Streit um Aufdruck

AfD-Politiker wirbt mit Buch von Alt-OB Ude - der wehrt sich mit drastischen Worten

Plakat des Anstoßes: AfD-Kandidat Petr Bystron wirbt mit dem Cover von Udes Buch.

Das Cover des neuen Buches von Alt-OB Christian Ude ist seit neuestem nicht nur im Buchhandel sondern auch auf einem AfD-Wahlplakat. Das gefällt dem SPD-Mann Christian Ude gar nicht. 

Es kracht im Wahlkampf – und zwar nicht zwischen den üblichen Verdächtigen. Diesmal ist zwischen Alt-Oberbürgermeister Christian Ude (69) und dem Direktkandidaten der AfD im Münchner Norden, Petr Bystron (44), ein Streit entbrannt. Der AfD-Landesvorsitzende hat ein Cover des neuen Ude-Buchs auf seine Wahlkampfplakate gedruckt – mit der Zeile: „Ich mache die Politik, von der Ude nur schreibt!“ Der Alt-OB ist nicht amüsiert, auch sein Verlag reagierte mit einer Stellungnahme.

Udes Buch trägt den Titel: „Die Alternative oder: Macht endlich Politik!“ Das Werk soll ein Appell sein, „sich daran zu erinnern, wie wahnsinnig wichtig Politik ist: Schließlich entscheidet sie darüber, wie wir künftig leben werden“, sagte Ude unserer Zeitung bei der Präsentation seines Werkes. „Mein Anliegen ist nicht ein neues Programm, dafür bin ich als Rentner nicht zuständig, und auch keine Wahlempfehlung, sondern eine Auseinandersetzung mit modischem Fehlverhalten.“

Ude: „Schmarotzende Werbung“

Dass er nun Teil des Wahlkampfes der Partei Alternative für Deutschland sein soll, verärgert Ude. „Die am rechten Rand entlangtorkelnde und seit Monaten stetig schrumpfende Ansammlung verbitterter Rechter und nachwachsender Wutbürger, die so gerne eine ,Alternative‘ wäre, wirbt jetzt mit dem Titelbild meines Buches. Im Urheberrecht nennt man das schmarotzende Werbung, wenn jemand vom Namen, Ruf und Ansehen eines anderen profitieren will.“

Tatsächlich schreibt Ude in seinem Buch auch über die AfD. Sie sei „nicht die Alternative, sondern eine Gefahr. Nämlich die Gefahr, dass die schlimmsten Fehler und Entgleisungen Europas im 20. Jahrhundert noch einmal wiederholt werden, mit allen verheerenden Folgen für die Menschen dieses Kontinents, und diesmal ohne die Ausrede, das habe man nicht kommen sehen können.“

“Man sollte Bücher erst einmal lesen“

Dass Bystron nun im Wahlkampf mit dem Versprechen werbe, just diese Inhalte umsetzen zu wollen, bestätige Ude in seiner Einschätzung über die rechtspopulistische Partei. „Der Landesverband bestätigt, dass er diese Politik auch tatsächlich macht. Ein erstaunliches Geständnis!“

Falls der AfD-Landesverband auf Udes Aussagen zur Flüchtlingspolitik anspiele, dann bekenne sich der Verband zum Grundrecht auf Asyl, zur Genfer Flüchtlingskonvention, zur Respektierung jedes Bleiberechts und jedes Abschiebungshindernisses und auch zum Nein zur Obergrenze. „Man sollte Bücher, bevor man sie missbrauchen will, tatsächlich erst einmal lesen. Vielleicht tun dies jetzt dank des Plakats einige Wähler, die sonst in den braunen Sumpf geraten könnten. Dann hätte diese Dreistigkeit auch ihr Gutes gehabt.“

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