Ärger bei Handwerkskammer: Warum bekamen Ossis den Bauauftrag?

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Am Bildungszentrum der Handwerkskammer in der Mühldorfstraße wird schon wie wild gewerkelt.

Die Handwerkskammer baut ihr Bildungszentrum in der Mühldorfstraße um. Für das Millionenprojekt wurde jedoch kein Unternehmen aus Bayern beauftragt – sondern eines aus Sachsen!

Die Handwerkskammer für München und Oberbayern hat zweifelsohne viele Aufgaben. Eine davon ist, die vielen Innungen zu unterstützen. Sei es die Bäckerinnung oder die Metzgerinnung oder – die Bauinnung. Genau letztere ist aber derzeit – gelinde gesagt – stinksauer auf die höhere Instanz. Warum? Weil die Kammer ihr Bildungszentrum in der Mühldorfstraße umbaut. Klingt soweit noch ganz normal. Aber: Für das Millionenprojekt hat die Handwerkskammer kein Unternehmen aus Bayern beauftragt – sondern eins aus Sachsen!

Die Wut wegen des Ossi-Auftrags ist groß bei der Innung. Von „Verrat“ ist gar die Rede, andere nennen das Ganze „eine unglaubliche Frechheit“. Was besonders ärgert, ist nicht nur die Tatsache, dass die Ossi-Firma mit den gesamten Baumeister-Arbeiten (die machen den größten Brocken des Projekts aus) beauftragt wurde, sondern dass das Unternehmen angeblich bulgarische Subunternehmen beschäftigt. Heißt in anderen Worten: Immer und immer wieder betont die Handwerkskammer, wie wichtig es sei, dass Firmen aus der Heimat Aufträge bekommen – jetzt arbeiten im eigenen Haus ausländische Billigkräfte. „Das ist doch ein Hohn“, so ein Münchner Bauunternehmer zur tz.

Und was sagt die Handwerkskammer zu dem Dilemma? Sie verteidigt sich: „Wir müssen uns an EU-Recht halten“, so Chef Heinrich Traublinger. Es sei halt Vorschrift, dass ein Bauvorhaben ausgeschrieben wird – „und dann der günstigste Anbieter den Zuschlag erhält“. Und das wäre im Fall der Bauten im Handwerkerhof von 30 Bewerbungen nunmal die Firma aus Sachsen gewesen. „Die Handwerkskammer ist als öffentlicher Auftraggeber und vor allem wegen der öffentlichen Zuschüsse verpflichtet, die öffentlichen Vergabevorschriften anzuwenden. Die Baukosten für die Arrondierung und Modernisierung des Bildungszentrums der Handwerkskammer liegen über dem EU-Schwellenwert, sodass das Projekt europaweit ausgeschrieben werden musste.“ Dennoch seien, so Heinrich Traublinger, bei den anderen Aufträgen zu dem Projekt mehr als die Hälfte an oberbayerische Betriebe vergeben worden.

Übrigens: Bevor die Handwerkskammer den Ossis den Auftrag erteilte, ließ sie sich eines zusichern: dass in den Branchen, wo tarifliche Mindestlöhne existieren, diese auch eingehalten werden.

Quelle: tz

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