Achtung! 78 Stunden Bahn-Chaos

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Von solch einem elektronischen Bedienplatz wird künftig der komplette Verkehr um Pasing gesteuert

München - Erst kürzlich wurde bekannt, dass an Pfingsten die Stammstrecke gesperrt ist, jetzt die nächste Hiobsbotschaft: Vom 12. bis 16. August geht 78 Stunden lang auf allen Strecken, die den Bahnhof Pasing berühren, zeitweise gar nichts.

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Diesmal betrifft es nicht nur die S-Bahn, sondern auch den Regional- und Fernverkehr! Sogar die Bahn spricht von „den größten Einschränkungen seit vielen Jahren“.

Der Grund: Über Mariä Himmelfahrt geht in Pasing ein hochmodernes elektronisches Stellwerk in Betrieb, ähnlich wie das für die Stammstrecke. Es ersetzt fünf alte Stellwerke, die den Zugbetrieb in alten Stellwerken aus den 1950ern oder aus noch früheren Baujahren regeln. Bis heute wurden Weichen und Signale teilweise noch mit Muskelkraft oder per Knopfdruck am Stelltisch bedient – künftig reicht ein Mausklick am Computer. „Dadurch soll der Verkehr zuverlässiger und pünktlicher abgefertigt werden“, sagt Volker Hentschel, DB-Produktionsleiter Bayern. So sei zum Beispiel die neue Technik weniger anfällig, zudem seien alle Rechner redundant, das heißt: Bei einem Ausfall greift ein Ersatz-Rechner.

Weniger Stellwerkstörungen – für dieses Ziel muss die Bahn „eine Operation am offenen Herzen“ durchführen, wie es Hentschel nennt. Der größte Teil der Umstellung findet nicht innen an den Computern des Bedienplatzes statt, sondern außen auf den Strecken. Die Inbetriebnahme ist ein Mammutprojekt (130 Millionen Euro!): Zwischen Lochausen und der Donnersberger Brücke, zwischen Gauting und Obermenzing werden 415 Signale und 230 Weichen an das neue System angeschlossen und teils ersetzt. Dafür sind zehn Arbeitszüge auf den Strecken im Einsatz, auch mit einem Schienenkran. 300 bis 400 Mitarbeiter werden Tag und Nacht werkeln, der Plan dafür ist mehrere hundert Seiten dick. „Jedes neu eingesetzte Signal muss vom Eisenbahn-Bundesamt geprüft und freigegeben werden.“ Und warum kann die Strecke nicht Schritt für Schritt in Teilabschnitten in Betrieb genommen werden? „Weil dann das alte und neue Stellwerksystem parallel im Einsatz sein müssten – und das ist aufgrund von Sicherheitsbestimmungen nicht möglich.“ Nur wenige Züge können umgeleitet werden, viele fallen streckenweise einfach aus (s. links unten). Und das an einem Knotenpunkt, den im Schnitt täglich 85 000 Fahrgäste auf 1200 Zugfahrten nutzen! „Wir wissen, dass diese 78 Stunden für die Fahrgäste schmerzlich werden, aber wir hoffen, dass mit dem gewählten Zeitpunkt am Wochenende und Feiertag in den Ferien weniger betroffen sein werden“, so Hentschel. Dennoch werden in diesen Tagen 120 Ersatzbusse im Einsatz sein. „Und langfristig nutzt diese Investition den bayerischen Fahrgästen.“

nba


Diese Zugstrecken sind betroffen

Die Inbetriebnahme erfolgt in zwei Phasen: vom 12. August, 22 Uhr, bis 13. August, 16 Uhr, und von diesem Zeitpunkt bis zum 16. August, 4 Uhr. Noch kann die Bahn nicht genau sagen, welcher Zug wann ausfällt – nähere Infos gibt’s im Juli. Die Strecken von Ingolstadt, Landshut und Augsburg zum Hauptbahnhof werden zeitweise komplett gesperrt. Garmisch-Partenkirchener Züge etwa werden wohl in Gauting stoppen, Regensburger Züge in Freising. Nur einige Linien, auch aus Augsburg oder dem Allgäu, werden über den Rangierbahnhof Nord auf Güterverkehr-Strecken zum Ostbahnhof geleitet. Dann geht’s mit S-Bahn oder Ersatz-Bussen weiter.

Denn auch die S-Bahn wird massiv betroffen sein: Die S3 entfällt zwischen Hackerbrücke bzw. Pasing und Mammendorf, die S4 entfällt zwischen Donnersbergerbrücke und Puchhheim, die S 6 zwischen Ostbahnhof und Gauting und die S 8 zwischen Laim bzw. Pasing und Germering-Unterpfaffenhofen.

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