65 bayerische Helden ausgezeichnet

Retter erzählt: So bewahrte er seinen Nachbarn vor Feuertod

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Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Adi Knapp zögerte nicht, um seinen Nachbarn aus der Wohnung zu befreien.

Bayern feiert seine Helden! Für uns ist das Anlass, eine ganz besondere Geschichte zu erzählen. Denn Adi Knapp bewahrte seinen Nachbarn im vergangenen Jahr vor dem  Tod im Feuer.

München - Das Antiquarium in der Residenz ist einer der schönsten Säle der Stadt. Genau der richtige Ort, um die Rettungsmedaille zu vergeben. Am Mittwoch war’s wieder so weit: Die Bayerische Staatskanzlei verlieh 65 Rettern in der Not die Auszeichnung, darunter auch dem damals vierjährigen ­Tobias (l.), der seine Oma vor dem Tod bewahrte. Wir trafen einen weiteren „Engel“: In dertz erzählt Adi Knapp seine Geschichte. 

Junger Lebensretter: Der kleine Tobias rief nach dem Zusammenbruch seiner Oma die Rettungskräfte.

Knapp beschreibt seine Rettungstat am 15. Januar 2016

Dass Adi Knapp rechtzeitig zur Stelle war, als es für seinen Nachbarn Paul C. (Name geändert) um Leben und Tod ging, war ein großer Zufall. Denn als selbstständiger Masseur ist Knapp nur unregelmäßig zu Hause in seiner Harlachinger Wohnung. Auch am Abend des 15. Januar 2016 kommt er erst spät von einem Termin. „Ich war vielleicht eine Minute daheim, da hörte ich einen lauten Knall“, erinnert sich der 49-Jährige. Knapp rennt zum Fenster. Aus dem gesplitterten Fenster seines Nachbarn schlagen Flammen…

Paul C. wollte an diesem Abend noch einmal die Kerzen am Christbaum anzünden. Doch der Baum war inzwischen so trocken, dass er sofort Feuer fing. In Windeseile griff es auf den Rest des Wohnzimmers über.

„Zum Glück hatten wir kurz nach dem Einzug mal Schlüssel getauscht“, sagt Knapp. Ohne groß nachzudenken, greift sich der Masseur den Schlüssel, ruft die Feuerwehr und stürmt in die Nachbarwohnung. Als er die Wohnungstür aufsperrt, erwarten ihn dichte Rauchschwaden. „Es war alles schwarz.“ Im Flur findet Knapp den Nachbarn. Er hatte versucht, die Flammen zu löschen, verbrannte sich dabei Gesicht und Hände.

Nachbar muss nur eine Nacht in Klinik bleiben

Knapp lotst den Nachbarn aus der Wohnung. Kurz darauf treffen Feuerwehr und Rettungswägen ein. Der Brand wird gelöscht, C. in eine Klinik gebracht. Noch am Abend ruft Knapp seinen Nachbarn im Krankenhaus an. „Er kam schon am nächsten Tag aus der Klinik, aber der Schock saß natürlich tief“, sagt Knapp.

Die Verletzungen von Paul C. sind schon lange verheilt. Auch die damals völlig ausgebrannte Wohnung ist inzwischen saniert. Im Haus erinnert nichts mehr an den verheerenden Brand. Aber die Erinnerungen sind bei Knapp noch sehr präsent. „Die Flammen, den Rauch und die Hilfeschreie, das werde ich wohl nie wieder vergessen“, sagt der Retter.

Sich selbst als Lebensretter zu bezeichnen, ist Knapp unangenehm. „Wir werden ja nie erfahren, was gewesen wäre, wenn ich die Wohnung nicht aufgesperrt hätte“, sagt er bescheiden. Aber stolz ist er dennoch auf seine Auszeichnung: „Für mich ist das wirklich eine Ehre. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, aber es ist schön zu wissen, dass das geschätzt wird.“

Gut gefüllte Residenz: Hier wurden die bayerische Rettungsmedaille und die Christophorus-Medaille verliehen.

Annika Schall

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