München sieht rot

Riesenärger um Hundekot-Beutel, denn viele landen auf dem Boden statt im Eimer

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Genervt: Anna L. ärgert sich über achtlos weggeworfene Hundekotbeutel.

Immer häufiger landen Hundekot-Beutel nicht im Mülleimer, sondern auf dem Boden oder Bänken. Das verärgert vor allem die Anwohner. Wiederholungstätern droht eine saftige Geldstrafe.

München - Achtlos landen sie überall statt in den Mülleimern, in die sie eigentlich gehören: Rote Kottütchen, in denen die Hinterlassenschaften der Vierbeiner entsorgt werden. Auf Bänken liegen die Stinkbomben schon mal, am Wegrand oder in der Nähe von Spielplätzen. „Gerade dort ist es doch gefährlich. Wenn Kinder die Beutel in die Hand bekommen, ist das hygienisch schwierig“, sagt Anna L. (34). Die Münchner Mutter kutschiert ihr Baby im Kinderwagen gerne rund um die Grünanlage am Alten Südfriedhof. Und dort, nicht weit vom Kinderspielplatz, häufen sich die roten Sackerl derzeit.

Auch wenn es an manchen Orten in der Stadt nicht so aussieht: Das Baureferat betont, im Vergleich zu früheren Jahren habe sich die Hundekot-Situation verbessert. Dies liege vor allem an der Kampagne „Rein. Und Sauber“, die seit Mai dieses Jahres erneut laufe. Mehr als 800 Hundekotbeutel-Spender gibt es in der ganzen Stadt, täglich holen Münchner aus ihnen 27.000 Tüten. Die wiederum können in mehr als 7000 städtischen und 3000 weiteren Abfallbehältern – etwa von der Bahn – entsorgt werden. „Es wird beim Aufstellen darauf geachtet, dass sich in Sichtweite des Hundekottüten-Spenders ein Abfalleimer befindet“, so Baureferats-Sprecherin Monika Großkopf.

Die roten Plastiktüten: Selten landen sie mal im Mülleimer.

Doch dort, wo die Tütchen gefüllt werden, ist nicht immer ein Eimer. Und manchen Hundehaltern wird der volle rote Beutel offenbar nach wenigen Schritten lästig. Dann wird das Sackerl nicht selten an einen Baum geknotet oder auf die Wiese oder ins Gebüsch geworfen. Dort stellt sich die Tüte sogar als kontraproduktiv heraus: Die Tüten sind in München aus Plastik und verrotten nicht.

(Lesen Sie zwei viel beachtete Gastbeiträge einer Münchner Hunde-Trainerin: „An die Münchner, die den Dreck ihrer Hunde nicht wegmachen“ und „An die ignoranten Münchner, die ihre Hunde frei laufen lassen“.)

Bereits 2008 sei geprüft worden, ob in München nicht vermehrt kompostierbare Beutel eingesetzt werden sollten, sagt Großkopf. Doch: die seien dicker. Man müsse die Spender häufiger nachfüllen, was mehr Personalkosten verursache. Außerdem dürften die kompostierbaren Beutel wegen der Fäkalien darin eh nicht kompostiert werden.

Höchststrafe für Wiederholungstäter liegt bei 1000 Euro

Hundehalter seien dazu verpflichtet, die Hinterlassenschaften ihres Hundes zu beseitigen, sagt Großkopf. Doch Mitarbeiter der Grünanlagenaufsicht dürfen Hundehalter nur darauf hinweisen, dass sie gerade eine solche Ordnungswidrigkeit begingen. „Nur Polizeibeamte dürfen in solchen Fällen die Personalien feststellen.“ Wegen Verstößen gegen die Reinhaltungs-Verordnung würden jährlich 150 Bußgeldbescheide ausgestellt. In der Regel sind 15 bis 75 Euro fällig. Maximalstrafe: 1000 Euro bei Wiederholungstätern.

Auch am Viktoriaplatz in Schwabing regen sich Anwohner über wild verteilte rote Beutel auf. „Hier kann man sich eigentlich gar nicht auf die Bänke setzen, weil es immer so sehr stinkt wegen der Hundekotbeutel“, sagt etwa die Spaziergängerin Riedje Graf (75). An dem Platz leerten Mitarbeiter des Baureferats dreimal die Woche die Mülleimer, bei der Grünanlage am Alten Südfriedhof seien es sogar viermal die Woche, so die Stadt. Für Hinweise gebe es die „Rein-und-sauber“-Telefonnummer (089 /233 962 96).

So weit wie in Berlin ist es in München noch nicht. Dort saugen rund ein Dutzend „Hundekotbeseitigungsfahrzeuge“ mittlerweile Haufen auf.

Umfrage unter Münchnern:

„Hier leben viele Krähen. Die wissen, dass es in den Mülltonnen was zu fressen gibt. Beim Herumstochern fallen hauptsächlich Hundekotbeutel heraus. Mülleimer mit richtigen Deckeln könnten das verändern.“

Catalina Navarro Kirner (38, Schauspielerin)

„Mit Amada bin ich viel unterwegs. Da- bei fällt auf, dass es in ganz Schwabing so aussieht. Weil es ja sowieso irgendjemand aufsammelt, werfen viele ihre Tütchen neben die Mülleimer. Manchmal werden die Tüten noch zusätzlich von Autos zerdrückt.“ Denny Fleckenstein (35, arbeitet im Modevertrieb)

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