Wenn's beim Neubau hakt

Ärger mit Dusche, Heizung & Telefon: Das sind Ihre Rechte

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Isnija -Musljija in seinem Bad. Weil die Dusche keine Schwelle hat, verteilt sich das Wasser über den kompletten Boden.

München - Geschockt waren sie, einfach geschockt. Als Nadire Musljija (52) und ihr Mann Isnija (70) zum ersten Mal ihre neue Wohnung in der Nähe des Ostbahnhofs betreten haben, trauten sie ihren Augen nicht.

Nadire: „Eine Katastrophe! Es sieht aus wie in einem Gefängnis, besonders das Bad ist grauenhaft.“ Das Problem: Die Eheleute konnten vor der Unterschrift die Wohnung nicht besichtigen, sie hatten nur die Baupläne der Wohnbau-Gesellschaft gesehen.

Nadire Musljija: „Sie haben uns nicht reingelassen, bevor wir unterschrieben haben. Die Begründung war, dass wegen der Bauarbeiten keine Besichtigung möglich war.“ Und jetzt? Jetzt leben die Musljijas in einer Wohnung, die zwar nach behindertengerechten Standards gebaut wurde – was aber den Alltag unpraktisch macht.

Wohnfreude oder Gefängnis-Atmosphäre? Ein Blick in einen Hof der Neubausiedlung.

Was die Mieter am meisten stört, ist, dass die Duschen in den behindertengerechten Wohnungen ohne Schwelle sind. „Wenn man beim Duschen nicht aufpasst, dann läuft das Wasser bis ins Wohnzimmer“, sagt Nachbar Michael Sattler – weshalb sich der pensionierte Druckingenieur einen kleinen Deich ins Bad gebaut hat. Überhaupt, so sagt Musljija: „Es herrscht Chaos in der Neubausiedlung.“ In manchen Wohnungen funktionierten die Telefone nicht, in anderen fielen oft Heizung und Warmwasser aus. Bei einer Nachbarin habe es einen Wasserschaden gegeben, der bisher noch nicht behoben sei. Anja Franz, Sprecherin des Mietervereins München, sagt: „Es ist schon verwunderlich, dass die zukünftigen Mieter sich die Wohnungen nicht anschauen durften. Das ist absolut unüblich. Im Nachhinein ist da aber wohl nichts mehr zu machen.“ Dass die Wohnungen behindertengerecht gebaut sind, berechtige natürlich nicht zu einer Mietminderung. Wenn das aber dazu führt, dass die Wohnungen nicht normal nutzbar sind, ist das schon eine Beeinträchtigung der Wohnqualität. „Auch ein Rollstuhlfahrer würde das Bad überschwemmen, und das kann ja wohl nicht der Sinn sein.“

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Eine massive Beeinträchtigung ist die Sache mit dem Telefonanschluss, sagt Franz: „Ein Telefon gehört zur Grundausstattung einer Wohnung.“ Viele Mieter haben ja ihre laufenden Verträge mitgenommen. Demnach müssen sie weiter bezahlen, können aber nicht telefonieren, weil die Ausstattung nicht vorhanden ist. „Die Zusatzkosten, die es verursacht, dass sie ihr Handy nutzen müssen, können sie als Schadenersatz zurückverlangen“, rät Franz. Dazu müssen sie die Handyrechnungen vorlegen. Die Mängel müssen dem Vermieter schriftlich geltend gemacht werden.

Ebenso die Probleme mit Heizung und Warmwasser. „In diesem ­Schreiben muss man dem Vermieter auch sagen, dass man die Miete nur noch unter Vorbehalt bezahlt“, sagt Franz. Ferner muss ein Tagebuch in Sachen Heizung und Wasserschaden geführt werden.

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Am Monatsende können die Mieter dann mindern, also weniger Miete bezahlen: „Allerdings sollten Sie vorher einen Rechtsanwalt fragen."

SVS

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