Polizei München und Ungarn klären Fälle auf

Ältere Männer bezirzt, damit Komplizen Wohnungen ausrauben

Der Münchner Polizei ist mit Kollegen aus Ungarn nach mehr als einem Jahr intensiver Ermittlungen eine vierköpfige ungarische Einbrecherbande ins Netz gegangen. Die Masche der Kriminellen war wirklich dreist. 

München - Der Münchner Polizei ist in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Ungarn nach mehr als einem Jahr intensiver Ermittlungen eine vierköpfige ungarische Einbrecherbande ins Netz gegangen. Zehn Einbrüche konnten den Ganoven bisher nachgewiesen werden, der Beuteschaden liegt bei mehr als 185 000 Euro, der Sachschaden bei etwa 10.000 Euro. Unter anderem klauten die Ganoven zwei sehr wertvolle Ölgemälde aus dem 17. beziehungsweise 18. Jahrhundert, die allein schon knapp 90.000 Euro Wert sind. Besonders dreist: Die Täter spähten nicht nur Wohnungen aus. Die zwei Frauen der Bande machten in Kneipen älteren Männern schöne Augen, wohnten sogar bei ihnen und lockten sie dann aus der Wohnung, damit der Rest der Bande ungestört einbrechen konnte.

Auf die Spur kamen die Ermittler der Bande, weil die Gemälde – eines der beiden fertigte der Bayreuther Hofmaler Wilhelm Ernst Wunder – in Ungarn zum Kauf angeboten wurden. Die beiden wertvollen Kunstwerke hatten die Einbrecher im September 2015 aus einer Wohnung im Lehel gestohlen. Ein Zufallstreffer: Denn eigentlich wollten die Täter in eine andere Wohnung einbrechen.

„Die Ölgemälde waren in Budapest bei einem 44-Jährigen hinter einem Fernseher versteckt“, erzählt Kriminalhauptmeister Thomas Sterr vom Kommissariat 53 für Einbruchsdiebstahl. Bei dem Ungarn fanden die Ermittler außerdem Schmuck, Münzen, Kleidung und Uhren, die anderen Einbrüchen zugeordnet werden konnten.

Bei weiteren Ermittlungen stießen die Beamten auf zwei Prostituierte aus Ungarn (37 und 47 Jahre alt), die in München wohnten. In Sendlinger Kneipen hatten die Frauen ältere Männer bezirzt, sich bei ihnen einquartiert und die Vermögensverhältnisse ausgekundschaftet. Dann lockten die Frauen ihre Opfer unter einem Vorwand aus der Wohnung. Die anderen Mitglieder der Bande brachen in dieser Zeit in die Wohnung ein. Zwei Männer wurden auf diese Weise ausgenommen, einer der beiden gleich zwei Mal. „Das ist eine sehr spezielle, seltene und atypische Vorgehensweise“, berichtet Sterr.

Bei den weiteren Einbrüchen, vor allem in Schwabing, hatte die Bande die Wohnungen im Vorfeld ausgespäht. „Es bestanden keine Bezüge zwischen Tätern und Opfern“, sagt der Kriminalhauptmeister. „Aufgrund der gesammelten Beweise wurden Mitte April 2016 mehrere Wohnungen in München durchsucht.“ Eine der Prostituierten wurde verhaftet. Außerdem fanden die Ermittler Diebesgut weiterer Einbrüche im Stadtgebiet. Das Amtsgericht erließ europäischen Haftbefehl gegen die drei Mittäter der Prostituierten. Der 44-jährige Kopf der Bande, ein 36-jähriger Gärtner und die zweite Frau wurden in Ungarn festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Den beiden Frauen, die bereits gestanden haben, wiesen die Ermittler zudem einen Handtaschendiebstahl nach.

Die Bande beging nach Angaben der Frauen zahlreiche weitere Einbrüche und Einbruchversuche. Wegen der Vielzahl gaben sie an, sich nicht mehr an jede Tat erinnern zu können. Die Männer seien auch mehrmals alleine losgezogen. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Alle vier Täter sitzen in U-Haft, Anklage wurde bereits erhoben. Wohl im Frühjahr wird ihnen der Prozess gemacht.

Lesen Sie auch: Die Kripo sucht den Juwelier-Räuber von Neuhausen bei Aktenzeichen XY.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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