Dortmund besiegt "Fluch von Berlin" - Triumph für Tuchel

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Was ist nur los auf Münchens Radwegen?

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An diesem Container-Durchgang in Sendling kam es zum Streit. Kurze Zeit später rasen Radler schon wieder auf engstem Raum aneinander vorbei

München - Am Freitag ist ein Rentner (75) nach einem Sturz in Folge eines Gerangels gestorben. Beleidigungen, Schlägereien, ein schrecklicher Todesfall – was ist nur los auf Münchens Radwegen?

Die Menschen in Sendling sind immer noch fassungslos: Wieso musste Fritz Ebel sterben, fragen sich viele. Der Rentner (75) war am vergangenen Dienstag nach einem Gerangel mit einem Radfahrer (53) gestürzt. Dabei wurde er so schwer verletzt, dass die Ärzte ihm nicht mehr helfen konnten. Am Freitag starb er im Krankenhaus.

Aber das ist nicht der einzige schwere Zwischenfall auf Münchens Radwegen: Ebenfalls vergangene Woche war es zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Männern gekommen, die sich in Bogenhausen einen Boxkampf auf ihren Radln lieferten. Einer wurde schließlich mit gebrochenem Schlüsselbein ins Krankenhaus eingeliefert.

Beleidigungen, Schlägereien, ein schrecklicher Todesfall – was ist nur los auf Münchens Radwegen? Die Polizei wertet beide Ereignisse als Einzelfälle. „Wir können nicht feststellen, dass die Aggressivität zugenommen hat“, so ein Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums. Fakt ist aber: Die Zahl der Radlunfälle ist heuer von Januar bis April im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen – um 34,6 Prozent von 433 auf 547.

Noch alarmierender ist dabei die Zahl der Verletzten. Denn sie stieg im gleichen Zeitraum sogar um 38,5 Prozent – von 395 auf 547! Angesichts dessen appelliert die Polizei an alle Radler noch einmal besonders, sich an Verkehrsregeln zu halten, defensiv zu fahren sowie freiwillig einen Helm zu tragen.

Der Münchner Verkehrspsychologe Karsten Lang hat übrigens festgestellt, dass vielen Verkehrsteilnehmern, die aggressiv unterwegs sind, schlicht die Möglichkeit fehlt, sich in die Situation von Opfern einfühlen zu können. „Die verstehen gar nicht, dass sie eine Gefahr darstellen.“ Dass die Aggressionen im Verkehr zugenommen hätten, glaubt er aber nicht.

Von den rund 120  000 medizinisch-psychologischen Untersuchungen, die jedes Jahr in Deutschland durchgeführt würden, fielen auf das Thema Aggression gerade mal 0,06 Prozent. Sein Tipp: „Bei Problemen sollte man deeskalierend reagieren und sich notfalls sogar entschuldigen. Danach hat man auf jeden Fall ein gutes Gefühl. Und der andere wird ganz sicher über das Ganze noch einmal nachdenken …“

„Wir werden strenger kontrollieren müssen“

Radler gegen Radler, Radler gegen Fußgänger, Autofahrer gegen Radler und Fußgänger – Markus Schildhauer (51), Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrads Clubs in Bayern, umschreibt das, was sich täglich auf unseren Straßen abspielt mit den Worten: „Jeder gegen jeden.“ Der tz erklärt er, wie Konflikte zu vermeiden wären.

Herr Schildhauer, warum sind viele Menschen so aggressiv, wenn sie auf dem Fahrradsattel oder am Steuer sitzen?

Schildhauer: Weil sich jeder sagt: Ich bin im Recht – und das setz’ ich auch durch. Auch wenn ich den anderen dabei über den Haufen fahre.

Wie können wir das ändern?

Schildhauer: Wir müssen gelassener werden …

Das sagt sich so leicht …

Schildhauer: Wir fangen gerade damit an, dieses Thema in die Schulen zu bringen. Dort müssen wir anfangen, langsam etwas zu ändern.

Und was machen wir bis dahin?

Schildhauer: Wir werden – gerade bei den Radfahrern – mehr und strenger kontrollieren müssen.

Das wird aber einen Aufschrei bei vielen Radlern geben …

Schildhauer: Fakt ist doch, dass keiner von uns mit dem Auto so gegen die Verkehrsregeln verstoßen würde, wie er das mit dem Fahrrad tut. Das liegt daran, dass die Strafen nicht so hart sind und die Gesellschaft dieses Fehlverhalten nicht so ächtet.

Stimmt das Gefühl, dass es immer mehr Radl-Rowdies gibt?

Schildhauer: Sicher nicht. Das sind Einzelfälle, vor allem, wenn man bedenkt, dass sich in München der Anteil der Radler am Gesamtverkehr in den letzten fünf Jahren verdoppelt hat – von sieben auf 14 Prozent.

Das heißt, es wird ganz grundsätzlich immer enger auf Münchens Radlwegen?

Schildhauer: Die Stadt hat in den letzten Jahren viel investiert, um die Situation für Radler zu verbessern. Aber es geht nicht um mehr Radwege. Die Zukunft wird sein, den Radverkehr auf die Straße zu holen, um die ohnehin schmalen Wege für Fußgänger frei zu haben. Auf dem Rotkreuzplatz passiert das übrigens gerade. Dort wird eine Auto­spur für Radler freigemacht.

Ihre nächsten Pläne?

Schildhauer: Unabhängig von den beiden schlimmen Fällen wird es nächste Woche zu dem Thema einen runden Tisch geben – mit Vertretern der Stadt und der Polizei.

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