonne die ruhigeren östlichen Räume auf Saunatemperatur aufgeheizt hatte. Hansjakob: „Ich habe dort vormittags unterrichtet, und ich hätte dort kein Abitur schreiben wollen.“ Warm und stickig wurde es allerdings auch schnell in den Prüfungsräumen, denn die Fenster mussten geschlossen bleiben. Zumindest bis um 11 Uhr, als der Schulleiter endlich einen Verantwortlichen bei der Stadt erreichte und die Betonpumpe vorübergehend abgestellt wurde.

Hansjakob überlegt nun für die nächsten Prüfungen in der kommenden Woche doch noch umzudisponieren, da die Wettervorhersage Abkühlung verspricht und die Ostseite daher erträglicher sein könnte. Für Montagmorgen steht zwar ein Gespräch mit der Bauleitung an, aber der Ausgang ist offen. Das zuständige Bildungsreferat der Stadt war ab Freitagmittag nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.

Immerhin: Beschwert hat sich bisher niemand bei dem Schuldirektor. „Die Schüler haben schon gemerkt, dass wir uns gut um sie kümmern. Wir hatten uns das ja auch anders vorgestellt, aber das lag eben nicht in unserer Macht.“

Und ein guter, alter Tipp des Direktors hat sich in diesem Jahr mehr als bezahlt gemacht: Ohrstöpsel einzupacken.

Katharina Fuhrin

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