Ärzte warnen vor diesem Virus

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Das gefährliche Virus.

München - Wie wichtig die Impfung gegen Masern ist – oder besser: wäre! – zeigt sich an der aktuell rasenden Ausbreitung der oft als harmlose Kinderkrankheit verniedlichten Viruserkrankung in München.

 In den ersten zehn Wochen dieses Jahres registrierte das Münchner Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) bereits 60 gemeldete Fälle, ein Vielfaches der Normalzahl! Es entspricht in etwa der Gesamtbilanz des Vorjahres, dabei war 2010 schon ein Rekordjahr. Seit 2006 war es zunächst gelungen, die Virusinfektion drastisch zurückzudrängen.

Noch vor vier Jahren hieß ja das erklärte Ziel des Robert-Koch-Instituts (RKI), Masern bis 2010 in Europa auszurotten. Nun wird dafür erst das Jahr 2015 angepeilt. Stattdessen dieser Besorgnis erregende Riesenschritt in die falsche Richtung! Seit am 3. Januar die erste Erkrankung 2011 gemeldet wurde, reißt die Serie der Krankheitsfälle nicht mehr ab. Gesundheitsreferent Joachim Lorenz rät dringend zur Impfung. „Masern werden unterschätzt – die Krankheit ist tückisch und kann durchaus einen ernsten Verlauf nehmen.“

tz-Stichwort: Masern

Masern ist eine der ansteckendsten Infektionen (Tröpfcheninfektion). Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung liegen sieben bis 18 Tage. Typischerweise beginnt sie mit Katarrh-Symptomen wie Husten oder Schnupfen mit Bindehautentzündung und Fieber. Ansteckend sind Masern fünf Tage vor bis fünf Tage nach Auftreten des typischen kleinfleckigen Ausschlags, der später ineinander verfließt. Eine Impfung ist ab dem zweiten Lebensjahr möglich. Zwei Masernimpfungen bieten lebenslangen Schutz.

Es sei auch keineswegs so, dass sich nur Kinder anstecken: Die Hälfte der 60 Fälle 2011 betreffen Menschen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sei der Impfschutz offenbar geringer verbreitet. Fatalerweise ist gerade in dieser Altersgruppe die Gefahr von Komplikationen besonders groß. Lorenz: „Dazu gehören Mittelohr- oder Lungenentzündungen, Masern können sogar zu einer Entzündung des Gehirns und letztlich zum Tod führen.“ München strebt eine 95-prozentige Impfquote an, und ist dabei eigentlich auf gutem Wege. Lorenz: „Waren es 2005 nur 65 Prozent der Schulanfänger mit einem vollständig aufgebauten Impfschutz, stieg die Zahl 2007 auf 75 und 2009 auf 81,9 Prozent.“ Impfunlust ist ein Faktor, der die schnelle Ausbreitung der hochinfektiösen Krankheit begünstigt, der Ballungsraum ein zweiter.

Und Lorenz nennt einen weiteren Gefahrenfaktor: Nicht alle Betroffenen kommen der Meldepflicht nach. Arztpraxen und Krankenhäuser, Angehörige von Heil- und Pflegeberufen müssen dem Gesundheitsamt jeden Verdachtsfall zur Kenntnis bringen. Gleiches gilt für Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen. „Auch Eltern sind verpflichtet, die jeweilige Gemeinschaftseinrichtung, die ihr Kind besucht, zu informieren.“ Nur dann können die Behörden reagieren und eine weitere Ausbreitung verhindern.

BW

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