Ältester Helfer in der Münchenstift

Mit 93 Jahren: Er fährt Senioren als Ehrenamtlicher spazieren

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Rüstiger Helfer: Jede Woche begleitet Franz-Josef Rainer (93) Heimbewohner an die frische Luft.

Franz-Josef Rainer ist längst Rentner. Doch seine Freizeit verbringt der Witwer als ehrenamtlicher Helfer in der Münchenstift. Dort nimmt er sich Zeit für andere Senioren.

München - Gespräche, Spaziergänge, Vorlesen - für die Bewohner von Pflegeheimen sind solche Aktivitäten das Salz in der Suppe, für Pflegekräfte zeitlich schwer machbar. Umso wichtiger ist der Einsatz von Ehrenamtlichen - wie bei der Münchenstift. 700 Menschen engagieren sich hier, der älteste ist Franz-Josef Rainer (93). Zweimal die Woche kutschiert er Bewohner im Haus an der Agnes-Bernauer-Straße im Rollstuhl an die frische Luft. „Ist doch wichtig, mal rauszukommen“, findet er.

Seit seine Frau vor einem Jahr gestorben ist, hat er Zeit. Und die mag er sinnvoll nutzen. Auch seine Frau verbrachte ihre letzten Jahre im Haus der Münchenstift. „Da habe ich gesehen, wie viele Bewohner nie Besuch bekommen.“ So bot er seine Hilfe an. Sein Fanclub ist mittlerweile groß. Damit es gerecht zugeht, wird er von der Ehrenamtskoordinatorin zugeteilt.

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Rainer macht zu Hause alles noch allein

Er selbst hat 47 Jahre bei der Stadt gearbeitet und schafft daheim alles noch allein, Haushalt, Wäsche, Einkaufen, Kochen. Und wenn er mal keine Lust dazu hat, geht er ins Wirtshaus. Am Wochenende trifft er sich oft mit seinen beiden Töchtern - „ein Glück ist das“, sagt er. Umso trauriger macht es ihn, wenn Bewohner keinen Kontakt zu ihrer Familie haben. Mit seinem Ehrenamt sorgt er für Abwechslung - und ist den Menschen ein guter Zuhörer.

Geschichten wiederum erzählt der elf Jahre alte Ben. Als jüngster Ehrenamtlicher kommt der Realschüler jede zweite Woche ins Haus und liest Bewohnern vor, spielt mit ihnen und hilft bei Veranstaltungen mit. In einer Zeitschrift hatte Ben über einen Jugendlichen gelesen, der sich ehrenamtlich engagiert. Das wollte er auch!

Kurzerhand marschierte er ins Pflegeheim und bot seine Hilfe an. Seitdem freuen sich die Bewohner immer schon auf den quirligen Buben. „Viele erzählen mir aus ihrem Leben und warum sie jetzt im Heim wohnen“, sagt Ben. „Und sie fragen mich, was die Jugend heutzutage gerne macht.“ Berührungsängste hat er nicht, dafür umso mehr Spaß an seinem Ehrenamt. Ein echtes Vorbild!

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Willkommende Abwechslung: Ben (11) liest gerne vor - und die Bewohner hören gerne zu.

Doris Richter

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