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S-Bahn-Ärger um Tochter (13) - Frau schonungslos: „Werde nur noch Auto fahren“

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Von: Armin Rösl

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Eine doppelte Fahrkartenkontrolle in der S-Bahn ist eskaliert. (Symbolbild)
Eine 13-jährige Poingerin hatte eine Streifenkarte gestempelt - dennoch sollte sie 60 Euro nachzahlen. (Symbolbild) © Uwe Zucchi/dpa/Symbolbild

Im Tarifdschungel der S-Bahn hat sich eine Poingerin (13) verlaufen: Sie hatte eine Streifenkarte abgestempelt - und sollte dennoch Strafe zahlen. Die Mutter wehrt sich.

Poing – Maria, 13 Jahre alt, kauft am S-Bahnhof Poing eine U21-Streifenkarte (Preis: 8,30 Euro), stempelt vorm Einstieg für die Fahrt nach München und wird kurz darauf in der S-Bahn kontrolliert. Der Kontrolleur teilt der Schülerin aus Poing mit, dass sie „schwarz“ fahre, weil sie als 13-Jährige keine U21-Streifenkarte nutzen darf, sondern eine Einzel-Kinderkarte. Dann stellt der Kontrolleur eine Nachforderung in Höhe von 60 Euro aus.

S-Bahn-Ärger: Mädchen stempelt Streifenkarte - Nachforderung in Höhe von 60 Euro

Als Maria ihrer Mutter davon berichtet, fahren beide zum Kundencenter der S-Bahn am Ostbahnhof, um die Sache zu klären. „Dort saß leider ein äußerst unfreundlicher Mitarbeiter, der sich für den Vorgang recht wenig interessierte und meine Tochter auch noch als Lügnerin hingestellt hatte, indem er lapidar mitteilte, sie hätte offensichtlich erst im Nachhinein, nach der Kontrolle, die Streifenkarte abgestempelt“, berichtet Verena Rapp (deren Name ebenso wie jener ihrer Tochter auf Wunsch geändert ist).

Am Stempel auf der Karte aber ist die Uhrzeit klar und deutlich zu sehen: 16.20 Uhr. Die Abfahrtszeit in Poing. Versuche, dies dem Bahn-Mitarbeiter zu erklären, seien fehlgeschlagen, sagt Verena Rapp. Sie spricht von „Frechheit“ und „Dreistigkeit“, wie die Bahn mit Kunden umgehe. Auch mit Blick darauf, dass es regelmäßig zu Störungen, Ausfällen und Verspätungen komme, oftmals ohne Durchsagen auf den Bahnsteigen oder im Zug.

Tarifdschungel bei der S-Bahn München: Unterschiede bei den Streifenkarten

Auf Anfrage unserer Zeitung teilt ein Sprecher der S-Bahn München mit, dass es eine Unterscheidung gebe zwischen „Kinder (6 bis 14 Jahre)“ und „U21“. In einer schriftlichen Antwort per E-Mail erläutert er: „Kinder unter 6 fahren zum Nulltarif. Kinder zwischen 6 und 14 stempeln je Fahrt einen Streifen der regulären Streifenkarte oder verwenden eine Kinder-Einzelfahrkarte bzw. -Tageskarte. Kinder bzw. Jugendliche ab 15 und unter 21 Jahre nutzen die spezielle U21-Streifenkarte und stempeln die jeweils erforderliche Streifenanzahl.“

Nach Vorfall: Bahn entschuldigt sich und zeigt sich kulant

Für die Gültigkeit eines Tickets sei nicht nur die Zahl der Streifen ausschlaggebend, sondern auch die Ticket-Art. In diesem Fall sei das U21-Streifenticket falsch gewesen. Demzufolge sei die Fahrpreisnacherhebung von 60 Euro grundsätzlich berechtigt. „Aus Kulanz kommen wir dem Fahrgast in diesem speziellen Fall jedoch ausnahmsweise entgegen und stellen die Fahrpreiserhebung ein bzw. reduzieren sie auf den Ticketpreis von 1,70 Euro“, schreibt der Bahnsprecher weiter. 1,70 Euro ist der Preis für eine Einzelfahrt Kind (6-14 Jahre).

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Zum von der Mutter geschilderten Verhalten des Bahnmitarbeiters im Kundencenter teilt er mit, dass man generell Gesprächssituationen im Nachhinein nur schwer beurteilen könne. „Sollte sich unser Mitarbeiter unhöflich verhalten bzw. der Tochter fälschlicherweise etwas unterstellt haben, können wir uns dafür nur entschuldigen.“

Nach Ärger mit der S-Bahn: Mutter kündigt an, künftig nur noch Auto zu fahren

Mitarbeitende im Kundencenter könnten generell keine Einsprüche bearbeiten oder eine Fahrpreiserhebung rückgängig machen – sondern lediglich die Zahlung der 60 Euro entgegennehmen. Für Einsprüche würden Kunden an die Bearbeitungsstelle in Baden-Baden verwiesen.

Dass sich die Bahn kulant zeigt, stellt Verena Rapp zufrieden. Ansonsten hätte sie ihre Beschwerde weitergeführt, betont sie. Der Vorfall und der immer wiederkehrende Ärger mit Verspätungen und Co. habe sie dennoch zum Umdenken bewegt: „Ich werde die S-Bahn nicht mehr nutzen, sondern werde zukünftig direkt aufs Auto umsteigen. So komme ich zumindest zuverlässig und pünktlich zur Arbeit.“

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