Bilder aus der Flick-Villa

Das pompöse Leben des Milliardärs

Marmorböden ziehen sich durch große Teile der Villa

München - Sein Name stand für unfassbaren Reichtum, seine Münchner Villa glich einem Palast. Sieben Jahre nach dem Tod von Friedrich Karl Flick wird dessen Prunkbau nun abgerissen. Die tz hat hinter die Mauern geschaut:

Die Fassade der Flick-Villa in der Pienzenauerstraße 111: Fenster aus Panzerglas sollten den Milliardär vor Anschlägen schützen, zwölf Kameras überwachten das gesamte Grundstück.

Sein Name stand für unfassbaren Reichtum, seine Münchner Villa glich einem Palast. Sieben Jahre ist es her, dass Milliardär und Wirtschaftsmagnat Friedrich Karl Flick († 79) verstarb. Er galt als einer der mächtigsten Industriebosse der Republik. Sein Wohnsitz steht noch immer in der Pienzenauerstraße – Bestlage im Herzogpark, direkt an der Isar. Die luxuriöseste Wohngegend der Stadt, mit einem der geheimnisvollsten Häuser. Die tz hat hinter die Mauern geschaut – mitten hinein in Flicks Münchner Leben, in eine Welt voller Pracht und Überfluss. Ein Leben auf 3000 Quadratmetern, mit dutzenden Angestellten und legendären Partys: Hochrangige Poltiker und Stars feierten bei Flick. Nur enge Freunde und Gäste ließ der Hausherr in sein Reich, die Milliardärsvilla ist so exklusiv wie sagenumworben. Bald jedoch wird es sie nicht mehr geben: Der Abriss ist beschlossene Sache. Denn auf dem Grundstück entsteht ein Neubau mit zehn Luxuswohnungen. Bis Ende des Jahres wird die Villa in der Filmbranche aber noch als Drehort angeboten. Die tz zeigt exklusiv Bilder aus der ehemaligen Flick-Villa und erklärt das pompöse Leben des Milliardärs!

130 Räume, 2000 Quadratmeter Wohnfläche auf drei Ebenen, dazu 2000 Quadratmeter Garten. Die Villa von Friedrich Karl Flick (1978 erbaut) ist ein Prachtbau mit majestätischer Wohnwelt – aber auch eine moderne Festung, mitten in München. Für Nachbarn und Spaziergänger war Flick in seiner Villa nahezu unsichtbar: Das Haus war mit drei Dächern und Panzerglasfenstern geschützt – die hätten angeblich selbst einem Maschinengewehrfeuer standgehalten. Zehn Wachposten und persönliche Leibwächter sorgten für Flicks Sicherheit, darunter ein kriegserfahrener Nahkampfspezialist aus einer US-Eliteeinheit. Denn zeitlebens hatte der Milliardär Angst vor Anschlägen und Entführungen. Zwölf bewegliche Videokameras überwachten sein Grundstück am Herzogpark – hinein fuhr Flick im gepanzerten Mercedes 500. Wenn der Großindustrielle seine Terrasse betrat, fuhr eine hydraulisch betriebene Glaswand hoch – kugelsicher. Seine Leibwächter trugen Maschinenpistolen, er reiste vorwiegend im Helikopter. Große Angst hatte Flick vor der Roten Armee Fraktion (RAF), die in den 70er- und 80er-Jahren terroristische Aktionen gegen Wirtschaftsbosse verübte – auch Flick hatten sie auf der Liste. Sein persönlicher Bodyguard Heinz Hohensinn berichtete: „Er ging nie allein zur Toilette. Ich musste immer mit.“

In seiner Villa hatte Flick ein holzvertäfeltes Schwimmbad

Von außen verriegelt, gleicht das Innere der Villa einer protzigen Erlebniswelt: Flick besaß ein riesiges Luxus-Schwimmbad mit edlen Holzwänden, zwei Stromaggregate, zahlreiche Vorratskammern, Stuben und Schlafzimmer. Der Boden des Eingangs war marmorvertäfelt. Für die Elektronik im Haus brauchte Flick ganze Gänge voller Schaltschränke. Im Keller befand sich ein etwa 15 Quadratmeter großer Atomschutzbunker mit eigener Luft- und Energieversorgung, für den Fall der Fälle. Der Wert der Villa: Heute kaum mehr zu bemessen. Experten schätzen, dass ein Neubau in dieser Größenordnung bis zu 20 Millionen Euro kostet.

Ebenso viel Geld soll Flick pro Jahr verprasst haben – für private Vergnügung. Für seine Partys war er bekannt, mit Vorliebe ließ er Musiker, Köche oder Leibwächter einfliegen und verköstigte politische und wirtschaftliche Größen des Landes. Neben seiner Münchner Villa besaß Flick noch weitere Residenzen in Seeshaupt, Bad Tölz, Wildbad Kreuth, Düsseldorf, am Wörthersee, an der Côte d’Azur und in den USA.

Friedrich Karl Flick (1927 – 2006) war lange Zeit einer der wohlhabendsten Deutschen. Sein Vermögen: rund 6,8 Milliarden Euro. Nach dem Tod seines Vaters Friedrich erbte Flick 1972 den größten Teil des Familienvermögens und ein Firmengeflecht aus mehr als 300 Unternehmen (unter anderem Stahlfirmen, den Papierhersteller Feldmühle, Dynamit Nobel und Daimler-Benz-Aktien) – dort hatte er 300 000 Angestellte und machte 18 Milliarden Euro Umsatz. 1981 wurde die Parteispendenaffäre publik: Zwischen 1969 und 1980 zahlte Flick 25 Millionen Mark zur „Pflege der Bonner Landschaft“ an die CDU, FDP und SPD. Ein Skandal, der die Republik erschütterte!

1984 machte Flick mit seinen 43 000 Angestellten noch einen weltweiten Umsatz von 22 Milliarden Mark, ein Jahr später verkaufte er sein Industrie-Imperium für 5,4 Milliarden Mark an die Deutsche Bank und verlegte 1994 seinen Wohnsitz aus steuerlichen Gründen nach Österreich – für den Fiskus bedeutete das Verluste von 100 Millionen Mark jährlich. Als Privatier konzentrierte sich Flick auf die Verwaltungs seines Vermögens – es wuchs täglich um eine Million an.

Vor dem Abriss: Bilder aus der Flick-Villa

Vor dem Abriss: Einblicke in die Flick-Villa

Der Investor und Großindustrielle heiratete drei Frauen (Elga, Ursel und die 30 Jahre jüngere Ingrid), aus den Ehen gingen vier Kinder hervor (Alexandra und Elisabeth aus zweiter Ehe sowie die Zwillinge Victoria-Katharina und Karl-Friedrich). Anders als sein Vater Karl (1883 bis 1972) liebte er das Leben mehr als die Arbeit – zu seinen Feiern kamen die Größen der Republik. Er galt als großer Gönner, Geld spielte nie eine Rolle. Nachts klingelte er Wirte aus dem Bett, wenn er feiern wollte oder ließ die Musiker selbst einfliegen.

Mitte September 2006 wurde der Milliardär ins Klinikum Großhadern eingeliefert. Diagnose: Krebs, inoperabel. Flick ließ sich zum Wörthersee fliegen und starb im Familienkreis. Im November 2008 schändeten Unbekannte sein Grab im Familienmausoleum – sie stahlen Edelstahlsarg und Leichnam und entfernten beide Nullen aus der Zahl 2006, dem Todesdatum. Mehr als ein Jahr später tauchten Sarg und Leichnam in Ungarn wieder auf – Diebe wollten die Flick-Familie erpressen. Aber die Polizei konnte die Täter schnappen, die Familie erhielt den Sarg zurück und setzte Flick im Dezember 2009 erneut bei.

So läuft der Luxus-Neubau

„Der Abriss beginnt Anfang 2014 und wird etwa drei Monate dauern“, sagt Stefan Mayr, Geschäftsführer des Bauherrn

m-concept. Ab Juli 2014 wird mit dem Neubau auf dem Grundstück der ehemaligen Flick-Villa begonnen. „Hier entstehen zehn neue Luxuseigentumswohnungen mit modernster Technik und Ausstattung“, sagt Mayr. Sie sollen jeweils zwischen 160 und 400 Quadratmetern groß werden – je nach Wunsch der neuen Eigentümer. Ende 2015 wird der Neubau voraussichtlich bezugsfertig sein.

Eins ist jetzt schon sicher: Die Luxuswohnungen liegen in einer 3400 Quadratmeter großen grünen Oase mit unverbaubarem Blick und direktem Zugang zum Isarufer. Luxusmakler Detlev von Wangenheim vermittelt die Objekte: „Die Wohnungen sind von höchstem Komfort und verfügen über weitläufige, individuelle Grundrisse und allerbeste Ausstattung.“ Innen werden die Decken bis zu drei Meter hoch sein, dazu gibt es eine Tiefgarage mit 23 Stellplätzen.

Andreas Thieme

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