Abschied von Paul Buchner (†84)

"Er ist glücklich gegangen"

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Im Palmengarten des Luitpoldblocks und draußen im Café versammelte sich die Trauergemeinde zum Leichenschmaus

München - Familie, Freunde und Wegbegleiter haben am Freitag Abschied genommen vom Luitpold-Regenten Paul Buchner. "Er ist glücklich und in Frieden gegangen", sagt seine Tochter.

Es ist ein schönes Bild an diesem heißen Sommertag: An weiß gedeckten Tischen versammelt sich eine elegante, in Schwarz gekleidete Gesellschaft. Einige Damen tragen große schwarze Hüte, die Männer Anzüge aus feinem Tuch.

Paul Buchner ist im Alter von 84 Jahren gestorben

Es ist der Ort, der auf immer mit Paul Buchner verbunden bleiben wird. Der Ort, dem er wieder zu voller Blüte verholfen hat: der Luitpoldblock. Über 50 Jahre hat er dem geschichtsträchtigen Gebäude an der Brienner Straße seinen Stempel aufgedrückt. Das Konzept mit dem Palmengarten, den Geschäften, dem Café – alles trägt die Handschrift Paul Buchners. Deshalb konnte es auch nur diesen einen Ort geben, um gemeinsam Abschied von ihm zu nehmen.

Nach der Beisetzung am Freitagvormittag auf dem Waldfriedhof versammeln sich seine Witwe Marika, seine Tochter Tina Schmitz, enge Familienmitglieder, Freunde und viele Geschäftspartner zum Tränenbrot im Café Luitpold.

Trotz der Endgültigkeit – eine fast melancholisch-heitere Stimmung breitet sich unter den Trauergästen aus. „Er ist glücklich und in Frieden gegangen“, sagt seine Tochter. Alles sei geregelt gewesen. „Ich glaube, er hat beruhigt gehen können“, versucht sein Neffe, Michael Zechbauer, die richtigen Worte zu finden. Er habe so viele Erinnerungen an seinen Onkel. Die beiden Familien haben oft zusammen Urlaub gemacht. Und weil sein Onkel Paul zwei Töchter hatte, hat der halt mit dem kleinen Michael Drachensteigen lassen.

Die Hut- und Zigarren-Familie Zechbauer (in München ein großer Name ) vererbte der jüngsten Tochter Marika und ihrem Ehemann Paul Buchner einst den Luitpoldblock – samt Café: „Wir haben ihn auch unseren Schokoladenonkel genannt“, erinnert sich Maria Zechbauer. „Die Kinder haben ihn wohl arm gegessen“, scherzt sie.

Seine Aufmerksamkeit, sein ruhige und höfliche Art schätzten auch Buchners Geschäftsfreunde. Keine hat so lange im Luitpoldblock ihr Geschäft betrieben wie Renate Riedl. Die 85-Jährige hat in ihrem Salon Berta Häusler schon den Bayern-Prinzessinnen Hüte verkauft. 46 Jahre war sie an der Ecke im Luitpoldblock. „Zu meinen runden Geburtstagen habe ich von Paul Buchner immer eine hausgemachte Luitpold-Torte bekommen.“

„Wir sind mit ihm gewachsen“, erinnert sich Star-Visagist Horst Kirchberger, der in seinem Beauty-Tempel auch Top-Kundschaft aus Übersee empfängt. Streng, aber korrekt, sei Paul Buchner im Geschäftlichen gewesen.

Dass Freude und Trauer so oft ganz nah beieinander liegen, erfährt Michael Zechbauer an diesem Tag. Am Vormittag hat er seinen Onkel zu Grabe getragen, am Abend feiert er den 95. Geburtstag seines Schwiegervaters, des großen Filmemachers Atze Brauner. Ein Tag mit Höhen und Tiefen, so aufregend und aufwühlend wie das Leben selbst.

Maria Zsolnay

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