Großer tz-Report von der Baustelle

Abriss XXL: Hier wird das Ex-Kripo-Gebäude zerlegt

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Die Baggerführer brauchen noch bis Juni - dann ist das frühere Kripo-Gebäude dem Erdboden gleich.

München - Die Abbrucharbeiten am siebenstöckigen 50er Jahre-Bau, in dem jahrelang die Münchner Kriminalpolizei arbeitete, sind in vollem Gange. Die tz besuchte die Großbaustelle.

Ganz langsam beißt sich der riesige Abrissbagger mit seiner Stahlzange durch den Beton. Krachend fallen Schutt-Teile auf die Baustelle. Die Passanten an der Ecke Bayerstraße/Goethestraße gegenüber vom Hauptbahnhof hören das Hämmern und Dröhnen, sehen aber nichts als einen weißen, dichten Vorhang.

Die Passanten sehen von dem Abriss nichts.

Die Abbrucharbeiten am siebenstöckigen 50er Jahre-Bau, in dem jahrelang die Münchner Kriminalpolizei arbeitete, sind in vollem Gange. Auf dem 2000-Quadratmeter-Gelände wird die Bayerische Hausbau ab dem Spätsommer ein modernes siebenstöckiges Hotel mit 184 Zimmern auf 12 000 Quadratmetern Geschossfläche errichten – mit Fitnessbereich, Bar und Konferenzräumen sowie einer Gastronomieeinheit im Erdgeschoss (tz berichtete).

Die tz durfte hinter die Schutzplane schauen und hat ganz genau nachgefragt: Wie funktioniert so ein Abriss eigentlich? Und wo landen die Unmengen Schutt, die hier hinabfallen?

Der Bagger

In der Bayerstraße kommt ein sogenannter Longfrontbagger zum Einsatz, der Gebäude mit bis zu 60 Metern Höhe abbrechen kann. Er selbst erreicht ausgefahren eine Höhe von 34 Metern. Baggerführer Günther Helmbrecht sagt: „Der Longfront wiegt 90 Tonnen – alleine die Stahl-Schere ist 2,5 Tonnen schwer.“ Um die Staubentwicklung zu minimieren, spritzt diese bei den Arbeiten immer Wasser heraus.

Die Schuttmenge

Das Gebäude wird von innen nach außen abgebrochen, voraussichtlich im Juli wird die letzte Wand fallen. Insgesamt werden dabei etwa 25 000 Tonnen Bauschutt anfallen – das sind rund 1000 Lkw-Ladungen. Ein 40-Tonnen-Bagger hievt den Schutt auf Lkw-Sattel (Nutzlast 25 Tonnen). Durchschnittlich fahren zehn Lkw pro Tag von der Baustelle in der Bayerstraße weg.

Die Materialien

Neben dem Bauschutt, der aus Beton und Ziegeln besteht, fallen beim Abbruch noch Bodenbeläge, Dicht- und Isolierstoffe an. Die einzelnen Materialien müssen per Gesetz streng getrennt entsorgt werden. „Die Trennung wird sogar teilweise per Hand vorgenommen“, erklärt der Projektleiter Helmut Hufnagl von der Bayerischen Hausbau. Zum Beispiel beim Gipskarton von den Zwischenwänden: „Da er nicht mit herkömmlichem Schutt vermischt werden darf, haben ihn 40 Arbeiter von Hand ausgebaut und zerlegt.“ Andere Einzelteile wie die Kunststoff-Fenster kann der moderne Longfront ohne Probleme vor dem Abbruch heraustrennen. Hufnagl: „Die Schere ist sehr fingerfertig. Sie packt sich die Teile wie eine Pinzette und zieht sie raus.“

Das passiert mit dem Material

Bodenbeläge, Dicht- und Isolierstoffe kommen zu Münchner Entsorgern. Ziegel und Beton wandern in eine Recyclinganlage bei Pliening, wo sie zerkleinert und wiederaufbereitet werden (siehe links). Auch Altmetalle wie Kupfer oder Eisen werden wiederaufbereitet. Und zwar immer in der nahen Umgebung – so schreibt es das Abfallwirtschafsgesetz vor. Derzeit bleibt der anfallende Schutt noch auf der Baustelle Bayerstraße 35-37. „Einen Teil verwenden wir anstelle von Kies, um die bestehende Tiefgarage aufzufüllen“, sagt Projektleiter Hufnagl. So entsteht eine stabile Grundlage für die folgenden Bauarbeiten.

… und hier landet der Schutt

Auf der Recyclinganlage Gerharding bei Pliening werden täglich 1500 Tonnen Ziegel und Beton bewältigt

Etwa 20 Kilometer Luftlinie entfernt von der Baustelle am Hauptbahnhof landet schließlich der Ziegelschutt und der Beton des abgebrochenen Hauses: auf der Recyclinganlage Gerharding bei Pliening (Landkreis Ebersberg) der Abbruchfirma Ettengruber. Dort wartet der Betriebsbeauftragte Sven Noack (26) an der sogenannten Brecheranlage.

„Diese Maschine zerkleinert Brocken mit einer Kantenlänge von bis zu 50 Zentimeter“, erklärt Noack. Durch einen Trichter rattern sie dann in eine Art Mühle aus gehärtetem Spezialstahl, die die Ziegel oder den Beton zermalmt. „Wir können bis zu 1500 Tonnen täglich bewältigen – aber da die Materialien so hart sind, ist die Anlage sehr wartungsanfällig.“

Die feinsten Körner, die danach ausgesiebt werden, sind gerade mal acht Millimeter groß, die gröbsten sieben Zentimeter. Und was passiert dann damit? Noack: „Wir verwenden den produzierten Schotter vor allem als Alternative zum Rohstoff Kies für den Unterbau beim Hallen- und Wegebau. Mit Wasser und Zement können Käufer für ihren Privatgebrauch daraus aber auch wieder Beton anmischen.“

Nina Bautz

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