„Ghostbikes“ erinnern an tödlich verunglückte Radfahrer

ADFC: „Fußgänger und Radfahrer müssen Priorität haben“

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Mit weiß lackierten Rädern erinnern (v.li.) Andreas Groh vom ADFC, ÖDP-Stadträtin Sonja Haider und LMU-Verkehrssicherheitsexperte Wolfram Hell an tödlich verunglückte Radfahrer. 

ADFC und ÖDP erinnern mit „Ghostbikes“ an tödlich verunglückte Radfahrer – Getrennte Ampelschaltung gefordert

München - Eineinhalb Jahre sind vergangenen, seit Anton Schnürer (62) seine Tochter Sylvia verloren hat. Ein abbiegender Lkw übersah die junge Frau, die mit dem Fahrrad unterwegs war. Sie wurde an der Ecke Lassalle- und Triebstraße in Moosach von dem tonnenschweren Fahrzeug überrollt und starb noch an der Unfallstelle. An ihrem 30. Geburtstag. Dem Vater schießen Tränen in die Augen, wenn er an jenen Tag zurückdenkt. Doch neben der Trauer ist da auch Wut. Denn seiner Meinung nach tut die Stadt zu wenig, um solche Unfälle zu vermeiden. „An der Stelle ist jetzt rote Farbe“, erzählt er. „Das ist lachhaft.“

Anton Schnürers Tochter verunglückte bei einem Verkehrsunfall. 

Schnürer kämpft dafür, dass andere Familien nicht dasselbe Schicksal erleiden müssen. Gestern kam er zu einem Pressetermin, zu dem die Rathaus-ÖDP sowie der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) seit Längerem geladen hatten. Partei und Verband wollten für den „Ride of Silence“ werben. Bei der Gedenkfahrt am 16. Mai stellen die Initiatoren weiß lackierte Fahrräder, sogenannte Ghostbikes, in der Stadt auf. An Orten, wo im vergangenen Jahr Radler tödlich verunglückt sind. Ein erstes Rad platzierten sie an der Ecke Welfen- und Regerstraße. Es erinnert an die Schauspielerin Silvia Andersen, die dort im vergangenen Jahr von einem Laster überrollt wurde. Der Pressetermin bekam traurige Aktualität. Denn ausgerechnet am Montag kam es an dieser Kreuzung wieder zu einem schrecklichen Unfall, als ein Lkw eine neunjährige Schülerin erfasste und tötete.

„Als ich heute Morgen davon gehört habe, hatte ich einen Kloß im Hals, ich habe selber Kinder“, sagte ÖDP-Stadträtin Sonja Haider, Initiatorin der Geisterräder. „Wir wollen den Radverkehr in der Stadt voranbringen, also müssen wir ihn sicherer machen!“ Andreas Groh vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) monierte: „Wir haben leider den Eindruck, dass die Stadt immer erst handelt, wenn wieder etwas passiert ist.“ In erster Linie solle der Staßenverkehr fließen, erst dann komme das Wohl der Fußgänger und Radfahrer, so sein Eindruck. „Da wird die falsche Priorität gesetzt.“ Groh fordert: An gefährlichen Kreuzungen soll es getrennte Ampelschaltungen geben.

Das sieht auch Anton Schnürer so. „Wenn Fußgänger und Radfahrer Grün haben, muss der restliche Verkehr ruhen.“ Für ihn ist das die einzige Lösung, um wertvolle Menschenleben zu schützen.

Janina Ventker

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