Erste Zeugen sagen vor Gericht aus

Wir sind Opfer der Abschlepp-Abzocker

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Gabriele S. (53) vor ihrem Opel Corsa

München - Im Prozess gegen die Abschlepp-Abzocker von der Parkräume KG haben vor dem Landgericht am Dienstag zwei Opfer ausgesagt. Sie berichten vom absolutem Horror.

Sie hatten schon Hunderte Münchner am Haken: Seit Jahren lässt die Firma Parkräume KG in der Stadt und im Umland Autos abschleppen. Ihre Methoden sind umstritten und verhasst: Laut Staatsanwaltschaft setzten die mutmaßlichen Abzocker Falschparker erst fest und drohen ihnen dann. Wer nicht sofort bezahlt, wird abgeschleppt. Und erfährt auch nicht, wo sein Auto steht. Seit vergangenen Montag beschäftigt sich auch das Landgericht mit diesen Vorwürfen.

Firmen-Chef Joachim G. (58) wird wegen Erpressung der Prozess gemacht, Ex-Mitarbeiter Björn F. (33) muss sich wegen Nötigung verantworten. Er hat bereits über die Abschlepp-Methoden ausgepackt: Er erhielt Erfolgsprämien und hatte die Anweisung, nie mit dem Preis herunterzugehen. Bis zu 340 Euro verlangte er von den verdutzten Autofahrern.

Einer davon der war der 38-jährige Türke Muglu Jasa. Der Ingolstädter reiste mit seiner herzkranken Frau nach München, weil sie sich einer OP unterziehen musste. Als er seine Frau aus dem Klinikum Bogenhausen abholen wollte, schlugen auch hier die Parkplatz-Abzocker zu. Er sagt: Ich war 20 Minuten weg, das hat mich 300 Euro gekostet.“

In der tz schildern zwei weitere Opfer ihre Erlebnisse:

"Plötzlich war mein Opel weg"

Noch während der Prozess läuft, geht der Abschlepp-Ärger weiter! „Mich hat es vergangenen Montag auch erwischt“, sagt Gabriele S. (53) aus Fürstenfeldbruck. Sie ist vormittags im AEZ-Einkaufszentrum in Germering unterwegs, um ein paar Besorgungen zu machen. Als sie zurück auf den Parkplatz in der Streiflacher Straße kommt, traut sie ihren Augen kaum: Ihr silberner Opel Corsa ist weg! „Ein Mann kam auf mich zu und stellte sich als Mitarbeiter der Parkräume KG vor“, erzählt sie. „Er gab mir eine Rechnung in die Hand und wollte 250 Euro von mir. Sonst würde ich nicht erfahren, wo mein Auto steht.“ Gabriele S. ist geschockt. So viel Bargeld hat sie nicht dabei. Ihr Auto braucht die mobile Fußpflegerin aber dringend zurück. „Was für eine Frechheit! Aber der Mann lächelte nur. Und sagte, ich solle ihn doch anzeigen. Das würde sowieso nichts bringen.“ In ihrer Not hebt sie das Geld schnell am Bankautomat ab. „Als ich zurück zum Parkplatz kam, war der Mann aber schon weg.“ Nun muss Gabriele S. wegen Falschparken auf privatem Grund mit 297,50 Euro sogar noch mehr zahlen.

"Der absolute Horror!"

Opfer Gisela Staudinger.

Die 53-jährige Gisela Staudinger hat vor sechs Jahren einen wahren Albtraum erlebt. „Für mich war das der absolute Horror“, erinnert sich die Sozialpä­dagogin nur ungern an den Tag zurück, an dem plötzlich ihr Auto spurlos verschwand. „Ich habe meinen Wagen auf einem Bahngelände in der Nähe des Ostbahnhofs abgestellt – eine einfache Kiesfläche, die sogar schon etwas mit Gras bewachsen war,“ sagt Staudinger.

Sie hatte ihre Tochter gerade zur Theraphie gebracht. „Mein Mädchen war damals schwer krank, hatte unerträgliche Bauchschmerzen.“ Die Mutter nutzte die Zeit für einen Einkauf. Als sie wieder zurückkam, war ihr Auto mit einer Parkkralle versehen. „Ich habe 300 Euro bezahlt und meine Tochter warten lassen.“

A. Thieme, J. Heininger

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