Unternehmen aus Fernost

Ärger um neuen Leihradl-Anbieter: Fahrräder als Datensammler

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Nicht nur qualitativ in der Kritik stehen die neuen Leihräder aus China. Auch der Datenschutz ist ein Problem. 

In München tauchen derzeit Mietfahrräder aus Fernost auf. In anderen Städten gab es mit den Billig-Drahteseln bereits Ärger, weil sie schnell schrottreif sind. Viel kritischer ist allerdings die Sache mit dem Datenschutz. Gerade wurden der Stadt München von einer chinesischen Radl-Firma Kundendaten angeboten.

München - In den vergangenen Tagen hat das Unternehmen „oBike“ aus Singapur 350 Mieträder in München aufgestellt. Weitere sollen folgen. Und: oBike ist nicht allein. Vier chinesische Unternehmen sind beim Planungsreferat vorstellig geworden mit ihren Leihrad-Plänen. Bei den Firmennamen kann man schnell den Überblick verlieren: oBike aus Singapur, Ohbike, eine Tochterfirma von Yobike aus Shanghai, Mobike aus Peking, und GoBeeBike aus Hongkong. Das Prinzip ist freilich immer dasselbe. Wer sich ein Fahrrad leihen will, muss eine App auf sein Handy laden, seine Daten eingeben und kann dann mittels eines Codes das Rad entsperren und für um die zwei Euro eine Stunde damit fahren.

Eine gute Sache, könnte man meinen, hätten nicht andere Städte schon schlechte Erfahrungen mit den Drahteseln aus Fernost gemacht. Zum Beispiel Zürich, wo die oBikes seit Juli auf dem Markt sind. „Zürich nervt sich über den neuen Veloverleih“, schrieb der „Schweizer Tagesanzeiger“. Viele Räder stünden im Weg herum, andere würden in den Fluss geworfen, wieder andere verwandelten sich schnell in einen Haufen Schrott. Die britische „Times“ warf dem Unternehmen aus Singapur vor, die Straßen von London „zuzumüllen“. oBike selbst will sich trotz mehrfacher Anfrage nicht äußern.

Daten über Bewegungsprofile

Das größere Problem mit den chinesischen Mietradln sind aber die Daten, inklusive Bewegungsprofilen, die sich erstellen lassen. Denn: In den Datenschutzvereinbarungen, die man anerkennt, wenn man sich über die App anmeldet, heißt es etwa bei Mobike, dass „persönliche Informationen und Verkehrsdaten an Geschäftspartner weitergereicht werden“. So könnte der Fahrradverleih etwa Restaurants Informationen darüber verkaufen, woher die Kunden mit dem Rad gekommen und wie lange sie geblieben sind.

Auch die Stadt München ist schon mit den zweifelhaften Methoden konfrontiert worden. Kürzlich warb eine Vertreterin von oBike beim städtischen Radverkehrsbeauftragten für ihre Kundendaten. Diese könnten aufzeigen, wo neue Radwege nötig sind. Einen Preis für das Datenpaket nannte die Dame nicht.

Datenschutzrechtlich ohne Probleme laufen die beiden etablierten Radmietsysteme. Nach dem Pionier „Call a bike“ der Deutschen Bahn startete die Münchner Verkehrsgesellschaft MVG im Juli 2015 ihren Radverleih. Im Februar 2017 beschloss der Stadtrat, das MVG-Radlangebot auszuweiten. 53 000 Münchner hatten das Angebot bis dahin regelmäßig genutzt. Bisher gab es bei der „MVG Rad Station“ 1200 Räder, bis Ende des Jahres kommen 2000 weitere an 41 neuen Stationen hinzu. „Call a bike“ hat aktuell 1400 Mieträder auf der Straße.

Anbieter können ihre Radl einfach aufstellen

Leihradanbieter können ihre Räder einfach aufstellen, solange sie keine Stationen bauen, die Räder keine Hindernisse darstellen und nicht als Werbeflächen genutzt werden, heißt es seitens der Stadt. Das, liegt an einem Gerichtsurteil von 2009. Davor kümmerten sich Kommunen um ihre Mieträder, mit einer Ausschreibung wurde das beste System gesucht – und dann gefördert. Doch als in Hamburg 2009 die Bahn gewann, stellte Konkurrent Nextbike einfach trotzdem Räder auf. Die Stadt Hamburg klagte – und verlor. Auf dieses Urteil berufen sich die Chinesen nun.

Auskünfte über die China-Radl sind bei der Stadt kaum zu bekommen. Wirtschafts- und Planungsreferat verweisen jeweils auf den anderen. Nur so viel sagt ein Planungsreferatsprecher: Grundsätzlich seien zusätzliche Angebote, „solange sie qualitätsvoll sind“, zu begrüßen. Man müsse sie „im Einzelfall prüfen“.

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