Ärger im Westen: CSU in Aubing macht Wahlkampf für ÖDP-Stadtrat

Die Prospekte sind in Farbe und Gestaltung sehr nahe an Wahlkampfmitteln der ÖDP.

Prominente CSU-Mitglieder machen in Aubing Wahlkampf für Johann Sauerer. Alsbald sollen auch Flyer verteilt werden. Dabei ist der amtierende Stadtrat bekanntlich gar nicht mehr in der Partei, sondern zur ÖDP gewechselt. Bei der Union will sich offiziell zu dem Thema niemand äußern.

Störfeuer aus den eigenen Reihen sind im Wahlkampf nicht weiter ungewöhnlich. Zur Landtagswahl scheerte bei der SPD Alt-OB Christian Ude aus und warb fleißig für den Grünen-Kandidaten Hep Monatzeder. Die Genossen kennen das Spiel also – und nun auch die CSU. Mitten im Kommunalwahlkampf entsteht in Aubing ein Brandherd. Mit der Überschrift „Unterstützerkreis startet Wahlaufruf für Stadtrat Johann Sauerer“ werben – laut eigenen Aussagen – „sieben bekannte Persönlichkeiten aus dem Münchner Westen“ darum, dem Stadtrat bei der Kommunalwahl Stimmen zu geben. Bei den Unterstützern handelt es sich nahezu ausnahmslos um Mitglieder der CSU, darunter die ehemaligen Stadträte Helmut Pfundstein, Toni Fürst sowie der amtierende Sprecher der CSU im Bezirksausschuss, Jürgen Schrader. Doch: Johann Sauerer ist bekanntlich seit Ende Oktober nicht mehr in der Partei. Der 49-Jährige war zur ÖDP gewechselt.

Mit der Meldung der Aubinger kam auch das Versprechen, bald entsprechende Werbe-Flyer für Sauerer zu verteilen. Die Prospekte sind in Farbe und Gestaltung sehr nahe an Wahlkampfmitteln der ÖDP. Bei der CSU wollte gestern niemand die Aktion der Aubinger kommentieren. Man wolle nichts unnötig aufbauschen, hieß es.

Der Ortsverband Aubing-Neuaubing-Westkreuz gehört neben Allach-Untermenzing, Laim-West, Lochhausen-Langwied, Obermenzing und Pasing zum Kreisverband 10. Dessen Vorsitzender ist der ehemalige Bürgermeister und jetzige Landtagsabgeordnete Josef Schmid. Und um das Handeln der Aubinbger CSU-Granden zumindest einordnen zu können, muss man ein paar Jahre zurück blicken.

Bei der Suche nach einem Kandidaten für die Bundestagswahl 2017 hatte der Kreisverband sich auf den Kandidaten Stephan Pilsinger geeinigt, die Aubinger favorisierten allerdings Julia Obermeier. Wie der Zwist endete, ist bekannt. Pilsinger sitzt im Bundestag, Obermeier nicht mehr. Damals sind offenbar zusätzliche Risse entstanden, die nicht mehr zu kitten waren. „Das mit der Bundestagskandidatur war ein Baustein für die jetzige Situation“, sagt ein Insider.

Vor diesem Hintergrund, aber auch wegen persönlicher Differenzen entschied der CSU-Kreisverband, den Aubinger Sauerer für die kommende Wahl nicht mehr auf Platz eins seiner Liste zu setzen. Für andere Plätze bewarb sich der 49-Jährige gar nicht mehr. Im Oktober verließ er die Partei und schloss sich der ÖDP an.

Damit allerdings verlor die CSU auch ihren einzigen Stadtrat aus Aubing. Und für die Kommunalwahl gibt es aus dem Viertel gleich gar keinen Kandidaten mehr. Das ist insofern erwähnenswert, weil Josef Schmid sein Landtagsmandat auch den Wählern aus Aubing zu verdanken hat. „Das ist schon eine schwarze Hausmacht“, sagt ein Parteimitglied.

Helmut Pfundstein gibt derweil auf Anfrage zu Protokoll, die Werbung für Sauerer sei gar nicht als Revanche zu verstehen: „Ich mache das, weil ich, wie viele andere auch, nicht begreifen kann, dass die CSU so einen qualifizierten Mann nicht mehr aufstellt.“ Das Kommunalwahlrecht biete die Chance, eine Persönlichkeit unabhängig von der Partei zu wählen. Auch um Aubing im nächsten Stadtrat repräsentiert zu sehen. Pfundstein: „Die CSU muss diese Konsequenz in Kauf nehmen.“ 

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